FC Bayern München in Saudi-Arabien : Die Moral bleibt dahoam

Der FC Bayern München spielt in Riad - so, als ob nichts sei. Derweil wächst in Deutschland die Kritik am Auftritt des Deutschen Meisters in Saudi Arabien, dem Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden.

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Eigentlich nicht zum Lachen. Die Bayern-Spieler im Trainigslager.
Eigentlich nicht zum Lachen. Die Bayern-Spieler im Trainigslager.Foto: dpa

Ist es moralisch vertretbar in Saudi-Arabien mal eben so locker ein Testspiel zu bestreiten als Fußball-Bundesligist? Die Bayern scheinen damit keine Problem zu haben. Der FC Bayern München bestritt am Samstag ein Vorbereitungsspiel auf die Rückrunde in der Fußball-Bundesliga in Riad. Und gewann 4:1 (3:0) gegen Al-Hilal in Riad im König-Fahd-Stadion. Nach acht Tagen im Trainingslager in Doha legten die Münchner in Saudi-Arabien auf ihrer Rückreise einen Zwischenstopp ein. „Das Spiel gegen Al-Hilal wird ein guter Test für uns in der Vorbereitung auf die Rückserie“, hatte Trainer Pep Guardiola Stunden vor dem Match betont. Ein Spiel, in einem Staat, der wegen Menschrechtsverletzungen international kritisiert wird: Zuletzt wegen der Verurteilung eines islamischen Bloggers.

Der Fall des zu 1000 Stockschlägen verurteilten islamischkritischen Bloggers Raif Badawi aus Saudi-Arabien wird allerdings möglicherweise neu aufgerollt. Das Büro des saudischen Königs Abdullah habe die Akte an das höchste Gericht verwiesen, sagte die Frau des Internetaktivisten, Ensaf Haidar. Badawi war im Mai vergangenen Jahres zu zehn Jahren Haft und 1000 Stockschlägen verurteilt worden, weil er den Islam beleidigt haben soll. Der Blogger hatte in seinem Internetforum unter anderem den Säkularismus gerühmt und Kritik an Saudi-Arabien geübt. Der erste Teil der Strafe war vor einer Woche in der saudischen Hafenstadt Dschidda mit 50 Stockschlägen vollstreckt worden. Die für diesen Freitag geplanten nächsten 50 Hiebe wurden aus „medizinischen Gründen“ verschoben. Den Rest der Strafe soll Badawi über die nächsten Wochen erhalten. Der Fall hatte weltweit für scharfe Kritik an dem islamische-konservativen Königreich Saudi-Arabien gesorgt.

Die Bayern stehen in den sozialen Medien für ihren Zwischenstopp in Arabien in der Kritik

Und nun stehen die Bayern besonders bei "Twitter" in der Kritik. Sonntag waren die Fußballer zwar schon wieder auf dem Rückweg, doch die Kritik ebbte nicht ab. Ein Anhänger schickte sogar einen Brief an den Klub-Vorstand, in dem er eine Stellungnahme des Klubs forderte und ansonsten mit Austritt drohte. (mit dpa) Unseren Kommentar zu dem Bayern-Testspiel in Riad finden Sie hier.

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