Sport : FC Bayern München: Bayern in Feierlaune

Drei Spiele, drei Gesichter, und nur vier Punkte: Bayern München verwirrt die Konkurrenz. Auch das 1:1 (0:0) am Samstag im vermeintlichen Top-Duell bei Bayer 04 Leverkusen hat noch keinen Aufschluss über die wahre Leistungsfähigkeit des Deutschen Rekordmeisters gegeben. "Unsere Spieler denken noch zu oft an den Gewinn der Champions League. Die wollen immer noch feiern, es fehlt der letzte Biss", sagte Manager Uli Hoeneß, der bei sommerlichen Temperaturen in der Bayarena die Kält herbeisehnte: "Erst im Winter wird die Mannschaft den Titelgewinn vergessen haben."

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Bayerns Trainer Ottmar Hitzfeld ist auch nach dem dritten Spiel noch nicht viel schlauer als zu Beginn der Saison. In der ersten Spielhälfte "haben wir nach zehn Minuten aufgehört, Fußball zu spielen, waren zu passiv, hatten zu viele Fehl-Zuspiele. Da hatten wir Probleme", sagte Hitzfeld. Ohne den verletzten Regisseur Stefan Effenberg fehlten jegliche Impulse, "in der Offensive haben wir zu wenig gezeigt", klagte Hitzfeld, der nach dem 0:1 durch Ulf Kirsten froh war, dass Giovane Elber elf Minuten vor dem Abpfiff wenigstens noch der Ausgleich gelang.

Dieser späte Treffer ärgerte Klaus Toppmöller mächtig. Obwohl sich der neue Bayer-Trainer nach den ersten Punktverlusten dieser Saison "hoch zufrieden" gab, warf er seiner durchweg aggressiven Elf Schlafmützigkeit vor. "Da haben wir ein dummes Tor eingefangen, waren einfach nicht wachsam genug. Wir sind bitter bestraft worden", sagte Toppmöller am Abend vor seinem 50. Geburtstag. Nicht lange indes, denn obwohl Toppmöller als Trainer nach wie vor ein Sieg gegen die Bayern fehlt, sieht er die Zukunft rosig: "Wir standen erstmals richtig auf dem Prüfstand. Die Jungs wissen jetzt, dass sie mithalten können."

Bis zur Meisterschaft? Davon jetzt schon zu reden ist nach Toppmöllers Befinden vermessen. "Doch vor sechs Wochen hatte uns keiner auf der Rechnung." Toppmöller gelingt es mehr und mehr, die Vergangenheit zu verdrängen. "Die Jungs sind heiß aufs Spiel, schon im Training am Freitag war nach dem schweren Match in Belgrad wieder richtig Feuer drin." Die Wertschätzung beruht auf Gegenseitigkeit. Es mache "einfach Spaß, mit Toppmöller zu arbeiten", sagte der überragende Oliver Neuville. Und auch der Brasilianer Lucio vergaß seinen Zorn nach den zweifelhaften Versuchen seines Nationaltrainer Luis Felipe Scolari, ihn vorzeitig zur Nationalmannschaft zu locken: "Ich bin froh, dass dieses Theater vorbei ist."

Einer aber brachte ihn vor dem Abflug zum entscheidenden WM-Qualifikationsspiel am Mittwoch gegen Paraguay auf die Palme: Uli Hoeneß warf dem schlaksigen Brasilianer Schauspielerei vor, und auch Elber beschuldigte seinen Landsmann angesichts von insgesamt acht Gelben Karten der absichtlichen Fallsucht. "Das hat er nicht nötig", sagte Elber vor dem gemeinsamen Flug nach Brasilien. "Lucio ist ein hervorragender Fußballer, aber ein noch besserer Schauspieler", urteilte Hoeneß. Mit seinen Provokationen habe Lucio wie Neuville den Eindruck erweckt, es sei ein hartes Spiel gewesen. Normal, meinte dazu Bayer-Manager Reiner Calmund: "Das gehört zum Spitzenfußball."

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