Sport : FC Bayern München: Die vergessene Krise

Detlef Dresslein

Die Richtung stimmt wieder beim FC Bayern München. "Wir spielen immer gut, wenn wir unter Druck stehen", hatte Trainer Ottmar Hitzfeld noch vor dem Spiel versprochen. "Unter Druck spielen wir immer gut", sagte Mittelfeldspieler Hasan Salihamidzic nach dem 2:0-Sieg in der Champions League gegen Paris St. Germain. Auch ansonsten finden sich kaum Unterschiede in den Ansichten. "Wir haben kämpferisch und läuferisch alles gegeben", befand Chef Hitzfeld, "viel gekämpft" zu haben und "viel gelaufen" zu sein, räumte auch der Untergebene Salihamidzic ein. Der FC Bayern stand unter Druck nach zuletzt drei Niederlagen in Serie und amtlich verbürgten 288 Minuten ohne erzieltes Tor. Jetzt besiegten die Münchner eine internationale Topmannschaft, und schon ist die Stimmung wieder prächtig. "Selbstvertrauen" war das Wort des späten Abends.

Sie wollten es kurz machen, nach dem enervierenden Krisengerede der letzten Wochen, nach dem überspannten Medienzirkus um Manager Uli Hoeneß. Und Krisenbewältigung auf bayerische Art ist mitunter etwas brachial und direkt, so wie das Münchner Führungstor, nach 152 Sekunden von Hasan Salihamidzic erzielt. Einerlei, dass die Abwehr der Franzosen einen reichlich müden Eindruck hinterließ. Egal letztlich auch, dass danach über weite Strecken vorgeführt wurde, was Ottmar Hitzfeld so umschrieb: "Wir waren einfach zu passiv."

Das zweite Tor fiel denn auch eher zufällig gegen ermüdete Pariser Abwehrspieler, als Paulo Sergio einen schönen Pass von Giovane Elber unbedrängt ins Tor schob. Das war eine Minute vor Schluss. Finale eines trefflichen Abends. Oliver Kahn sah im Ergebnis hocherfreut gleich drei Dinge auf einmal erfüllt ("Sieg, Zu-null gespielt und im direkten Vergleich besser als Paris"), Der Pariser Trainer Philippe Bergeroo mußte kleinlaut anerkennen, "dass Bayern München keine leichte Aufgabe ist", und Uli Hoeneß ließ sich neunzig Minuten lang von den eigenen Fans die angeschlagene Managerseele mit Sprechchören einsalben. Aber Oliver Kahn schien doch irgendwie noch nervlich angeschlagen. Als beim obligaten Interview neben ihm noch Kollege Salihamidzic ungebremst quasselte, sagte der Torwart gereizt: "Musst du sprechen, wenn ich hier spreche". Erst guckte Salihamidzic erstaunt. Dann lachten beide und alle Umstehenden sowieso und beendeten damit endgültig jene jetzt schon fast vergessene Krise.

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