FC Bayern : Die einen spielen, die anderen treten

"Ich habe Angst um Franck": Der FC Bayern beschwert sich über zu viele Fouls.

Michael Neudecker[München]
Ribery
Gefährdet? Franck Ribéry mit Rostocker Gegenspieler. -Foto: ddp

Es heißt, beim FC Bayern könne man die Stellung der Spieler auch an ihrem Parkplatz an der Säbener Straße sehen: Die Führungskräfte parken im Innenhof, direkt vor dem Gebäudeeingang, die Reservespieler weiter hinten, der Rest draußen auf der Straße. Wenn das wirklich der Gradmesser ist, hat Franck Ribéry schon jetzt eine bemerkenswerte Stellung beim FC Bayern. Am Sonntag stand sein silbergraues Auto gleich auf dem ersten Platz im Hof, dort, wo ein Schild hängt, auf dem „Trainer“ steht.

Drinnen stand der Trainer, Ottmar Hitzfeld, und sagte: „Ich habe Angst um Franck.“ Nicht wegen der Sache mit dem Parkplatz, das ist Hitzfeld vermutlich egal, sondern wegen dem, was er am Sonnabend beim 3:0-Sieg gegen Hannover 96 gesehen hatte: Die Grätschen und Tritte gegen die Bayern und ganz besonders gegen Ribéry. „Viele Gegenspieler haben eben kein Mittel, einen wie Franck zu stoppen“, sagte Hitzfeld, und er klang ein bisschen stolz dabei, aber vor allem: sehr besorgt.

Hannovers Altin Lala war einer dieser Gegenspieler, aber auch andere, wie Steven Cherundolo. Es gab eine Szene, in der Cherundolo am Boden liegt, Ribérys rechtes Schienbein ist zwischen Cherundolos Beinen eingeklemmt, der Franzose krümmt sich nach hinten, sein Gesicht ist schmerzverzerrt. So ähnlich hat das auch ausgesehen, als Altin Lala Ribéry in der ersten Halbzeit umgetreten hat. Nachdem Lala dann auch noch Zé Roberto foulte, sah er die Gelb-Rote Karte. Unberechtigt, wie er fand. Überhaupt habe der Schiedsrichter klar auf der Seite der Bayern gestanden.

„Jede Mannschaft hat halt ihre Mittel“, das hat Hannovers Trainer Dieter Hecking gesagt. Wenn das so ist, dann war die Verteilung an den ersten drei Bundesligaspieltagen der Bayern zumeist so: Die Bayern haben gespielt, die anderen getreten. „Wir hatten aber auch noch nie so einen Spieler wie Ribéry“, sagte Hitzfeld.

Das stimmt, und deshalb hat Hitzfeld schon mit Ribéry gesprochen, um ihn auf die Attacken vorzubereiten, nicht, dass er mal allzu jähzornig reagiert. Als weiteres Mittel gegen die Fouls sieht Hitzfeld nur noch die Möglichkeit, „manchmal den Ball vielleicht früher abzuspielen“. Aber es wäre schade, wenn Franck Ribéry den Ball früher abspielen würde. Schließlich sind gerade seine Dribblings ja der Grund, weshalb das Münchner Publikum so gut gelaunt ist wie lange nicht mehr.

Dabei ist die Saison gerade drei Spieltage alt, und die Bayern haben nur gegen Rostock, das ersatzgeschwächte Bremen und gegen Hannover gewonnen. Erst die nächsten beiden Spiele dürften nun interessant werden, gegen den Hamburger SV und den FC Schalke 04. Und weil die Münchner zumindest gegen den HSV womöglich auf Luca Toni verzichten müssen und auch Miroslav Kloses Einsatz gefährdet ist, könnte ebendies sehr aufschlussreich werden. Für Hitzfeld, für die Konkurrenz – und auch für Ribéry und seine Schienbeine.

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