Sport : FC Bayern München: "Nur Manchester kann sich mit uns vergleichen"

Michael Freitag,Martin W. Buchenau

Offiziell haben die hohen Herren vom FC Bayern München diese Saison zu einem Jahr des Neuaufbaus erklärt. Um so ernüchternder ist für die Konkurrenz nach dem 9. Bundesliga-Spieltag die Erkenntnis, dass die Bayern anscheinend unangreifbar sind - sportlich wie wirtschaftlich. Beim 5:1-Sieg am Samstag im Münchner Lokalderby über den TSV 1860 spielten sie so stark auf wie zu besten Champions-League-Zeiten. Und dass sie im Geld schwimmen, ist sowieso ein offenes Geheimnis. Der Herzogenauracher Sportartikelkonzern Adidas bezahlt für zehn Prozent an der zum 1. Juli kommenden Jahres geplanten FC Bayern AG 150 Millionen Mark in eigenen Aktien und macht den Verein damit zum teuersten Fußballklub der Welt.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Zu Recht, findet Manager Uli Hoeneß und belegt seine Meinung mit einem Rekordergebnis: "350 Millionen Mark Umsatz, 60 Millionen Mark Gewinn. Auch wenn die letzte Saison mit dem Gewinn des Champions-League-Titels außergewöhnlich war: Das soll uns erst mal jemand nachmachen", sagte er dem "Handelsblatt" und kontert damit Vorwürfe von Finanzanalysten, Adidas bezahle zu viel für die Beteiligung. "Wir sind eines der profitabelsten Unternehmen der Welt. Adidas hat sich eine Perle gesichert. Es gibt nur einen Fußballklub, der sich mit uns vergleichen kann: Manchester United." Der börsennotierte englische Serienmeister hat kürzlich ähnlich gute Zahlen präsentiert wie die Münchener.

Hoeneß erläuterte, es sei für den Klub kein Risiko, dass Adidas in Aktien bezahle. Der FC Bayern erhält zum 1. Juli 150 Millionen Mark in Adidas-Aktien, muss das Paket aber danach noch einige Monate halten. "Gegen das Risiko eines möglichen Kursverlusts werden wir uns absichern", sagte Hoeneß. "Aber ich sehe die Aktie ohnehin bei über 100 Euro." Derzeit steht der Kurs bei knapp 65 Euro.

Von der Hausse im Hause Bayern profitiert vor allem das Merchandisinggeschäft: Mit dem Verkauf von Fanartikeln habe der Klub in der vergangenen Saison 15 bis 20 Millionen Mark verdient, rechnete Hoeneß vor. Dabei mussten die Bayern auch noch den Ausstieg der maroden Lizenznehmer Herlitz und Brameier verkraften, die zuvor zwei Millionen Mark im Jahr in die Vereinskasse gezahlt hatten. In der laufenden Saison erwartet Hoeneß noch einmal einen kräftigen Schub: Allein in den ersten drei Monaten verkauften die Bayern schon 45 000 der neuen rot-grauen Trikots - fast doppelt so viele wie in der gesamten Vorsaison. Den Fan kosten die vom Partner Adidas gefertigten Leibchen 120 Mark. Verkauft der FC Bayern die Trikots selbst, kassiert der Klub rund die Hälfte des Preises als Gewinn. Wird das Trikot von Adidas über den Sporthandel abgesetzt, bleiben den Bayern acht Mark Lizenzgebühr.

Anders als etwa Borussia Dortmund hat Hoeneß nicht vor, neue Geschäftsfelder für den Verein zu erschließen: "Was soll ich mit einer Internetfirma oder einem Restaurant? Diversifizierung ist Blödsinn, wenn man kein Spezialist für das neue Geschäft ist. Wir werden uns auf unseren Stammmarkt konzentrieren." Da ist Hoeneß klarer Marktführer, zumindest was den Gewinn angeht.

Aber auch in der Bundesliga-Tabelle stehen die Bayern nach schwachem Start schon wieder auf Platz zwei. Zu wenig für Hoeneß: "Am nächsten Spieltag wollen wir im Heimspiel gegen Kaiserslautern Platz eins übernehmen." Noch stehen die Pfälzer in der Tabelle zwei Punkte besser.

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