Sport : Fazit: Unentschieden

Hertha BSC liegt zur Winterpause auf dem fünften Tabellenplatz – und muss damit zufrieden sein

Mathias Klappenbach

Berlin - Auch die Gefühlslage war unentschieden. Hertha BSC war am Sonntag gegen den 1. FC Nürnberg lange einem Rückstand hinterhergerannt, ehe Alexander Madlung noch der Ausgleich glückte. Aber die Berliner gewannen das Spiel nicht mehr, und so waren Trainer, Manager und die Spieler froh und enttäuscht zugleich. Froh waren sie darüber, dass Hertha nach der Hinrunde auf dem fünften Platz in der Bundesliga steht. Und enttäuscht darüber, dass der Rückstand auf die Plätze davor so groß ist.

In der Rückrunde gibt es für die Berliner in der Bundesliga wohl nicht mehr so viel zu gewinnen. „Wir wollen verteidigen, was wir uns erarbeitet haben“, sagt Trainer Falko Götz. Hertha hat die Gruppenphase des Uefa-Cups überstanden, obwohl die Mannschaft kein einziges Tor geschossen hat. Im DFB-Pokal geht es am Mittwoch (19 Uhr) beim Regionalligisten FC St. Pauli um den Einzug ins Viertelfinale. Und Platz fünf in der Liga, der die erneute Qualifikation für den Uefa-Cup bedeuten würde, entspricht der offiziellen Zielvorgabe. Aber in der sind nur die Minimalziele festgeschrieben. „Wir haben uns das schon anders vorgestellt“, sagt Götz. „Aber es ist auch nicht einfach. Die Bayern spielen sowieso in einer anderen Liga, der HSV hat unheimlich investiert, und auch die anderen haben im Sommer viel gemacht.“ Die klamme Hertha hatte kein Geld für namhafte Verstärkungen, auch in der Winterpause wird laut Manager Dieter Hoeneß wahrscheinlich kein weiterer Spieler verpflichtet.

Um in die Nähe der Champions-League-Plätze zu kommen, hat Hertha zu wenig konstant gespielt. Nur ein einziges Mal gewannen die Berliner zwei Spiele hintereinander, am sechsten und siebten Spieltag gegen die Abstiegskandidaten MSV Duisburg und 1. FC Köln. Nach wie vor ist der Erfolg zum großen Teil von den Glanzmomenten Einzelner abhängig. Sind diese verletzt (Bastürk) oder indisponiert (Marcelinho), fällt den anderen häufig zu wenig ein. „Uns fehlt die Frische und die Unbekümmertheit“, sagte Dieter Hoeneß nach dem Spiel gegen Nürnberg. „Wir sind ein bisschen gelähmt.“ Überhaupt spielt Hertha keinen begeisternden Fußball, der Zuschauerboom in der Bundesliga findet ohne die Berliner statt. Im Vergleich zum Vorjahr sank der Zuspruch um mehr als 2500, mit durchschnittlich 40 882 Besuchern liegt Hertha im Mittelfeld der Liga.

Dass ein Uefa-Cup-Platz in der Hauptstadt so etwas ist wie ein gefühlter Mittelfeldrang, erklärt die gedämpfte Stimmung bei den Verantwortlichen. Zu den Heimspielen im Uefa-Cup kamen nur halb so viele Zuschauer wie in der Bundesliga. „Wir haben keine übermäßig gute Hinrunde gespielt“, sagt Falko Götz. „Wichtig ist aber, dass wir noch alle Chancen haben. Die Basis ist da.“

Das stimmt, wenn man diese Aussage auf die vielen jungen Spieler bezieht, die Götz nach und nach in die Mannschaft einbaut. Das macht er aber auch deshalb, weil er es muss. Ebenso wie die Fans werden sich die Verantwortlichen damit anfreunden müssen, dass es ein großer Erfolg wäre, wenn Hertha auch am Ende der Saison noch auf dem fünften Platz stehen würde.

Zu groß ist der Abstand zu den ersten vier Mannschaften in der Bundesliga, die zehn Punkte Rückstand auf Werder Bremen und den Champions-League-Qualifikationsplatz entsprechen dem Unterschied in der Leistungsfähigkeit beider Mannschaften. Die vorderen Teams haben sich weiterentwickelt. Hertha ist nur nicht schlechter geworden.

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