• FBI-Ermittlungen gegen die Fifa: Kronzeuge Blazer gesteht Bestechung bei Fifa vor WM 1998 und 2010

FBI-Ermittlungen gegen die Fifa : Kronzeuge Blazer gesteht Bestechung bei Fifa vor WM 1998 und 2010

Der frühere Fifa-Funktionär Chuck Blazer hat Korruption vor der WM-Vergabe 1998 und 2010 eingeräumt. Das geht aus jetzt veröffentlichten Aussagen Blazers hervor. Das FBI untersucht auch die Vergabe der WM 2018 und 2022. Die Ereignisse zum Nachlesen im Blog.

von , , und Martin Einsiedler, Kai Portmann
Der frühere Fifa-Funktionär und jetzige FBI-Kronzeuge Chuck Blazer (rechts) mit dem langjährigen Fifa-Präsidenten Sepp Blatter (Archivbild von 2011)
Der frühere Fifa-Funktionär und jetzige FBI-Kronzeuge Chuck Blazer (rechts) mit dem langjährigen Fifa-Präsidenten Sepp Blatter...Foto: AFP/Fabrice Coffrini

Nur vier Tage nach seiner Wiederwahl als Fifa-Präsident kündigt Sepp Blatter völlig überraschend seinen Rücktritt zum Jahreswechsel an. Die Fußballwelt reagiert überrascht, aber auch erleichtert. Blatter selbst will plötzlich kein Vertrauen mehr gespürt haben. Deshalb wolle er nun den Weg freimachen für Reformen, nachdem er 17 Jahre lang sein Imperium vor allem verwaltet hat. Womöglich aber steckt viel mehr hinter Blatters plötzlicher Amtsmüdigkeit? Es gibt Medienberichte aus den USA, dass US-Behörden nun auch gegen den Schweizer ermitteln. Es stellen sich aber auch andere Fragen - zu seiner Nachfolge oder zu einer möglichen Neuvergabe der WM 2018 und 2022. In unserem Live-Blog zur Fifa-Krise halten wir Sie nachfolgend mit allen aktuellen Entwicklungen des Tages auf dem Laufenden.

22:20 Uhr: FBI-Kronzeuge Chuck Blazer gesteht Korruption vor WM 2010. Blazer gab zu, dass er und andere Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees Bestechungsgelder bei der Vergabe der Fußball-WM 2010 in Südafrika akzeptiert hatten. Auch vor der Vergabe für das WM-Turnier 1998 in Frankreich soll es zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein. Dies geht aus den Zeugenaussagen des 70-Jährigen aus dem Jahr 2013 hervor, die am Mittwoch in New York veröffentlicht worden sind. Blazer war langjähriges Mitglied des Exekutivkomitees des Fußball-Weltverbandes. Nach der Anklage durch die US-Justiz zeigte er sich kooperativ. In den Zeugenaussagen bekennt sich Blazer auch des Betrugs gegenüber der Fifa sowie der Steuerhinterziehung schuldig.

Blazer gilt als Schlüsselfigur bei den derzeitigen Ermittlungen der US-Behörden gegen Fifa-Funktionäre. Der schwer krebskranke Blazer kam 2013 nach einer Kautionszahlung in Höhe von zehn Millionen Dollar auf freien Fuß und liegt nach Angaben der „New York Times“ derzeit in einem New Yorker Krankenhaus.

Die Aussagen Blazers über Bestechung bei der WM-Vergabe gelten als brisant: Bisher ermitteln die US-Behörden zwar gegen mehrere Fifa-Funktionäre wegen Bestechung und Korruption, Ermittlungen wegen WM-Vergaben wurden allerdings bisher nicht offiziell bestätigt. Besonders die WM-Vergabe nach Russland 2018 und Katar 2022 gelten als höchst umstritten.

19:50 Uhr: Die US-Bundespolizei FBI untersucht bei ihren Ermittlungen gegen die Fifa einem Insider zufolge auch die WM-Vergabe an Russland für 2018 und Katar für 2022. Die Nachforschungen gingen über das Korruptionsverfahren hinaus, in dessen Rahmen in der vergangenen Woche mehrere hochrangige Fifa-Funktionäre angeklagt worden seien, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus US-Ermittlerkreisen. Besonders an der Entscheidung für Katar hatte es scharfe Kritik gegeben.

