FC Bayern : Die Wand bricht

Für den FC Bayern fühlt sich das 1:1 gegen Schalke wie eine Niederlage an - böse ist darüber aber trotzdem niemand.

Michael Neudecker[München]
Kahn
Schon wieder drin. Oliver Kahn muss sich daran gewöhnen, dass der Ball auch mal im Bayern-Tor landet. -Foto: dpa

Am Ende hat Franck Ribéry dann doch verloren. Aylin Yaren war einfach zu gut, sie hat zweimal unten getroffen und zweimal oben, Ribéry dagegen nur dreimal unten. Also hat Aylin Yaren, eine 18-jährige Türkin, die bei den Fußball-Frauen von Tennis Borussia in Berlin spielt, das Torwandschießen im ZDF-Sportstudio gewonnen, wobei Franck Ribéry vielleicht noch Protest einlegen könnte – weil die Torwand mit jedem Schuss ein Loch mehr bekommen hat.

Ribérys Mannschaftskollege und ebenso bundesligaweit anerkannter Spaßvogel Lukas Podolski hatte das ZDF gebeten, die Torwand anzusägen, und dann hat er in die Kamera gesprochen, dass das seine Rache für Ribérys Scherze waren. Dann haben alle gelacht, nur die Torwand nicht, und die Fußball-Fernsehgeschichte ist nun um einen Beitrag reicher. So ist das eben: Auftritte von Franck Ribéry sind anders.

Wenn auch nicht immer, wie am Samstagnachmittag zu sehen war, als Ribéry mit den Bayern gegen Schalke 1:1 gespielt hatte. Das 1:1 von München wird im Gegensatz zur Torwand-Demontage von Mainz nicht in die Geschichte eingehen, obwohl sich Ribéry größte Mühe gegeben hatte, drei Haken hier, zwei Übersteiger dort – doch nach der ersten halben Stunde wurde er stets von zwei und mehr Schalkern attackiert, so dass er müde wurde wie die anderen Bayern. Und jetzt wissen sie bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL), dass sie die Meisterschale doch noch nicht zur Gravur bringen sollten – die Chance, dass hinter „2007/08“ vielleicht doch nicht „FC Bayern München“ steht, ist nun zumindest wieder ein wenig gestiegen.

„Ich hab ja schon am Anfang darauf hingewiesen, dass auch bei uns die Bäume nicht in den Himmel wachsen“, sagt Torhüter Oliver Kahn. „Es war klar, dass wir nicht meilenweit davonziehen, dafür ist die Liga zu stark“, sagt Trainer Ottmar Hitzfeld. Verärgert darüber scheinen weder Kahn noch Hitzfeld – es ist sogar so: Im Grunde ist es ganz gut, dass die Bayern von Schalke gewisse Grenzen aufgezeigt bekamen. „Das beruhigt das Umfeld“, findet Kahn. Es ist ja wirklich so: Die deutlichen Siege gegen Rostock, Bremen und Hannover hatten den Blick für die Realität in München ein wenig getrübt: Schon legendär geworden ist etwa die Woche für Woche bei den Pressekonferenzen mit Hitzfeld wiederholte Frage eines Fernsehreporters, ob das nächste Spiel nun 3:0 oder 4:0 enden würde. „Was Blöderes fällt Dir nicht ein“, das hatte Hitzfeld zuletzt geantwortet, und inzwischen könnte der Fernsehreporter wiederum antworten: Jetzt ja. Die Frage nach dem 3:0 oder 4:0 stellt sich nämlich seit Samstag nicht mehr.

Die Überflieger sind zurück auf Höhe der Grasnarbe, „bei uns sind ja auch nur Menschen“, hatte Hitzfeld am Samstag gleich nach dem Spiel gegen Schalke gesagt. Menschen wie du und ich, wie Franck und Poldi – Menschen, die Fehler machen. Noch in der Halbzeit, so erzählt Kahn, hatte Hitzfeld zu den Spielern gesagt: „Wenn ihr eine große Mannschaft werden wollt, müsst ihr das jetzt umbiegen.“

Der FC Bayern anno 2007 ist noch keine große Mannschaft. Sondern nur eine mit vielen guten Spielern, die womöglich Deutscher Meister werden könnte, und die am kommenden Donnerstag im Uefa-Cup gegen einen Verein namens Belenenses Lissabon spielt.

Wobei die Bayern natürlich noch nicht an ihrer Stärke zweifeln, warum auch, sie zweifeln nie. „Wir sind nach wie vor auf dem ersten Platz“, sagt Trainer Hitzfeld. Das stimmt, aber eben nicht mehr unangefochten. Bielefeld und Frankfurt sind nur einen Punkt dahinter, und auch wenn Franz Beckenbauer gewohnt charmant darauf hinwies, dass sich das für Bielefeld und Frankfurt, ja gut, äh, sicherlich noch ändern wird, so ist nun doch festzuhalten: Franck Ribéry, die Torwand und die Bayern haben am Samstag vielleicht ein bisschen verloren – alle anderen in der Bundesliga aber haben gewonnen. Vorerst zumindest.

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