FC Bayern - Hoffenheim : Münchner siegen sich an die Tabellspitze

Lange genug hat es gedauert: Mehr als 600 Tage mussten die Bayern auf Platz 1 in der Bundesliga warten. Durch einen Sieg gegen Hoffenheim haben sie nun die Tabellenführung erobert - zumindest für eine Nacht.

Thomas Becker
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Im Kampf um den Ball müssen sich die Hoffenheimer den Bayern geschlagen geben. -Foto: ddp

MünchenDie Konkurrenz wird sich womöglich daran gewöhnen müssen: Der FC Bayern steht wieder ganz oben. Mit einem 2:0 (1:0) gegen die TSG Hoffenheim schaffte der deutsche Rekordmeister nach 51 Spieltagen und mehr als 600 Tagen wieder den Sprung an die Tabellenspitze der Bundesliga. Zumindest für eine Nacht – Leverkusen kann morgen wieder vorbeiziehen. Treffer von Martin Demichelis und Miroslav Klose entschieden ein intensives, aber nur zuweilen hochklassiges Spiel. „Man hat gesehen, dass wir eine gute Mannschaft haben“, sagte Bayerns Trainer Louis van Gaal.

Schon vor der Partie hatte van Gaal mal wieder mit einer seiner wunderbaren Formulierungen überrascht. Im Trainingslager von Dubai hatte er zu Franck Ribérys sparsamem Trainingsprogramm in eher herablassendem Ton gesagt: „Laufen ist für die Tiere“, nun verlieh er seinem Wunsch Ausdruck, dass es schon schön wäre, wenn der FC Bayern mal wieder „ganz oben in der Liste“ wäre.

Beide Mannschaften begannen das neue Fußballjahr, wie es sich nach vier fußballlosen Wochen gehört: mit viel Lust und hoher Motivation. Vor allem die seit vier Spielen sieglosen Hoffenheimer legten ähnlich beeindruckend los wie bei ihrem vergangenen Spiel in München, einem berauschendem Fußballfest im Dezember 2008. Das Siegtor für die Bayern schoss damals noch ein gewisser Luca Toni. Während bei den Bayern lediglich Franck Ribéry mit Trainingsrückstand fehlte, musste Ralf Rangnick gleich auf die zwei seiner besten Mittelfeldspieler verzichten: Luiz Gustavo (gesperrt nach der fünften Gelben Karte), Obasi (Afrika-Cup) und der Brasilianer Carlos Eduardo (verletzt). Doch der nächste Brasilianer stand schon einsatzbereit: Maicosuel sollte mit Franco Zuculini und Boris Vukcevic hinter den Spitzen Druck machen, was ihm teilweise auch gelang.

Es sollte jedoch nicht lange dauern, bis der FC Bayern die Initiative übernahm. Den ersten Ball musste TSG-Keeper Timo Hildebrand aber erst Mitte der ersten Hälfte parieren: Bastian Schweinsteiger hatte es mit einem Distanzschuss versucht. Ein ähnliches Bild auf der Gegenseite, als Vedad Ibisevic aus gut zwanzig Metern Jörg Butt prüfte. Beide Male blieben die Torhüter Sieger; das Spiel wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht so genau, in welche Richtung es sich bewegen sollte. In der 35. Minute gab es sich dann einen Ruck. Schweinsteiger hatte von links geflankt, die Kopfballabwehr der Hoffenheimer Defensive landete vor den Füßen des aufgerückten Bayern-Verteidigers Demichelis, und dessen Flachschuss aus der Drehung begegnete Verteidiger Andreas Ibertsbeger, indem er hochsprang. An Hildebrand vorbei rollte der Ball ins lange Eck – das erste Tor der Rückrunde war zugleich Demichelis’ erstes Saisontor in der Liga. Vor ein paar Tagen noch hatte er noch den typisch südamerikanischen Winter-Blues, der sich in Heimweh, Schüttelfrost und Wechselgedanken ausdrückt. Wenn er das Gefühl habe, dass man ihn nicht mehr brauche, dann könne er auch gehen, hatte er gesagt. Die sportliche Führung der Bayern ging nicht weiter auf sein Lamento ein, und nach dem Erfolgserlebnis in Minute 35 dürfte die gefühlte Temperatur bei dem Argentinier wieder um ein paar Grad gestiegen sein.

In der zweiten Halbzeit schickte Hoffenheims Ralf Rangnick dann den jungen Stürmer Andreas Ludwig für Boris Vukcevic ins Geschehen, was jedoch die Situation kaum änderte. Bayerns Mario Gomez hatte nach 55 Minuten endlich seine erste Torchance: Der bis dahin vor allem durch seine Strumpfhose auffällig gewordene Arjen Robben hatte Gomez vorbildlich in den Lauf gepasst, doch dem frei vor Hildebrand stehenden Schwaben sprang der Ball vom Fuß – das sah nicht gut aus. Doch am Ende zählen eben nicht die vergebenen Chancen, sondern die verwerteten, und da hatten die Bayern die Nase vorn.

Kurz vor Schluss rutschte der eingewechselte Miroslav Klose noch in eine Flanke – und erzielte damit sein erstes Tor in der Bundesliga nach zehn Monaten. Der Nationalstürmer gab sich nach dem Schlusspfiff trotzdem ganz gelassen. „Es war doch nur eine Frage der Zeit, bis ich wieder treffe“, sagte er.

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