Das FBI untersucht die WM-Vergabe an das Golfemirat spätestens seit September 2011. Aus Akten, die Reuters einsehen konnte, geht hervor, dass eine Mitarbeiterin der katarischen Bewerbungsorganisation aussagte, sie habe gesehen, wie Vertreter Katars 1,5 Millionen Dollar an drei afrikanische Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees gezahlt habe. Damit sollte demnach sichergestellt werden, dass sie für den Wüstenstaat stimmen. Die Frau widerrief dann ihre Aussage. Später sagte sie jedoch FBI-Vertretern, sie habe dies auf Druck des katarischen Bewerbungskomitees getan.

17:15 Uhr: Oppermann rügt DFB für halbherziges Verhalten in Fifa-Affäre. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann hat den Deutschen Fußball-Bund (DFB) nach dem angekündigten Rücktritt von Joseph Blatter inmitten der Fifa-Korruptionsaffäre kritisiert. „Manchmal habe ich den Eindruck, dass sich der DFB seiner gesellschaftlichen und damit politischen Möglichkeiten zu wenig bewusst ist“, sagte Oppermann der „Berliner Zeitung“.

17:10 Uhr: Jordanischer Verband befürchtet Umdenken Blatters. Der jordanische Fußball-Verband hält ein Umdenken von Blatter nach seiner Rücktrittsankündigung nicht für ausgeschlossen. Blatter sei „zurückgetreten und nicht zurückgetreten. Es scheint, als ob er sich selbst ein weiteres Jahr im Amt gebe. Er könnte sich noch umentscheiden“, sagte Vize-Präsident Salah Sabra der Nachrichtenagentur AP.

16:50 Uhr: Blatter-Rücktritt ohne Einfluss auf TV-Verträge von ARD/ZDF: Der angekündigte Rückzug von Blatter hat keinen Einfluss auf die Fernsehverträge von ARD/ZDF mit dem Fußball-Weltverband Fifa. Die öffentlich-rechtlichen Sender besitzen bereits die Übertragungsrechte für die WM-Turniere 2018 in Russland und 2022 in Katar. „Die bereits geschlossenen Verträge über die TV-Rechte der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 sind von der neuen Situation nicht betroffen“, erklärte ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz am Mittwoch auf Anfrage.

16:30 Uhr: Kein Kommentar zu möglichen Ermittlungen gegen Blatter. US-Justizministerin Loretta Lynch schweigt zu möglichen FBI-Ermittlungen gegen den scheidenden Blatter. „Dies ist eine laufende Angelegenheit“, sagte Lynch nach einem Treffen mit europäischen Amtskollegen im lettischen Riga. „Es ist ein offener Fall, und deshalb werden wir nun durch die Gerichte sprechen.“

16:10 Uhr: Interpol fahndet nach sechs Fifa-Funktionären. Im Auslieferungsverfahren der US-Justiz leistet inzwischen Interpol Amtshilfe. Es geht nach Angaben der internationalen Polizeibehörde um den früheren FIFA-Vize-Präsidenten Jack Warner aus Trinidad und Tobago sowie um den Paraguayer Nicolás Leoz, ehemals Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees und südamerikanischer Verbandschef. Auch vier Geschäftsleute werden genannt. Die Vorwürfe der US-Behörden lauten Korruption, Verschwörung und organisiertes Verbrechen.

15:30 Uhr: Merkel fordert mehr Transparenz von der Fifa. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) setzt nach dem Rücktritt Blatter auf eine Erneuerung des Fußball-Weltverbandes. "Ich glaube, dass es jetzt besser möglich sein wird, die Arbeit der Fifa auf eine transparente Grundlage zu stellen", sagte Merkel am Mittwoch in Berlin. Sie denke, es sei für Milliarden Fans, die den Fußball mögen - "auch ich gehöre ja zu den Fans" - eine gute Nachricht, wenn die Organisation, die den Weltfußball vertrete, "nach den Maßstäben funktioniert, die wir uns alle wünschen".

