• FBI-Ermittlungen gegen die Fifa: Die gute Tat des Weltpolizisten für den Fußball

FBI-Ermittlungen gegen die Fifa : Die gute Tat des Weltpolizisten für den Fußball

Den USA mag man manches vorwerfen können, aber im Falle der Fifa-Ermittlungen haben sie zugepackt, wo andere nur wegschauen. Sie haben sich damit einen kräftigen Applaus verdient. Ein Kommentar

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Mitarbeiter des FBI sichern Dokumente in der Zentrale des nord-und mittelamerikanischen Fußballverband CONCACAF in Miami.
Mitarbeiter des FBI sichern Dokumente in der Zentrale des nord-und mittelamerikanischen Fußballverband CONCACAF in Miami.Foto: Javier Galeano/REUTERS

Mein lieber Fußballgott, die Amis trau’n sich was! Lassen Fifa- Funktionäre in der Schweiz wegen Bestechungsverdacht aus den Betten holen. Verhindern womöglich doch noch die Wiederwahl Joseph Blatters, mit der sich die halbe Welt in verzweifeltem Kopfschütteln abgefunden hatte, und befreien den Weltfußball vielleicht von dem Krebsgeschwür mafiaartiger Geschäfte.

Ginge es mit rechten Dingen zu, hätte die Fifa Blatter schon lange davonjagen müssen. Selbst wenn es stimmt, dass er sich nicht persönlich bereichert hat: Er wirkt wie der allwissende Pate eines korrupten Systems, der die Bestechlichkeit anderer Funktionäre für seine Machtspiele nutzt. Wenn er stürzt, würden Milliarden Fans, die einen sauberen Sport wünschen, Genugtuung empfinden. Und für diesen Etappensieg des Anstands über die Heuchelei könnten sie den USA dankbar sein, wenigstens klammheimlich.

Wer traut sich außer den USA?

Wie bitte? Dankbarkeit gegenüber den USA, weil sie mal wieder Weltpolizist spielen? In vielen Augen sind die doch selbst Heuchler, predigen Moral und internationales Recht, halten sich aber nicht daran, von Guantanamo über die Verfolgung amerikanischer Kriegsverbrechen bis zum Abhörwahn der NSA.

Die USA, so der verbreitete Verdacht, verfolgen Rechtsbrecher nicht systematisch, sondern nur dann, wenn es opportun erscheint oder US-Interessen nützt. Dabei dehnen sie die Zuständigkeit der US-Justiz oft weit über das zulässige Maß aus: ihre Landesgrenzen. Gegenüber internationalen Konzernen wie Siemens, der Schweizer UBS oder der Deutschen Bank genügt meist die Drohung, ihre Börsenzulassung in New York zu überprüfen oder sie von öffentlichen Aufträgen auszuschließen, um Schuldbekenntnisse und außergerichtliche Milliardenzahlungen zu erzwingen. Wer sonst traut sich das?

Die Beißhemmung der Uefa

Der Fifa-Fall liegt anders. Der spektakuläre Zugriff in der Schweiz war nicht das Ziel, sondern eine Folge der US-Ermittlungen. Sie hatten nicht mit der anmaßenden Absicht begonnen, amerikanische Gesetze global anzuwenden, sondern mit Hinweisen auf mutmaßliche Verbrechen in den USA: Korruptionsvorwürfe und Steuervergehen gegen Funktionäre des Fußballverbandes für Nord-, Mittelamerika und die Karibik, der seinen Sitz in Miami, Florida, hat. Wäre es um die Durchsetzung nationaler gegen ausländische Interessen gegangen, böten sich andere, in den USA weit populärere Sportarten an wie Baseball, Football, Eishockey. Die Zugkraft von Männerfußball ist dort noch immer sehr begrenzt.

Beifall für die USA

Wieder einmal zeigt sich: Mächtig und zupackend erscheinen die USA vor allem da, wo andere Schwäche zeigen. Warum haben sich die Europäer zuvor nur zaghaft gegen das System Blatter gewehrt und zogen erst mit, als die US-Ermittler handelten? Hatte die Uefa Beißhemmung aus Furcht, dass auch ihre Funktionäre in lukrative Familiengeschäfte verwickelt sein könnten, zum Beispiel die Platinis?

Übermacht hat Licht- und Schattenseiten. Die NSA-Schnüffelei empört uns, die Warnungen vor Anschlägen nehmen wir gerne, ohne zu fragen, woher die Informationen stammen, die uns schützen. Bei allen Klagen über die Dominanz der US- Banken: Wer sonst verfolgt den Libor- Skandal um Zinsmanipulationen so konsequent, dass es Nachahmer abschreckt?

Lob, wenn Lob gebührt. Der nächste Anlass für Empörung kommt gewiss. Für den Coup gegen die Fifa-Korruption darf die Fußballwelt den USA applaudieren.

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