FC Bayern - Lautern 5:1 : Bayern schleicht sich an, van Gaal ärgert sich

Bayern München feiert ein 5:1 über Kaiserslautern und macht Punkte auf die Konkurrenz gut. Gleichzeitig gibt es wieder Ärger - wegen Uli Hoeneß und Louis van Gaal.

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Schlagen im Vorübergehen. Der lange verletzte Arjen Robben spielte zum ersten Mal in dieser Saison in der Startelf und schoss gleich das 1:0 für Bayern. Foto: dpa
Schlagen im Vorübergehen. Der lange verletzte Arjen Robben spielte zum ersten Mal in dieser Saison in der Startelf und schoss...Foto: dpa

Dass dieser Tag kein rundum glücklicher für Louis van Gaal werden konnte, war schon vor dem Anpfiff klar – egal wie diese Partie gegen den 1. FC Kaiserslautern ausgehen würde. Dabei endete sie mit einem 5:1 (1:0)-Sieg, zudem hatte Arjen Robben in seinem ersten Spiel von Anfang an nach der fast halbjährigen Verletzungspause eine tolle Leistung gebracht und den Sieg zum Weg geebnet. Mario Gomez schoss drei Tore in einer Halbzeit und hat jetzt schon 15 Saisontreffer erzielt. Und doch hatte dieser Tag einen kräftigen Makel für Louis van Gaal, den stolzen Trainer des FC Bayern München. Und schuld war wieder einmal Uli Hoeneß.

Denn in der Sonnabendausgabe der „Süddeutschen Zeitung“ stand ein Interview mit dem Vereinspräsidenten, in dem er einige sehr unmissverständliche Anmerkungen machte. Er sei „im Augenblick unruhig“, bekannte Hoeneß. Diese Unruhe bezog er ausdrücklich auf die Bilanz von Louis van Gaal, auf den – auch nach dem Dortmunder Unentschieden an diesem Spieltag – gewaltigen Rückstand auf Platz eins der Tabelle. Den Einwand, dass Spieler wie Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller sich mit verschiedenen Argumenten für ihren Trainer starkmachen, wischte Hoeneß weg: „Das beste Argument ist immer die Tabelle.“ Überdies gelte ab sofort: „Jetzt haben wir fast unsere Top-Elf, und es gibt keine WM mehr als Ausrede.“ Und eine Drohung hinterließ er gleich auch noch. Er werde energisch eingreifen, „wenn ich spüre, dass die Champions-League-Qualifikation in Gefahr ist. Das war bei Klinsmann auch so“.

Diese Worte wären schon Konfliktstoff genug, gewinnen aber noch mehr Brisanz durch ihre Vorgeschichte, durch jenen TV-Auftritt des Uli Hoeneß von Mitte Oktober, als er van Gaal „Beratungsresistenz“ und „mangelnde Kommunikationsfähigkeit“ vorgeworfen hatte. Es war der – zu diesem Zeitpunkt völlig unerwartete – Ausbruch eines Unbehagens über den Trainer, das sich über viele Monate aufgestaut hatte. Nur mit Mühe ließ sich der Konflikt besänftigen, mit dem so genannten Rotwein-Frieden von Cluj, anlässlich eines Auswärtsspiels in der Champions League. Genau daran knüpfte van Gaal in seiner Reaktion am Samstagabend an. Auf interessante Weise konsterniert und süffisant zugleich sagte er: „Eigentlich haben wir vereinbart, alles intern zu besprechen. Er hat sich nicht daran gehalten, aber er ist der Präsident. Eine Ikone.“

Natürlich mussten auch die Herren des operativen Geschäfts der Bayern etwas zum wieder aufgeflammten Konflikt zwischen der Ikone und dem Egomanen sagen. „Wenn Uli Hoeneß seine Sorgen äußert, dann nehme ich das sehr, sehr ernst“, bekundete Sportdirektor Christian Nerlinger seltsam betroffen. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge dagegen merkte an, er habe das Interview noch nicht genau gelesen, er könne aber immerhin sagen, dass „ich uns nicht auf der Krankenstation sehe“. Einen Friedensgipfel, Teil zwei, werde es nicht geben: „Teil eins hat mir gereicht.“

Wie froh müssen die beiden gewesen sein, dass die Partie gegen Kaiserslautern nach einem zähen Beginn noch eine gute Wendung mit fulminantem Finale genommen hatte. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit gab Müller einem Konter den entscheidenden Dreh, als er einen 30-Meter-Pass in den Lauf von Robben schickte. Mit seiner faszinierenden Ball- und Körperbeherrschung erzielte der Niederländer das 1:0. Der zweite Akt war gerade eine halbe Minute alt, da leitete Robben einen Angriff ein, der über die Stationen Schweinsteiger und Gomez das 2:0 einbrachte. Der Anschlusstreffer von Jan Moravek nach Fehlern von Winterzugang Luiz Gustavo (mittelschwer) und Innenverteidiger Anatolij Timoschtschuk (kläglich) stiftete nach einer Stunde kurz Unruhe, sicher auch unter den Führungskräften des FC Bayern. Doch in den letzten zehn Minuten entspannten Gomez und Müller mit ihren Toren die Lage vorerst.

Im Kampf um das Minimalziel Platz zwei haben die Bayern dank der Ergebnisse der direkten Konkurrenten ihre Position verbessert. Aber, mahnte der nachdenkliche Gomez an, „zu Hause waren wir auch schon in der Hinrunde stark. Jetzt müssen wir endlich mal auswärts nachlegen“. Dazu haben die Bayern nun reichlich Gelegenheit, mit einem Pokalspiel in Aachen und dann zwei Liga-Auftritten in Bremen und Köln. Louis van Gaal weiß spätestens seit diesem Wochenende ganz genau, was sein Präsident aus diesen Spielen erwartet.

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