15:15 Uhr: BVB-Geschäftsführer Watzke erstaunt über Blatter-Rücktritt. Die Rücktrittsverkündung von Blatter hat BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke gefreut und überrascht zugleich. „Die Entscheidung ist sehr gut für den Fußball. Die Umstände, die dazu geführt haben, haben mich allerdings überrascht", sagte er und fügte hinzu: "Dass ich mich am Freitag wählen lasse und mir am Dienstag einfällt, dass ich
zurücktrete, habe ich auch noch nicht erlebt. Aber ich hatte bei der FIFA schon oft das Gefühl, dass etwas passiert ist, was ich vorher noch nie erlebt habe."

14.40 Uhr: Wolfgang Niersbach fordert schnellere Neuwahl. Der DFB-Präsident traut Michael van Praag die Nachfolge des scheidenden Weltverbands-Bosses Joseph Blatter zu. Der Niederländer könne das Amt angesichts "seiner beruflichen Erfahrung und seiner Seriosität" übernehmen, sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Mittwoch in Berlin.

Michael van Praag wäre für DFB-Chef Niersbach eine gute Lösung als Blatter-Nachfolger.
Michael van Praag wäre für DFB-Chef Niersbach eine gute Lösung als Blatter-Nachfolger.Foto: dpa

Van Praag hält sich nach der Rücktrittsankündigung Blatters am Dienstagabend eine Kandidatur offen. Der Niederländer hatte seine Bewerbung vor der vierten Wiederwahl von Blatter vergangene Woche zugunsten des später unterlegenen Gegenkandidaten Prinz Ali bin al-Hussein zurückgezogen. Es wäre „wünschenswert“, dass die Uefa-Verbände bei der Suche nach einem Kandidaten „als Einheit auftreten“, sagte Niersbach.

Bei einem außerordentlichen Fifa-Kongress soll ein Nachfolger Blatters gefunden werden, die Sondersitzung der 209 Mitgliedsverbände wird nach Angaben des Weltverbands voraussichtlich zwischen Ende Dezember und März 2016 stattfinden. Ein Termin „erst im Frühjahr“ sei „äußerst problematisch“, erklärte Niersbach. „Ich würde ganz klar dafür eintreten, diesen Prozess zu beschleunigen.“

Der DFB-Präsident erklärte, nicht selbst als möglicher Fifa-Chef zur Verfügung zu stehen: „Meine Priorität ist ganz klar, da brauche ich die Position nicht zu ändern, der deutsche Fußball.“

14.25 Uhr: Blatter-Pläne kurzfristig unverändert. Einen Tag nach seiner Rücktrittsankündigung ist Joseph Blatter bei einem Belegschaftstreffen in der Zentrale des Fußball-Weltverbandes von den Mitarbeitern mit freundlichem Applaus bedacht worden. Die Geschäfte liefen normal weiter, hieß es auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch aus Zürich.

Der Präsident arbeite in seinem Büro. Medienvertreter hatten keinen Zutritt zum Gebäude auf dem Zürichberg. „Die Arbeit geht normal weiter. Die Vorbereitungen für die Frauen-WM und die WM-Auslosung laufen“, hieß es.

An Blatters Reiseplänen habe sich nichts geändert, sagte Mediendirektor Walter de Gregorio. Der scheidende Fifa-Chef werde in den kommenden 15 Tagen nicht ins Ausland reisen. Dies war auch schon vor seiner Rücktrittsankündigung am Dienstagabend so geplant. Als Termine stehen für Blatter die Reisen zu den Endspielen der U20-WM in Neuseeland (20. Juni) und der Frauen-WM (5. Juli) in Kanada an.

14.00 Uhr: Chung Mong Joon deutet Interesse an Fifa-Präsidentschaft an. Der südkoreanische Industriellensohn und frühere Vizepräsident des Fußball-Weltverbandes, Chung Mong Joon, hat sein Interesse an der Nachfolge von Joseph Blatter als Fifa-Chef angedeutet. Er erwäge eine Kandidatur für den wichtigsten Job im Weltfußball, sagte der ehemalige Vorsitzende des koreanischen Fußballverbands (KFA) am Mittwoch vor Journalisten in Seoul. Bevor er sich jedoch dazu entscheide, wolle er sich vorsichtig die Meinungen von Führungskräften im internationalen Fußball anhören, wurde der 63-Jährige von der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap zitiert. 

