Favoritenstürze : Sechs Erstligisten scheitern beim Pokal-Auftakt

Die Bundesliga macht noch Sommerpause: Sechs Erstligisten scheitern bereits in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen unterklassige Gegner.

Der Hamburger SV sieht ohnehin einer schweren Bundesliga-Saison entgegen. Fast könnte man dem bitteren Pokal-Aus (2:4 gegen Drittligist Karlsruher SC) etwas Positives abgewinnen, denn nun können die Hamburger alle Kraft in die Liga stecken.Weitere Bilder anzeigen
Foto: dapd
20.08.2012 09:44Der Hamburger SV sieht ohnehin einer schweren Bundesliga-Saison entgegen. Fast könnte man dem bitteren Pokal-Aus (2:4 gegen...

Die erste Runde des DFB-Pokals hält diesmal ungewöhnlich viele Überraschungen bereit. Erstmals seit 25 Jahren sind bereits sechs Bundesligisten ausgeschieden. Am Samstag waren Aufsteiger Greuther Fürth (am Drittligisten Offenbach) und die TSG Hoffenheim gescheitert – letztere mit 0:4 beim Regionalligisten Berliner AK. Am Sonntag schieden noch einmal vier Bundesligisten gegen unterklassige Vereine aus. Und meistens war nicht mal Pech dabei.

Erzgebirge Aue – Eintracht Frankfurt 3:0

Das Erstrundenaus von Bundesligaaufsteiger Eintracht Frankfurt nahm bereits in der 19. Spielminute Gestalt an. Nach einem groben Fehler von Abwehrspieler Heiko Butscher blieb Frankfurts Torhüter Kevin Trapp gegen den heranstürmenden Jakub Sylvestr nur noch die Möglichkeit einer Notbremse. Schiedsrichter Daniel Siebert schickte den Neuzugang aus Kaiserslautern ohne zu zögern zum Duschen. Und gegen den fälligen Strafstoß von Thomas Paulus konnte auch der eingewechselte Torwart-Routinier Oka Nikolov nichts ausrichten. Aus heiterem Himmel lag Zweitligist Erzgebirge Aue in Front. Dabei hatten die Hessen doch in den vergangenen beiden gemeinsamen Jahren in der Zweiten Liga sämtliche vier Duelle gegen Aue gewonnen. Überrascht war dann auch Stürmer Alexander Meier: „Einige von uns habe sich das einfacher vorgestellt. Aber wir haben nicht immer alle verteidigt, was wir unbedingt hätten tun müssen. Die Niederlage ist bitter für uns.“ Seiner Mannschaft fiel gegen die defensiv gut organisierten Hausherren trotz leichter spielerischer Vorteile aber auch nicht wirklich etwas Konstruktives ein. Und ein schneller Konter machte schließlich alle Bemühungen der Gäste auf den Ausgleich zunichte. Einen weiten Abschlag von Aues Torhüter Martin Männel landete bei Sylvestr. Und der Slowake tanzte Neuzugang Vadim Demidov aus und ließ Nikolov keine Chance. Den möglichen Anschlusstreffer durch Meier vereitelte Männel mit einer Glanzparade, ehe Sylvestr kurz vor dem Schlusspfiff erneut traf. „Spielentscheidend war der Elfmeter, den wir selbst verursacht haben. Es war ziemlich heiß, das war ein Problem für uns. Wir hatten gute Möglichkeiten, aber haben leider keine Tore gemacht“, meinte Eintracht-Coach Armin Veh.

TSV Havelse – 1. FC Nürnberg 3:2 n.V.

Eine Woche lang hatte Nürnbergs Trainer Dieter Hecking seine Spieler vor dem TSV Havelse gewarnt. Denn vor 21 Jahren hatten die Franken bereits schon einmal gegen den heutigen Regionalligisten verloren. Damals siegte Havelse als Drittligist im Elfmeterschießen. Doch Hecking war anscheinend auf taube Ohren gestoßen. Und so musste Club-Spieler Timmy Simons nach 120 Minuten zugeben: „Man weiß genau, was passieren kann. Und das ist passiert.“ Selbst die frühe Führung durch den agilen Alexander Esswein brachte Heckings Mannschaft keine Sicherheit. Robert Mak rettete mit seinem Tor den Club zwar in die Verlängerung, doch dort krönte Havelses Marc Vucinovic seine überragende Leistung mit dem Siegtor. Der Spielmacher hatte zuvor bereits die Treffer von Christian Biermann und Patrick Posipal vorbereitet. „Es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Ich weiß nicht, woher wir die Kraft genommen haben“, bekannte Torschütze Posipal. Seine Mannschaft hätte sogar höher gewinnen können, Nürnbergs Torhüter Raphael Schäfer musste mehrfach in höchster Not retten. Eine Woche vor dem Bundesliga-Start offenbarte vor allem die Abwehr der Franken eklatante Schwächen. „Unsere Raumaufteilung war überhaupt nicht vorhanden“, kritisierte ein frustrierte Dieter Hecking seine Spieler. „Enttäuscht bin ich vor allem, dass wir nach dem 2:2 das Spiel nicht in den Griff gekriegt haben. Havelse ist verdient eine Runde weitergekommen.“

