FC Bayern in Leverkusen : Gala mit Schönheitsfehler

Der FC Bayern zeigt sich in Leverkusen den Gastgebern weit enteilt, und wird damit trotz des enttäuschenden Ergebnisses zum Tabellenführer.

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Architekt des Erfolgs: Unter Guardiola wird FC Bayern noch besser. Das hat sich trotz des Ergebnisses in Leverkusen gezeigt.
Architekt des Erfolgs: Unter Guardiola wird FC Bayern noch besser. Das hat sich trotz des Ergebnisses in Leverkusen gezeigt.Foto: dpa

Pep Guardiola war gerade auf dem Weg zur Pressekonferenz, als er in den Fluren der Leverkusener Arena den Helden des Spiels in seinem kanarienvogelgelben Trikot entdeckte. Bernd Leno machte sich dort seit einigen Minuten laut Gedanken über Leverkusens wundersamen Punktgewinn gegen die Bayern, als ihn Münchens katalanischer Coach für einen Moment unterbrach. „Gut gemacht“, lobte Guardiola, klopfte Leno anerkennend auf den Rücken und zog von dannen.

Ohne den Mann mit den Handschuhen hätte der Samstagabend für die Leverkusener Elf in der Tat ein böses Ende genommen. „Weltklasse“ beschied Bayer-Kapitän Simon Rolfes dem eigenen Torhüter – ein Ausdruck, den auch Karl-Heinz Rummenigge benutzte. Allerdings meinte der Vorstandschef der Münchner damit nicht Bernd Leno, sondern die nächste beeindruckende Darbietung des FC Bayern München.

Vor zwei Wochen bezeichnete Guardiola das 4:0 auf Schalke als das Beste, was er bislang von seinem neuen Team gesehen habe. Noch gelungener fand er dann das 3:1 am letzten Mittwoch bei Manchester City – das nun wiederum vom Auftritt in Leverkusen abgelöst wurde.

Eine Gala mit einem kleinen Schönheitsfehler – dem Ergebnis. Guardiola brauchte ein bisschen Zeit, um dieses unglaubliche 1:1 zu verdauen. Ganz allein saß der 42-Jährige nach Spielschluss auf seinem Platz hinter der Seitenlinie. Äußerlich ruhig, doch die Finger der rechten Hand trommelten unaufhörlich an den Rand seiner Sitzgelegenheit.

Guardiolas taktiles Trommelfeuer galt der phänomenalen Schludrigkeit der Herren Müller, Shaqiri, Kroos, Ribéry oder Robben vor dem Leverkusener Tor. Das war die eine Seite. Auf der anderen stand eine Münchner Machtdemonstration, die auf diesem Niveau ihresgleichen sucht. Schließlich war es das Duell des Dritten der Fußball-Bundesliga gegen den vormals Zweiten.

Für den Spannungsgehalt an der Liga-Spitze verheißt der eklatante Qualitätsunterschied nichts Gutes. Maximal Dortmund kann den Bayern den Titel in dieser Saison wieder streitig machen. Im Namen des vorgeführten Herausforderers erwies sich Keeper Leno als sehr einsichtig, als er bekannte: „Spielerisch sind wir schon ein Stück weg von denen.“ Und zwar ein gewaltiges Stück. „Die Bayern sind noch besser geworden als in der letzten Saison“, sagte Innenverteidiger Ömer Toprak.

„Vor ein paar Monaten haben wir hier 2:1 gegen Bayern verloren, aber da haben wir es besser gemacht“, erklärte Bayers Sportdirektor Rudi Völler, während Trainer Sami Hyypiä die Zurückhaltung seiner Mannschaft verteidigte. „Wir hatten keine Chance, etwas anderes zu machen. Denn wenn man gegen die Bayern volle Attacke spielt, gibt es am Ende ein anderes Ergebnis als ein 1:1“, erklärte der Finne, der aber auch kleinlaut einräumte: „Ich habe nicht gedacht, dass wir offensiv fast überhaupt nicht zum Zug kommen würden.“

Die Bayern walzen also die Konkurrenz nieder – und dieses Wissen ließ sie ihre miserable Chancenverwertung etwas leichter verschmerzen. „Normalerweise müssen wir das Spiel gewinnen. Aber so ist Fußball“, meinte der starke Ribéry und erwähnte noch: „Wir haben gespielt wie ein Champion.“ Ein Champion, der – auch wenn das Tableau das noch nicht widerspiegelt – sich gerade seines vorletzten Widersachers entledigt hat.

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