Chung galt lange Zeit als Kritiker von Blatter. Der wohlhabende Sohn des Gründers des Mischkonzerns Hyundai hatte mehrmals einen Asiaten als Fifa-Präsidenten gefordert. Auch hatte Chung Blatters Entscheidung kritisiert, sich angesichts des jüngsten Korruptionsskandals um Fifa-Funktionäre noch einmal zur Wahl des Verbandspräsidenten zu stellen. "Personen, die ihren Fifa-Job mit Blatters Hilfe erhalten haben, sollten sich nicht bewerben, um Präsident zu werden", sagte Chung laut Yonhap. Chung war von 1994 bis 2011 FIFA-Vizepräsident. 

Sepp Blatter: Ein Leben für die Fifa
Joseph S. Blatter, wie er sich selbst nennt - besser bekannt als Sepp Blatter - prägte den Weltfußballverband Fifa fast 17 Jahre lang, überstand eine Reihe von Korruptionsskandalen, machte sich viele Gegner, blieb immer hartnäckig und gab dennoch am 2. Juni 2014 seinen Posten als Präsident ab.Weitere Bilder anzeigen
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03.06.2015 12:12Joseph S. Blatter, wie er sich selbst nennt - besser bekannt als Sepp Blatter - prägte den Weltfußballverband Fifa fast 17 Jahre...

13.50 Uhr: Südafrika weist Bestechungsvorwürfe von sich. Der südafrikanische Fußballverband hält derzeit eine Pressekonferenz ab, in der es um dubiose Millionenüberweisungen der Fifa an den Concacaf (Fußballverband von Nord- und Mittelamerika) im Jahr 2008 geht. Jack Warner und Charles Blazer, ehemaliger Concacaf-Generalsekretär und korrupter Kronzeuge, sollen angeblich zehn Millionen US-Dollar für ihre Stimmen für Südafrika direkt von der Regierung des Austragungslands der WM 2010 bekommen haben. Doch die Südafrikaner hätten später angeblich nicht zahlen können und deshalb für die Schmiergeldzahlungen Gelder verwendet haben, die eigentlich von der Fifa für den WM-Gastgeber vorgesehen waren. Ein so genannter "Fonds zur Unterstützung der Afrikanischen Diaspora in der Karibik" wurde ins Leben gerufen. Südafrika bat die Fifa dann mit einem direkt an Generalsekretär Jerome Valcke gerichteten Brief, aus dem Topf für das WM-Organisationskomitee zehn Millionen US-Dollar für diesen Diaspora-Fonds an die Concacaf zu überweisen. Die Fifa bestätigte diesen Vorgang, betonte aber zugleich, Valcke oder andere hochrangige Fifa-Funktionäre seien nicht in Korruption verstrickt.

Eine weitere Seltsamkeit rund um den Brief: Er datiert vom 4. März 2008, zwei der drei Überweisungen, die die Fifa dafür an Warner anwies, wurden laut US-Anklageschrift allerdings schon davor getätigt. Wusste die Fifa also schon vorher von diesem Schmiergeld-Plan? Antworten gibt es dazu vom Weltverband bisher nicht.

Auf der Pressekonferenz wiesen heute südafrikanische Funktionäre jeden Bestechungsvorwurf von sich. Sportminister Fikile Mbalula erklärte: "Wir wehren uns kategorisch gegen den Vorwurf einer Schmiergeldzahlung, um uns die WM 2010 zu sichern." Er wisse nicht, wie der Verdacht entstanden sei und bat die ermittelnden US-Behörden, Südafrika entsprechende Unterlagen zur Verfügung zu stellen. In Bezug auf Sepp Blatter fügte Mbalula hinzu: "Sepp Blatter war immer ein guter Freund von Südafrika."

Russlands Präsident Wladimir Putin und Sepp Blatter im Juli 2014. Ob die Vergabe der WM-Endrunde 2018 an Russland regelgerecht ablief, wird jetzt untersucht.
Russlands Präsident Wladimir Putin und Sepp Blatter im Juli 2014. Ob die Vergabe der WM-Endrunde 2018 an Russland regelgerecht...Foto: dpa

13.30 Uhr: Freude über Blatter-Rücktritt in Dänemark: Auch der Dänische Verbandschef Jesper Møller äußerte sich erfreut über Blatters Rücktrittsankündigung. Allerdings macht er sich auch ein paar Sorgen darüber, was nun als nächstes kommt. "Das ist tatsächlich spannend. Wird es wirklich besser nach Blatter?"

