FC Bayern München und Schalke 04 : Für die Bundesliga gilt: Dabei sein ist alles

Die 0:5-Niederlage des FC Schalke 04 hat es mal wieder gezeigt: Außer dem FC Bayern München spielen die deutschen Vereine in der Champions League nur mit, ohne ernsthafte Aussichten auf den ganz großen Coup. Ein Kommentar

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0:5-Heimniederlage gegen den FC Chelsea: Der FC Schalke 04 spielt in der Champions League nur mit. Foto: rtr
0:5-Heimniederlage gegen den FC Chelsea: Der FC Schalke 04 spielt in der Champions League nur mit.Foto: rtr

Am schlimmsten war es beim dritten Tor. Als gleich drei Schalker hochsprangen im Wettstreit, wer denn nun den  Torhüter bezwingen dürfe,  natürlich den eigenen, in die Nähe des gegnerischen kamen sie ja ohnehin nicht. Am Ende macht Jan Kirchhoff das Rennen, als einziger Gelsenkirchener Torschütze dieses fünften Spieltages der Champions League.

 Das Dramatische an der 0:5-Niederlage des FC Schalke 04 daheim gegen den FC Chelsea war ja nicht das Ergebnis. Es war vielmehr die Erkenntnis, wie weit die Bundesliga entfernt ist vom Anspruch, die beste Liga der Welt zu sein. Das geht nicht ohne das große Kapital, das vor allem in England eingesetzt wird, aber nicht nur dort. Geld schießt eben doch Tore, auch wenn es auch internationaler Ebene manchmal ein bisschen dauert, etwa bei Manchester City. Einmal erst hat der seit fünf Jahren mit arabischen Öl getränte Klub die Vorrunde der Champions League erreicht. Am Dienstag gewann City ein großartiges und schwer umkämpftes Spiel gegen den FC Bayern München. In der Premier League ist die Mannschaft nur Dritter, acht Punkte hinter Chelsea, das zur selben Stunde Schalke demontierte.

 

Die Bundesliga rühmt sich gern ihres Zugewinns an internationalem Renommee, sie hat sich in diesem Sommer halboffiziell umgetauft und nennt sich jetzt Liga der Weltmeister. Aber was steckt sportlich wirklich dahinter? Die Zwischenbilanz nach einer knappen Saisonhälfte fällt, nach einem durchaus anspruchsvollen Start, ernüchternd aus. Moderne und ausverkaufte Stadien sind eine schöne Sache, aber sie stehen nur bedingt für  gewachsene Wettbewerbsfähigkeit. Jahrelang hat sich die Bundesliga lustig gemacht über die so genannten spanischen Verhältnisse, den ewigen und ewig langweiligen Zweikampf zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona. Was für ein paradiesischer Zustand im Vergleich zu den deutschen Verhältnissen. Den sportlichen Wert der Bundesliga garantiert allein der FC Bayern München, er ist längst schon nicht mehr primus inter pares. Eine Liga, die ihre Spannung vom ersten Spieltag an allein aus dem Kampf um Platz zwei bezieht, kann im Fußball des Großkapitals auf Dauer schwer höchste internationale Ansprüche geltend machen. Und dran wird sich angesichts der Haltung der Liga gegenüber Investoren auf absehbare Zeit nichts ändern.

 

Der FC Schalke 04 sieht sich  immer noch als ernsthafter Kandidat für einen Platz in der Champions League auch im kommende Jahr. Und das Bemerkenswerte daran ist, dass es sich dabei keinesfalls um Hybris handelt, sondern um eine ganz reelle Option. Und wenn die Gegnerschaft in Gruppe G in der letzten Runde mitspielt, können sich die Schalker diesmal sogar für das Achtelfinale qualifizieren, wie auch Borussia Dortmund (aber da zeigt das Schwächeln in der Bundesliga, dass es wohl nicht zu viel mehr reichen wird) und vielleicht auch Bayer Leverkusen. Das gibt wertvolle Punkte für den Uefa-Koeffizienten, auf das die Bundesliga auch in Zukunft jährlich vier Mannschaften für die Champions League melden darf. Das ist ein schöner Erfolg, aber er blendet. Denn bis auf den FC Bayern München werden sie alle nur mitspielen, ohne ernsthafte Aussichten auf den ganz großen Coup. Dafür ist der Erfolg einfach zu teuer geworden. Was die Champions League betrifft, wird die Bundesliga sich an olympische Verhältnisse gewöhnen müssen: Dabei sein ist alles.

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