FC Barcelona : Große Taten sind noch die Ausnahme

Enttäuschte Fans: Thierry Henry kämpft in Barcelona um Respekt.

Julia Macher

Barcelona Mit hängendem Kopf ließ Thierry Henry die Beschimpfungen über sich ergehen. „Söldner“, „Faulsäcke“, riefen rund 200 enttäuschte Fans, als der FC Barcelona am Sonntag trainierte. Am Vorabend hatte die Mannschaft kläglich das schon gewonnen geglaubte Spiel gegen Real Betis Sevilla 2:3 (2:0) verloren und war auf den dritten Tabellenplatz gerutscht. Gellende Pfiffe kurz vor der Abreise zum Champions-League-Viertelfinale gegen Schalke 04 waren wohl das Letzte, was Thierry Henry von seiner Zeit in Barcelona erwartet hatte.

Im Juni 2007, nachdem der Weltstar seinen Vertrag bei dem katalanischen Klub unterzeichnet hatte, schauten ihm 30 000 Fans im Camp Nou beim ersten Training zu. Mit dem 24 Millionen Euro teuren Neuerwerb aus London wollte Präsident Joan Laporta endgültig seinen Klub als Weltmarke etablieren. Zwei Jahre lang hatte der smarte Anwalt um den Mannschaftskapitän des FC Arsenal geworben. Viele Barca-Fans wünschten sich den Henry-Transfer schon nach dem Champions-League-Finale 2006, in dem Barcelona auf Arsenal traf. Seine eleganten Sprints, seine Angriffe aus der Tiefe weckten Begehrlichkeiten. Die Katalanen gewannen den Pokal, aber Henry verlängerte seinen Vertrag bei Arsenal bis 2010.

Nachdem Laporta ihn ein Jahr später doch noch ans Mittelmeer locken konnte, erwartete ganz Spanien Wunder von den „fantastischen Vier“: Messi, Eto’o, Ronaldinho und eben Henry. Doch die blieben aus: Messi und Eto’o kämpften mit Verletzungen, Ronaldinho mit Verstimmungen, und Henry, beim FC Arsenal eine Solistenrolle gewohnt, brauchte lange, um sich in Barcelonas Gefüge zurechtzufinden. Große Taten wie der Hattrick gegen UD Levante blieben die Ausnahme. „Meine Tochter fehlt mir“, jammerte Henry. Er ist frisch geschieden. Bojan Krkic immerhin, Barcas 17-jähriger Nachwuchsstar, verehrt den französischen Rekordschützen als großes Vorbild. Ab und zu, schwärmt Bojan, bekäme er von ihm väterliche Ratschläge. In dem Jungen erkenne er sich selbst wieder, sagt Henry. Dass er mit 30 Jahren für die Rolle des Mentors zu jung ist, weiß Henry selbst am besten. 

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