13.15 Uhr: Justizminister Maas: WM-Vergaben überprüfen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière drängt auf grundlegende Strukturreformen im Fußball-Weltverband. „Wenn die Chance jetzt nicht genutzt wird, Verkrustungen aufzubrechen und Verfahren zu schaffen, die Transparenz garantieren und Vetternwirtschaft verhindern, bliebe der Rückzug von Blatter ein Muster ohne Wert“, sagte der CDU-Politiker am Mittwoch. Den Rückzug des 79-Jährigen bezeichnete er als richtig und notwendig. „Im Fokus steht jetzt die dringend notwendige Aufklärung und das wird ein wahrhaft schwieriger Prozess für die Fifa“, betonte de Maizière.

Bundesjustizminister Heiko Maas pochte erneut darauf, die Vergaben der Weltmeisterschaften an Russland und Katar zu überprüfen. „Wenn bei den WM-Vergaben Schmiergelder geflossen sind, müssen die Entscheidungen komplett neu überdacht werden“, sagte der SPD-Politiker der „Bild“-Zeitung (Donnerstag).

12.35 Uhr: Russland hält weiter zu Blatter: Auch nach dem angekündigten Rücktritt will Russland bis zur Wahl eines Nachfolgers eng mit dem Sepp Blatter zusammenarbeiten. Moskau rechne damit, dass Blatter sein Amt bis zur Neuwahl beim nächsten Fifa-Kongress ausüben werde, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Mittwoch. Bis zuletzt hatte Präsident Wladimir Putin Blatter unterstützt. „Das Wichtigste ist, dass Russland seine Vorbereitung für die Weltmeisterschaft 2018 fortsetzt“, betonte Peskow der Agentur Interfax zufolge. Die Schweizer Behörden ermitteln wegen Korruptionsverdachts bei den WM-Vergaben an Russland 2018 und Katar 2022. Moskau weist Forderungen nach einer Neuvergabe mit Nachdruck zurück.

12.15 Uhr: Rummenigge sieht Chance für die Fifa: Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge sieht den angekündigten Rücktritt von Fifa-Präsident Joseph Blatter als „große Chance“, den Fußball-Weltverband zu reformieren. „Jetzt kommt es darauf an, dass man die mit der Reform befassten nationalen Verbände und Konföderationen so unterstützt, dass ein seriöser, transparenter, funktionierender Fußball-Weltverband entsteht“, sagte Rummenigge der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. Der langjährige Nationalspieler ist auch Vorsitzender der Europäischen Club-Vereinigung ECA. Er wird in dieser Funktion im kommenden März Mitglied im Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union (UEFA).

12.00 Uhr: Jerome Champagne hält sich Kandidatur offen: "Ich bin überrascht und geschockt, aber auch traurig über den Rücktritt von Sepp Blatter", sagte Jerome Champagne dem Tagesspiegel. "Er hat in 40 Jahren viel für den Fußball getan." Der Franzose wollte ursprünglich ebenfalls zur Wahl zum Fifa-Präsidenten antreten, fand aber nicht genug Unterstützter für seine Kandidatur. Ob der 56-Jährige nun noch einmal versucht, Blatter zu beerben, hielt er offen. "Es ist zu früh, das zu entscheiden, ich schließe nichts aus." In jedem Fall müsse die Fifa reformiert werden. Allerdings dürfe Westeuropa den Weltfußball nicht dominieren. "Der neue Präsident muss jemand sein, der Fußball, aber auch die Welt versteht", sagte Champagne. 

11.45 Uhr: Johansson für van Praag oder Figo: Der ehemalige Uefa-Präsident Lennart Johansson hofft auf den niederländischen Verbandschef Michael van Praag oder den früheren portugiesischen Superstar Luis Figo als künftigen Fifa-Präsidenten. Beide hatten vor dem Fifa-Kongress als Gegenkandidaten des wiedergewählten Joseph Blatter zurückgezogen, gelten nach Blatters Rücktrittsankündigung nun aber als mögliche Anwärter für die Nachfolge des Schweizers. „Sie können das Vertrauen in den Fußball unter den Menschen wiederherstellen“, zitierte die schwedische Zeitung „Aftonbladet“ Johansson.

