Sport : Favoriten im Stress

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Hamburg (dpa). Brasilien schwächelt, Titelverteidiger Frankreich patzt ohne Spielmacher Zidane, Italien verliert in Prag, und das trinkfeste englische Team löscht seinen WM-Durst an einer Bar in Dubai. Im Countdown für die Weltmeisterschaft vom 31. Mai bis 30. Juni in Japan und Südkorea mussten die Mitfavoriten am Pfingstwochenende heftige Kritik einstecken.

Die Franzosen sind nach ihrer 1:2-Niederlage im Testspiel gegen Belgien am Montag zur unmittelbaren WM-Vorbereitung in Japan eingetroffen. Superstar Zinedine Zidane ließ Testspiel und Abreise sausen, weil seine Frau Veronique in Marseille Sohn Theo zur Welt brachte. Erst am Mittwoch wird er in Asien erwartet. An der Stätte des WM-Triumphs vor vier Jahren mussten 80 000 Zuschauer mit ansehen, wie die Belgier nach Toren von Glen de Boeck und dem Schalker Marc Wilmots sowie Frank Leboef für Frankreich den Weltmeister aus neuerlichen Titelträumen wachrüttelten. Nationaltrainer Roger Lemerre weiß nun, was in der Heimat erwartet wird: „Alles andere als der Finalsieg wird als Rückschlag angesehen.“

Brasiliens Linksverteidiger Roberto Carlos glaubt sogar, dass der Europameister an diesem Druck zerbrechen und nicht einmal das Halbfinale erreichen wird: „Die Franzosen gehen als großer Favorit ins Turnier. Sie werden mit dem Druck leben müssen, den Brasilien schon seit Jahren hat.“ Auch auf die Brasilianer prasselte nach der schwachen Vorstellung beim 3:1 über eine Auswahl Kataloniens in Barcelona vor 97 000 Zuschauern im Nou Camp heftige Kritik nieder. Einziger Lichtblick war Ronaldinho Gaucho von Paris St. Germain, der zwei Tore erzielte. Am Montag reisten die Brasilianer nach Kuala Lumpur, wo am Samstag die WM-Generalprobe gegen Malaysia auf dem Programm steht. Brasiliens Trainer Luiz Felipe Scolari brachte seine WM-Option auf den Punkt: „Titel oder Hut nehmen.“

Die Italiener beschäftigt eine ganz andere Frage: WM mit oder ohne Francesco Totti? Der Spielmacher vom AS Rom wurde bei der 0:1- Niederlage gegen Tschechien in Prag wegen Adduktoren-Problemen geschont. „Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich ein paar Minuten gespielt“, sagte der Liebling von Nationaltrainer Giovanni Trapattoni. Trapattoni betonte erneut, dass mit dem Römer das Spiel der Mannschaft steht und fällt. „Ich bin nicht beunruhigt, weil man das Fehlen von Totti bemerkt hat. Aber ich wäre beunruhigt, wenn wir so bei der WM spielen würden“, sagte Trapattoni.

Wenn die Engländer bei der WM so spielen, wie sie trinken können, dürften sie in der schweren Gruppe mit Argentinien, Nigeria und Schweden keine Probleme haben. 60 000 Euro lautete nach drei Tagen Aufenthalt die Rechnung an der Hotelbar – 160 Euro pro Nacht und Delegationsmitglied. Inzwischen ist das Team auf die südkoreanische Ferieninsel Seogwipo gereist, wo es am Dienstag auf den WM-Gastgeber trifft und am Sonntag gegen Deutschlands WM-Gegner Kamerun letztmals testet. Am Montag trainierte Kapitän David Beckham nach seinem Mittelfußbruch zum ersten Mal wieder mit der Mannschaft.

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