Fazit der WM in Berlin : Runde Sache

Die Organisatoren sind zufrieden mit der WM. Zwar blieben Plätze frei – und ein kleines Defizit bleibt an Berlin hängen. Die Stimmung aber war bleibend gut.

Friedhard Teuffel
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Die Mannschaft dankt. Das deutsche Team zeigt sich erkenntlich.Foto: ddp

Einen Titel wie „die beste WM aller Zeiten“, wollte Lamine Diack nicht vergeben, aber der Präsident des Internationalen Leichtathletik- Verbandes hat dennoch einige hübsche Worte in seine Bilanz geflochten, „außergewöhnlich“ zum Beispiel und „fantastisch“. Als er nach Kritik an der WM gefragt wurde, sagte er mit vielen Sätzen, dass es eigentlich nichts zu kritisieren gebe. Einen Superlativ vergab Diack nur an einen Athleten, an Usain Bolt: „Er ist wohl im Moment nicht nur der populärste Leichtathlet, sondern der populärste Sportler überhaupt.“

Die Berliner gingen da mit ihrer eigenen WM kritischer um. „Mit den Kartenverkäufen hatten wir uns etwas Ambitionierteres vorgenommen“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, „ich hatte gehofft, dass das Tagesgeschäft etwas besser läuft.“ Um die 400 000 Karten hat das Organisationskomitee abgesetzt, 336 000 davon im Vorverkauf, 500 000 Tickets hatten sich die Organisatoren zum Ziel gesetzt. Nicht akzeptieren wollten sie jedoch Kritik an den Eintrittspreisen. „Die günstigsten Tickets bewegten sich umgerechnet in dem Maßstab der Weltmeisterschaften von 1993“, sagte Clemens Prokop, der Präsident des Organisationskomitees. Die WM 1993 fand allerdings nicht in der Wirtschaftskrise statt und nicht in Berlin, sondern in Stuttgart. Und gerade für Familien - das ist einer der Hauptkritkpunkte - war der Stadionbesuch sehr kostspielig.

Aber auch Michael Mronz, der für die Vermarktung der Tickets verantwortlich war, wertete die Gestaltung der Eintrittspreise nicht als Ursache für leer gebliebene Sitzreihen. „Ich sehe keine Kausalität zwischen den Kartenpreisen und der Akzeptanz.“ Wenn er noch einmal etwas anders machen könnte, dann höchstens Kleinigkeiten. Ein Zettel zum Beispiel, den er in den Hotels auslegen würde, um Touristen, die ohnehin in der Stadt sind, auf die WM aufmerksam zu machen.

Einige merkwürdige Zahlenspiele kamen auch nochmal zum Vorschein: 515 000 Besucher seien im Stadion gewesen. Dafür haben die Organisatoren allerdings die Besucher am Vormittag und Nachmittag zusammengezählt mit der Begründung, das sei die Zählweise des Weltverbands. Warum das Organisationskomitee auch der Öffentlichkeit mitteilen musste, dass es doppelt sieht, blieb ein Rätsel.

Genau wie die Zuschauerzahlen an der Marathonstrecke. 1,3 Millionen Menschen hätten am Samstag und Sonntag die Marathonwettbewerbe verfolgt. Doch auf diese Zahl kann man eigentlich nur kommen, wenn man die Zuschauer in jeder der vier Runden zusammenzählt und dann noch mit dem Faktor X multipliziert.

In der wirtschaftlichen Bilanz ist dann wieder alles leichter nachzuvollziehen. 44 Millionen Euro beträgt der Etat, 20 Millionen davon bezahlt der Berliner Senat. 14,8 Millionen sollten aus dem Kartenverkauf eingenommen werden und neun aus der sonstigen Vermarktung. Bis jetzt sieht es danach aus, als ob Berlin allenfalls ein übersichtliches Defizit ausgleichen müsste. Der einzige Posten, der die Bilanz etwas herunterziehe, seien die Logen. Aufgrund der wirtschaftlichen Verhältnisse hätten die Organisatoren nicht so viele davon verkauft, sagte Prokop. Bei den übrigen Tickets deckten die Einnahmen die Erwartungen, und das bedeutet laut Wowereit für die Gesamtbilanz: „Es kann ein kleines Minus sein, es kann aber auch eine Punktlandung geben.“

Die Glückszahlen für die Organisatoren sind die Einschaltquoten im Fernsehen. Beim 100-Meter-Finale schauten fast 10 Millionen Menschen zu. „Das ist das beste Ergebnis, das es je bei der Übertragung eines Ereignisses der Leichtathletik gab“, sagte Prokop, auch beim Hochsprung der Frauen war die Quote sehr hoch. „Wir haben in der Zielgruppe der 15- bis 49-Jährigen sogar RTL geschlagen“, sagte Prokop. Und das Hammerwurffinale der Frauen habe die Fußball-Bundesliga übertroffen. Nicht zu beziffern war dagegen die Stimmung im Stadion, Prokop nannte sie daher einfach „beispiellos“.

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