Der 85-jährige Schwede, der Blatter bei der Fifa-Präsidentenwahl 1998 unterlegen war, begrüßte den angekündigten Rückzug seines damaligen Rivalen als richtigen Schritt. „Du kannst keinen Präsidenten haben, der bei seinen Auftritten ausgebuht wird“, sagte Johansson. Van Praag verfüge über die notwendige Erfahrung und Kompetenz, zudem lobte Johansson die Ehrlichkeit, Offenheit und Direktheit des Niederländers. Figo sei ein ehrlicher Mann, erklärte der einstige Uefa-Boss.

11.10 Uhr: Uefa verschiebt Treffen in Berlin: Eigentlich wollten die Spitzenfunktionäre der Uefa im Rahmen des Champions-League-Finales am Wochenende in Berlin zusammentreffen und das weitere Vorgehen im Zusammenhang mit der Fifa-Krise beraten. Daraus wird nun nichts. Der Termin wurde abgesagt. "Angesichts der aktuellen Entwicklungen ist es klüger, sich erst einmal Zeit zu nehmen und die Situation neu zu bewerten", sagte Uefa-Chef Michel Platini. Unter anderem sollte es bei dem Treffen dabei auch um die Frage gehen, ob DFB-Chef Wolfgang Niersbach und andere europäische Funktionäre ihre Sitze im Fifa-Exekutivkomitee einnehmen sollen. Durch den angekündigten Abschied Blatters hat sich die Situation nun massiv geändert. „In den nächsten Wochen wird es weitere Gelegenheiten geben, sich zu treffen - und hoffentlich wird sich die Angelegenheit bis dahin erhellen“, sagte Platini. Der Franzose gilt als logischer europäischer Kandidat für die Blatter-Nachfolge.

10.55 Uhr: Wie reagieren die Sponsoren auf den Rücktritt? Visa sprach via Pressemitteilung: "von einem bedeutenden Signal, um das verlorene Vertrauen in die Fifa zurückzugewinnen. McDonald’s erklärte, dass die jüngsten Anschuldigungen den Fußball überschattet hätten. Coca-Cola begrüßt den Blatter-Rücktritt und spricht von einem "positiven Schritt für den Sport, den Fußball und die Fans."

Folgt Platini auf Blatter?
Folgt Platini auf Blatter?Foto: AFP

10.10 Uhr: US-Justizministerin Loretta Lynch zweifelt am Reformwillen der Fifa. Die amerikanische Justizministerin Loretta Lynch setzt keine großen Hoffnungen in den Reformeifer des Fußball-Weltverbandes Fifa. Die Fifa sei bis in die höchsten Ebenen korrupt, sagte sie im Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Mittwoch). „Wirklich beunruhigend ist, was sich im Zuge der Ermittlungen herausgestellt hat: Jedes Mal, wenn die Fifa nach internen Untersuchungen korrupte Funktionäre abgesetzt hat, wurden sie durch andere ersetzt, die genau in derselben Art und Weise weitermachten.“ Diese hätten ihre neue Position vor allem als Gelegenheit gesehen, Bestechungsgelder anzunehmen. Ob es auch eine Anklage gegen Blatter geben werde, wollte Lynch nicht beantworten. „Dazu kann ich jetzt nichts sagen“, meinte sie.

09.55 Uhr: Erleichterung auch in Deutschland. Im deutschen Fußball gab es über die Notwendigkeit eines Neuanfangs keine zwei Meinungen. „Dies ist ein guter Tag für den Weltfußball“, sagte Ligapräsident Reinhard Rauball. DFB-Boss Wolfgang Niersbach, der als Exko-Mitglied nun nicht mehr in der Bredouille steckt, unter Blatter dem Gremium gar nicht angehören zu wollen, sagte: „Das ist die Entscheidung, die absolut richtig ist, die überfällig ist.“ Sogar Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier äußerte sich erleichtert: „Ich habe gesagt, es ist ein Neuanfang notwendig, wenn der Fußball und die Fußballbegeisterung überleben sollen.“

Willi Lemke, Uno-Sonderbotschafter für Sport, sagte im Deutschlandfunk: Blatter habe es "dreckiges Geld nicht nötig" und verwies auf die weiteren Ermittlungen. Den Rücktritt des Schweizers begrüßte er, hätte sich aber gewünscht, dass Blatter den Schritt einige Wochen zuvor gemacht hätte. Dann hätten der Sport und der Fußball nicht so einen Schaden genommen.

