Sport : FC Bayern München: Gegen Cottbus gibt es eine Chance für die Versager

Die sportliche Krise beim Deutschen Fußballmeister FC Bayern München wird nicht ohne personelle und strukturelle Konsequenzen bleiben. Wie Trainer Ottmar Hitzfeld in einem "Bild"-Interview erklärte, gehe es auch darum, "dass neue Spieler richtig Druck auf die alten ausüben, um aus den alten mehr rauszuholen".

Der 52-Jährige, der in seiner dritten Saison bei den Bayern arbeitet und noch einen Vertrag bis zum Jahr 2003 besitzt, erklärte, dass er auch durch eine neue Hackordnung im Team Potenzial freisetzen will: "Wir brauchen echte Leistungsträger. Wir brauchen neue Strukturen in der Hierarchie, neue Reibungspunkte. Wir brauchen mehr Typen wie Kahn oder Effenberg, die sagen, wo es langgeht." Allerdings schwächte Hitzfeld vor dem Heimspiel gegen Energie Cottbus seine Kritik und seine Forderungen etwas ab: "Ich kann mich über den Charakter der Mannschaft nicht beklagen."

Unterdessen hat nach Kapitän Stefan Effenberg auch Torhüter Oliver Kahn Präsident Franz Beckenbauer hart kritisiert. Die Brandrede des "Kaisers" nach der 0:3-Niederlage in der Champions League bei Olympique Lyon habe "für viel Unruhe gesorgt", schreibt der Nationaltorhüter auf seiner Internet-Homepage ( www.kahn.de ): "In völlig überzogener Art und Weise wurde hier unsere Mannschaft öffentlich geradezu lächerlich gemacht. Eine Mannschaft, die in den letzten Jahren national alles gewonnen hat und zwischenzeitlich die Nummer eins in der Welt war." Weiter meint der Schlussmann, der sich der Kritik Effenbergs anschließt: "Warum diese Dinge nicht intern angesprochen wurden, wird mir ein Rätsel bleiben. Beckenbauer hatte die Bayern-Profis unter anderem mit der Uwe-Seeler-Traditions-Elf verglichen.

Der Konflikt beim Rekordmeister war nach der 0:3-Niederlage in der Champions League am vergangenen Dienstag bei Olympique Lyon voll entbrannt. Präsident Franz Beckenbauer hatte noch in der Nacht das Team öffentlich heftig kritisiert, Kapitän Stefan Effenberg sich später über Form und Zeitpunkt der Schelte beschwert. Gestern räumte Nationalspieler Mehmet Scholl ein, dass die Kopfwäsche gewirkt habe: "Die Kritik hinterlässt Spuren bei jedem. Die Situation ist nicht so dramatisch, aber das kann sie werden. Das zehrt schon, ganz klar."

Der angespannt wirkende Hitzfeld verdeutlichte, dass er sehr wohl noch Zugang zu seinem Team habe, das zuletzt in der Liga drei Mal nicht gewinnen konnte, aber nur einen Punkt hinter Tabellenführer Dortmund liegt. "Ich bin der Trainer, der die Mannschaft im Griff hat, der ein Verhältnis zum Team besitzt, mit dem er den Leuten in die Augen schauen und auch klar fordern kann." Einzelgespräche sollen nun seine verunsicherten Kicker wieder aufrichten.

Der Coach forderte die "Versager" von Frankreich zur Wiedergutmachung auf. "Die Mannschaft hat die Chance, sich zu rehabilititieren und vielleicht sogar Tabellenführer zu werden. Das ist eine Riesenmotivation für das Team. Es geht um die Ehre", verkündete der Fußball-Lehrer, der zusammen mit seinem Präsidenten bis zum Saisonende totale Konzentration auf den Beruf anmahnte.

Hitzfeld setzte seine Profis mit einer Bewährungsfrist unter Druck. "Bis zum Saisonende hat jeder seine Chance, uns zu überzeugen. Ich werde genau beobachten, auf wen Verlass ist und auf wen nicht."

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