Sport : FC Bayern München: Sehnsucht nach Silber

Detlef Dresslein

Der kleine Rechenfehler verdeutlicht, dass es für die Bayern wirklich Zeit wird: "Es ist für Verein und Fans enorm wichtig, dass wir gewinnen. Der letzte Sieg ist schon 27 Jahre her oder noch länger", sagt Giovane Elber. An den Worten des brasilianischen Stürmers kann man vielleicht den Unterschied zwischen empfundener und realer Zeit beim FC Bayern München festmachen. Vor genau 25 Jahren gewann der FC Bayern zuletzt den Europapokal der Landesmeister, jenen bauchigen Silbercup, der am Mittwoch beim Finale der Champions League gegen den FC Valencia wieder auf dem Spiel steht. Zwischendrin erlebten die Münchner 1982 (gegen Aston Villa), 1987 (gegen den FC Porto) und natürlich 1999 (gegen Manchester United) diese allseits bekannten, mehr oder minder traumatischen Pleiten.

Doch nicht einmal das Finale von Barcelona 1999 mit zwei Gegentoren in den Schlusssekunden soll in den Köpfen noch Platz haben. "Das ist zwei Jahre her. Wir leben nicht in der Vergangenheit, es ist vorbei und vergessen", sagt Torwart Oliver Kahn. "Wir haben daraus gelernt." Und sie haben selbst ein paar Mal in den letzten Sekunden Spiele herumgerissen - zuletzt am Sonnabend im Saisonfinale der Bundesliga gegen den HSV, als Patrik Anderssons Tor in der Nachspielzeit den Bayern die Deutsche Meisterschaft bescherte.

"Ein gewisses Glücksgefühl, eine gewisse Zufriedenheit", hatte Kahn nach dem 1:1 von Hamburg empfunden, das war es dann aber auch. Für Fußball-Metaphysik hat er nichts übrig: "Es gibt keinen Fußball-Gott", klärt Kahn auf, "sondern es gibt nur einen Gott, und der hat mit Fußball wahrscheinlich nichts zu tun." Nun gilt die Konzentration dem wirklich letzten Spiel des Jahres, aber Vorausblicke verbieten sich von selbst. "Wer am Samstag zugeschaut hat, wird feststellen, dass Prognosen völlig sinnlos sind."

Die wohl kürzeste Meisterfeier der Vereinsgeschichte dauerte nur wenige Minuten, schließlich war bereits das gemeinsame Abendessen, unmittelbar nach der Rückkehr aus Hamburg, "der erste Schritt zur Regeneration", wie Trainer Ottmar Hitzfeld befand. Mailand und Valencia sind die Themen dieser Tage, und ein Sieg am Mittwoch wäre der wichtigste seit vielen Jahren, würde alles überstrahlen, was es an Siegen und Niederlagen gab.

Elber warnt schon die Fans, "dass es kein so interessantes Spiel werden wird", schließlich hätten beide viel zu viel zu verlieren. Die Bayern gingen als größte Verlierer Europas in die Geschichte ein, Valencia als eine Mannschaft, die zweimal hintereinander im Endspiel scheiterte. Weshalb deren Trainer Hector Cuper ankündigte, er würde sein Leben für den Titel geben. In München ist man da pragmatischer: "Mein Leben", sagt Oliver Kahn, "würde ich nicht geben. Ganz klar." Und macht sich auf den Weg über die Alpen, um die ein Vierteljahrhundert währende Sehnsucht eines ganzen Vereins zu stillen.

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