09.30 Uhr: Wer wird Blatter-Nachfolger? Die Spekulationen, wer dieses Erbe antreten könnte waren sofort im Gange. Michel Platini, Blatters Rivale der vergangenen Monate ist ebenso reflexartig dabei wie der am Freitag besiegte Prinz Ali bin al-Hussein, der schon seine erneute Bewerbung in Erwägung zog. Der kurz vor der Wahl nicht angetretene Michael van Praag hält sich zunächst alles offen. Weiterer potenzieller Kandidat wäre Ahmad al Fahad al Sabah aus Kuwait - ein mit allen Machtmitteln ausgerüsteter Funktionär, der auch IOC-Präsident Thomas Bach ins Amt half.

08.55 Uhr: Internationale Pressestimmen. Überraschung und Erleichterung dominieren weltweit in den Medien nach dem angekündigten Blatter-Rücktritt. Die Presse in Großbritannien findet es gut, dass Blatter geht. In Frankreich ist von einer "Bombe für die Fußballwelt" die Rede. Ganz vereinzelt gibt es auch nachdenkliche Stimmen wie in Österreich, wo "Die Presse" daran erinnert, dass Blatter die Fifa erst groß gemacht habe. Die Pressestimmen im Detail können Sie hier nachlesen.

07.53 Uhr: Zico kann sich Kandidatur vorstellen. Der ehemalige brasilianische Superstar Zico hat eine Kandidatur für das freiwerdende Amt des Fifa-Präsidenten nicht ausgeschlossen. Der 62-Jährige schrieb auf seiner Facebook-Seite: „Warum nicht? In meinem Leben ist es immer um Fußball gegangen.“ Festlegen wollte sich Zico aber nicht. Noch habe er keine Unterstützung, aber wenn es für jeden offen sei, „kann ich ein Kandidat werden. Es ist noch eine Idee. Wer weiß?“, schrieb Zico. Derzeit arbeitet er als Trainer im indischen Goa. Anfang der 1990er Jahre hatte Zico in Brasilien als Sportminister auch in der Politik Karriere gemacht.

06.37 Uhr: Pele hofft auf "ehrliche Menschen" in der Fifa. Brasiliens Fußball-Legende Pelé hat nach dem Blatter-Rücktritt zum Kampf gegen Korruption im Weltverband aufgerufen. Was die Fifa brauche, seien „ehrliche Menschen“, sagte Pelé der BBC am Dienstagabend (Ortszeit) in Havanna. Erst am Sonntag hatte der dreifache Weltmeister die Wiederwahl Blatters noch als „perfekt“ bezeichnet. An der Fifa-Spitze brauche es Menschen mit Erfahrung, hatte Pelé damals bei seiner Ankunft in der kubanischen Haupstadt gesagt. Der 74-Jährige begleitete in Havanna seinen früheren US-Verein New York Cosmos bei einem historischen Spiel gegen Kubas Nationalelf nach der US-kubanischen diplomatischen Annäherung. Cosmos schlug am Dienstagabend die Kubaner 4:1 beim Freundschaftsspiel.

00.58 Uhr: Conmebol-Vize Valdez nennt Blatter-Rückzug "unvorstellbar und unverständlich". Der Präsident des uruguayischen Fußballverbands, Wilmar Valdez, hat den Rücktritt Joseph Blatters wenige Tage nach seiner Wiederwahl als Fifa-Chef als „unvorstellbar und unverständlich“ bezeichnet. „Ich bin sehr überrascht“, erklärte Valdez, der auch Vizepräsident des südamerikanischen Verbands Conmebol ist, dem argentinischen Fernsehsender TyC Sports am Dienstag. „Man muss nicht allzu intelligent sein, um wahrzunehmen, dass etwas in diesen Tagen passiert sein muss, damit der Fifa-Präsident eine Entscheidung dieser Art treffe“, sagte Valdez.

(mit Agenturen)

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