FC Bayern München : Mario Gomez: Mit dem Gespür des Stürmers

Bayern-Trainer Jupp Heynckes setzte im Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart im Sturm überraschend Mario Gomez ein. Der brauchte zwar etwas, um ins Spiel zu findet. In der zweiten Halbzeit aber war er zweimal zur Stelle. War die Nominierung ein Abschiedsgeschenk?

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Mario Gomez hat die Augen geschlossen und jubelt nach einem Tor mit in die Luft gestreckter Faust.
Ein Moment zum Genießen: Mario Gomez nach seinem zweiten Treffer im Pokalfinale.Foto: dpa

Natürlich steht er richtig. Der Stürmer, der die größte Effektivität aller Bundesligaspieler in dieser Saison aufweist, muss einfach in der 48. Minute an jener Stelle vor der Torlinie stehen, an die Philipp Lahm gleich den Ball hinpassen wird. Er muss ihn dann auch gar nicht mehr richtig treffen, sondern sich selber irgendwie anschießen – der Ball trudelt trotzdem noch zum 2:0 über die Linie. Bei seinem zweiten Treffer zum 3:0 schiebt er den Ball dann auch etwas zielgenauer ins Tor. Dann darf Mario Gomez gehen.

Seine Nominierung fürs Pokalfinale 2013 wirkte wie eine letzte große Geste an einen scheidenden Spieler. Gerade weil Bayern-Trainer Jupp Heynckes in dieser Saison so ein exzellentes Gespür für die Befindlichkeiten seiner Spieler entwickelt hat, könnte hinter der überraschenden Nominierung des Mario Gomez eine besondere Nachricht stehen: der Abschied des Nationalstürmers aus München. Sollte Robert Lewandowski tatsächlich aus Dortmund kommen, wäre wohl endgültig kein Platz mehr für Gomez.

Das Pokalfinale 2013 in Bildern
Bayern holt auch den Pokal. Damit ist nach Meisterschaft und Champions League das erste Triple einer deutschen Mannschaft perfekt.Weitere Bilder anzeigen
1 von 15Foto: AFP
01.06.2013 22:41Bayern holt auch den Pokal. Damit ist nach Meisterschaft und Champions League das erste Triple einer deutschen Mannschaft perfekt.

In diesem Fall hätte seinen 62 Finalminuten im Berliner Olympiastadion tatsächlich eine besondere Symbolik inne gewohnt. Es wäre Gomez’ letztes Spiel für den FC Bayern München gewesen; Angebote aus Italien und England sollen ihm bereits vorliegen. Es war auch ein Finale gegen den Klub, dessen Brustring-Trikot er beim letzten Meistertitel des VfB Stuttgarts im Jahr 2007 getragen hatte und bei dem er zum Nationalspieler wurde. 2009 wechselte er für eine Ablösesumme von 35 Millionen Euro zu den Bayern, wo er zum Stammspieler in der Nationalmannschaft reifte. Doch auch hier begann sein Stern zu sinken. Erstmals als der Fernsehexperte Mehmet Scholl bei der EM 2012 jenes böse Wort vom „Wundliegen“ aussprach. Und das, obwohl Gomez gerade das Siegtor gegen Portugal erzielt hatte.

Dass der Trainer der zweiten Mannschaft des FC Bayern offenbar eine im Klub kursierende Meinung über seine mangelnden spielerischen Fähigkeiten ausgesprochen hatte, zeigte sich, als Gomez zu Beginn dieser Saison wegen einer Verletzung dreieinhalb Monate pausieren musste – und seinen Stammplatz an Mario Mandzukic verlor. Im Champions-League-Finale durfte er nur noch zum Zeitschinden aufs Feld, in der Nachspielzeit. Da wirkt das DFB-Pokalfinale nur noch wie ein schwacher Trost.

Es dauerte etwas, bis Gomez an diesem Abend ins Spiel findet. Erst schießt er eine Hereingabe von Arjen Robben übers Tor. Später nimmt er ein Zuspiel butterweich an, dreht sich um die eigene Achse und semmelt den Ball am Tor vorbei. In der zweiten Halbzeit aber ist er zweimal zur Stelle. Bei seiner Auswechslung umarmt ihn erst Arjen Robben und dann auch Trainer Jupp Heynckes. Zum Schluss gibt er ihm noch einen Klaps auf die Schulter. So verabschiedet man einen guten Freund.


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