FC Bayern : Klinsmann wird laut

Für Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann ist das heutige Champions-League-Spiel gegen Lyon ein ernster Test als Krisenmanager.

Sebastian Krass[München]
Jürgen Klinsmann
Als Krisenmanager gefragt: Bayern-Coach Jürgen Klinsmann. -Foto: ddp

Ein kleiner Witz gelang ihm dann doch. Die Frage an Jürgen Klinsmann lautete, ob er sich in diesen Tagen manchmal nach der kalifornischen Sonne sehne. „Dass mir die Ferne fehlen würde, ist kein Problem“, sagte Klinsmann. „Die Sonne scheint genauso hier in München.“ Für ein paar Momente strahlte in seinem Gesicht das bubenhafte Klinsmann-Lächeln auf. Doch dann erstarb es wieder. Der Chefcoach des FC Bayern wirkte angespannt an diesem Montagnachmittag, bei seinem letzten öffentlichen Auftritt vor der Partie gegen Olympique Lyon (Dienstag, 20.45 Uhr, live bei Premiere), dem ersten Champions-League-Heimspiel des Trainers Jürgen Klinsmann.

Und dafür gibt es gute Gründe. Klinsmanns Start in die Bundesliga ging gründlich daneben. 8 von 18 möglichen Punkten, Platz neun nach sechs Spielen. Das bedeutet den schlechtesten Saisonstart des FC Bayern seit 31 Jahren. Zuletzt verloren die Bayern gar zweimal in Serie, so oft wie in der gesamten vergangenen Ligasaison. Klinsmann gab zu, dass er die Mannschaft nach dem 0:1 in Hannover gründlich zusammengestaucht hatte: „Das ist ganz normal, dass da auch laute Worte fallen. Aber wir haben die Partie aufgearbeitet und abgehakt. Morgen sehen wir dann, was passieren wird.“ Manager Uli Hoeneß versucht, da keinen Zweifel aufkommen zu lassen: „Es darf und wird nicht schief gehen.“

Ob Klinsmann mit dem genesenen Franck Ribéry in die Partie gehen wird, ließ er noch offen: „Franck ist noch nicht bei 100 Prozent.“ Der Franzose, der sich am Wochenende schon selbst für die Startelf gesetzt hatte, sagte diesmal etwas vorsichtiger: „Wenn der Trainer keine Antwort gegeben hat, gebe ich auch keine.“

Gegen Lyon haben die Bayern einerseits die Chance, zumindest in diesem Wettbewerb Ruhe zu schaffen: Mit einem Sieg und dann sechs Punkten wären alle Negativ-Szenarien vorerst hinfällig. Andererseits aber weiß Klinsmann, dass diese Partie ein ernster Test für seine Qualitäten als Krisenmanager ist.

Ein Misserfolg wäre Hochleistungsdünger für die Debatten, die in München aufkommen. Deren Tenor ist gleich sehr grundsätzlich: Es geht darum, ob Jürgen Klinsmann schon reif für die Aufgaben eines Vereinstrainers sei. Die Liste der Kritikpunkte wird länger und länger. Nach dem 2:5 gegen Bremen war es noch um das zu offensive 3-5-2-Taktikschema gegangen. Nun steht Klinsmann im Verdacht, mit seinen wilden Rochaden die Mannschaft zu verunsichern. Gegen Hannover hatte er seine Startelf ohne Not wieder auf mehreren Positionen verändert – wie schon davor im Pokal gegen Nürnberg. Mark van Bommel, Klinsmanns Kapitän, der Spiel für Spiel um seinen Platz fürchten muss, strengte sich in Hannover an, diplomatische Worte zu finden. „Wenn der Trainer entscheidet, dass er rotiert, dann rotiert er.“ Wenn die Fragen zu heikel wurden, lächelte er süffisant und schwieg. Miroslav Klose fasste die Verunsicherung in Worte: „Wir befinden uns in einer schwierigen Phase. Wir haben 20 Spieler im Kader, aber keine Stammelf.“

Den Bayern fehlen die Routinen. Auch von Klinsmanns Spielidee „steil und schnell aufs Tor“ ist nur wenig zu sehen. Das mag auch an der Physis der Spieler liegen. Hinter vorgehaltener Hand klagt mancher, nach der harten Vorbereitung nicht ganz fit zu sein. Und auch Klinsmann erklärt seine Rochaden damit, angesichts der vielen Spiele „die Kräfte der Spieler schonen zu wollen“. Zu diesem Zeitpunkt der Saison mutet das etwas merkwürdig an.

Der erste Sturm der Kritik ist nicht spurlos an Klinsmann vorbeigegangen. Das ist ihm nicht nur anzusehen. Er sagt auch: „Dass Kritik kommt, ist ganz normal, wenn man zwei Spiele verliert. Die wird angenommen.“ Zugleich aber rückt er nicht von seinem Kurs ab: „Ich bin absolut überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir haben keine Bedenken, wir haben Geduld. Wir denken nicht immer nur an das nächste Spiel, sondern darüber hinaus.“ Das sind Sätze, die sich leicht sagen, die auch schön klingen. Die Welt um Klinsmann herum schaut aber erst einmal nur auf das nächste Spiel.

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