FC Bayern München - FC Barcelona : Mit Messi triumphiert der Fußball

Der Deutsche Meister verleugnete seinen Stil, um ins Finale der Champions League einzuziehen. Am Ende aber hat doch Messi triumphiert und mit ihm auch der Fußball, findet unser Kolumnist.

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Ganz bitterer Arbend. Pep Guardiola an alter Wirkungsstätte.
Ganz bitterer Arbend. Pep Guardiola an alter Wirkungsstätte.Foto: Reuters/Pfaffenbach

Wann hat Pep Guardiola zuletzt so einen Abend erlebt? Das Wiedersehen mit seiner alten Liebe in Blau-Rot war aufwühlend genug, dazu kam die in ihrer Höhe demütigende Niederlage, und ähnlich viel Kraft muss es ihn gekostet haben, diesen Fußball zu verantworten, den sein FC Bayern im Camp Nou vorführte. Guardiola stellte sich gegen alle inneren Überzeugungen, gegen sein ästhetisches Ideal. Nur um dem Erfolg zu genügen, und den Erfolg sah er darin, die Schönheit des Gegners zu beschädigen. Das war ein hoher Preis, und dass Guardiola ihn zuliebe der Bayern bezahlt hat, sagt einiges über seine Zuneigung zu seinem Arbeitgeber. Der Deutsche Meister verleugnete seinen Stil, um ins Finale der Champions League einzuziehen. Dafür braucht es jetzt ein Wunder, ein richtiges Wunder und nicht nur ein großartiges Spiel wie zuletzt gegen Porto.

Der späte Fall von Camp Nou
Bitter, bitter, bitter! Der FC Bayern verliert 0:3 beim FC Barcelona. Wie es dazu kam, sehen sie in unserer Fotostrecke.Weitere Bilder anzeigen
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06.05.2015 23:24Bitter, bitter, bitter! Der FC Bayern verliert 0:3 beim FC Barcelona. Wie es dazu kam, sehen sie in unserer Fotostrecke.

Ja, das Ergebnis fiel zu hoch aus, die Bayern waren ersatzgeschwächt und hatten in der zweiten Halbzeit bis zum 0:1 auch so etwas wie Kontrolle über das Spiel. Aber ein 0:3 ist ein 0:3, es spiegelt auch den Geist der beiden Mannschaften wieder. In 90 Minuten gab es für den FC Bayern gerade eine Torchance, kläglich vergeben von Robert Lewandowski. Ansonsten bereicherten die Münchner den fußballerischen Wert im Hinspiel des zweiten Halbfinales  ungefähr so, wie es ihre wöchentlich wechselnden Gegner in der Bundesliga tun. Bis eine Viertelstunde vor Schluss schien ihnen das Ergebnis Recht zugeben. Von Minute zu Minute verlor Barça die Lust am Kombinationsspiel, in der zweiten Halbzeit war es bis zum kaum mehr erwarteten Führungstor nur noch in Rudimenten zu bewundern. Aber eine Angriffsformation mit Messi, Suárez und Neymar ist niemals ganz auszuschalten, und ohne Manuel Neuers Klasse wäre es um die Bayern gewiss schon früher geschehen gewesen.

Am Ende aber hat doch Lionel Messi triumphiert und mit ihm auch der Fußball. So schwer das für den FC Bayern auch zu akzeptieren ist.

Das Münchner Spiel erinnerte in seiner Schmucklosigkeit an die alten, die ungeliebten Bayern mit ihrem Ergebnisfußball. Damals berauschten sie sich an der Erotik und Macht des Erfolges, aber die Zeit ist hinweggegangen über diese Art von Fußball. So viele lange Pässe wie gestern in der ersten Halbzeit von Barcelona haben die Münchner zuletzt wahrscheinlich unter Erich Ribbeck gespielt. Pep Guardiola hat diesen Preis bezahlt, aber er war nicht hoch genug. Was das für seine und die Münchner und die gemeinsame Zukunft betrifft, lässt sich kaum seriös beantworten. Weil es in dieser brutalen Deutlichkeit des finalen Zusammenbruchs niemand erwartet hat.

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