Video: Peinliche Pleiten für sechs Bundesligisten:

Karlsruher SC – Hamburger SV 4:2

Zweimal lag der Hamburger SV gegen Drittligist Karlsruher SC durch die Treffer von Marcus Berg und Maximilian Beister bereits in Führung, doch die Badener ließen sich nicht unterkriegen und entschieden auch das dritte Pokalheimspiel gegen den großen HSV nach Gegenschlägen von Koen van der Biezen, Selcuk Alibaz, Martin Stoll und Elia Soriano abermals für sich. HSV-Trainer Thorsten Fink sah die Ursache für die Schlappe in den eigenen Reihen. „Riesenchancen müssen wir einfach nutzen. Der KSC hat am Ende verdient gewonnen“, sagte er und forderte für die kommenden Tage: „Wir müssen eine Reaktionen zeigen, um in der Liga gut zu starten.“ An seiner alten Wirkungsstätte setzte der Ex-KSC-Profi Fink auf Neuzugang René Adler im Tor, vorne sollten Marcus Berg und der Südkoreaner Heung Min Son für Gefahr sorgen. Doch beide Angreifer waren in der ersten Hälfte kaum zu sehen, beim 1:0 hatte Berg im Nachsetzen das Glück auf seiner Seite. Unbeeindruckt vom Rückstand fand der KSC im Anschluss besser ins Spiel. Nach einem Diagonalpass von Hakan Calhanoglu, dessen Wechsel zum HSV fünf Tage vor dem Spiel bekanntgegeben wurde, flankte Danny Blum kopfgenau auf van der Biezen, der aus vier Metern keine Mühe hatte. Als die KSC-Spieler gedanklich schon in der Halbzeit waren, erzielte Beister die erneute Führung. Die Vorentscheidung für den HSV verpassten dann erst Marcell Jansen mit einem Pfostenschuss und Jeffrey Bruma bei der folgenden Ecke mit dem Kopf. Und das sollte sich rächen: Erst glich Alibaz mit einem Freistoß aus 18 Metern aus, dann versetzten Stoll und Soriano dem Bundesligisten den letzten Stoß.

Sehen Sie hier die Galerie des Scheiterns:

Favoritensterben im DFB-Pokal
Der Hamburger SV sieht ohnehin einer schweren Bundesliga-Saison entgegen. Fast könnte man dem bitteren Pokal-Aus (2:4 gegen Drittligist Karlsruher SC) etwas Positives abgewinnen, denn nun können die Hamburger alle Kraft in die Liga stecken.Weitere Bilder anzeigen
1 von 15Foto: dapd
20.08.2012 09:44Der Hamburger SV sieht ohnehin einer schweren Bundesliga-Saison entgegen. Fast könnte man dem bitteren Pokal-Aus (2:4 gegen...

Preußen Münster – Werder Bremen 4:2 n.V.

Auch für Werder Bremen reichte es trotz zweimaliger Führung gegen Drittligist Preußen Münster nicht zum Weiterkommen. Neuzugang Eljero Elia und der eingewechselte Niclas Füllkrug hatten Werder in der regulären Spielzeit zweimal auf die Siegerstraße gebracht. Doch der Amerikaner Matthew Taylor rettete die unermüdlich kämpfenden Münsteraner mit seinen Toren in die Verlängerung. Dort gelang Dimitri Nazarow der vielumjubelte Treffer zum 3:2, und wiederum Taylor sorgte schließlich für die Entscheidung. Wie bereits im Vorjahr scheiterte Werder Bremen also in Runde eins. Routine? Zumindest laut Bremens Spielmacher Aaron Hunt: „Wir werden jetzt ein, zwei Tage traurig sein und das Spiel analysieren. Dann müssen wir wieder nach vorne schauen.“ Weitreichender beurteilte das Pokal-Aus Werders sportliche Leitung.

Klaus Allofs deutete an, dass die nun wegfallenden weiteren Pokaleinnahmen den geplanten Transfer von Brügges Stürmer Joseph Akpala nach Bremen erheblich erschweren. „Wir hatten mit einigen Runden Pokal geliebäugelt. Diese Mittel sind jetzt nicht da. Das ist eine neue Situation“, sagte der Geschäftsführer. Zuvor hatte Allofs erklärt, dass mit dem 25-Jährigen nur noch ein paar Kleinigkeiten zu regeln seien.Tsp (mit dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben