• FC Bayern München verliert Tabellenführung : Borussia Dortmund siegt 1:0 - RB Leipzig bleibt Erster

FC Bayern München verliert Tabellenführung : Borussia Dortmund siegt 1:0 - RB Leipzig bleibt Erster

RB Leipzig bleibt Tabellenführer der Bundesliga. Im Spitzenspiel siegte Borussia Dortmund 1:0 und stürzte den FC Bayern München von der Spitze.

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Thomas Tuchel stand an der Seitenlinie und ruderte wild mit den Armen umher. „Raus, raus, raus!“ aus der eigenen Hälfte, deutete er seinem Team, es lief bereits die Nachspielzeit. Ein langer Ball noch, ein Befreiungsschlag, und dann, und dann... war er perfekt, der Sieg von Borussia Dortmund im Spitzenspiel der Bundesliga. Durch einen 1:0-Erfolg gegen den FC Bayern haben die Westfalen Fußball-Deutschland ein – zumindest für den Moment – spannendes Meisterschaftsrennen beschert, in dem sie mit nunmehr drei Punkten Rückstand auf die Bayern selbst wieder mitlaufen. Der erste Dortmunder Sieg gegen die Münchner seit dem 11. April 2012 bedeutete für die Bayern zudem den erstmaligen Verlust der Tabellenführung nach saisonübergreifend 39 Spieltagen. „Das ist doch das, was sich alle gewünscht haben“, sagte Kapitän Philipp Lahm nach dem Abpfiff ungewohnt patzig. „Wir hatten zahlreiche Chancen, Dortmund nur wenige“, ergänzte Lahm, „bis zum letzten Pass haben wir das richtig gut gemacht.“ Diese Meinung hatte er allerdings recht exklusiv.

Nach einer Schweigeminute für die kürzlich verstorbene BVB-Legende Alfred „Aki“ Schmidt begannen die Westfalen vor ausverkaufter Kulisse so, wie es Trainer Tuchel angekündigt, ja, versprochen hatte: wild entschlossen, mutig in der Vorwärtsbewegung und aggressiv im Zweikampf. Gerade die Anfangsphase war von vielen kleinen Fouls geprägt, die den Spielfluss verlässlich unterbrachen. Innenverteidiger Marc Bartra wandelte nach einer frühen Gelben Karte über eine Stunde lang am Rande eines Platzverweises, ehe er schließlich in Form des Schlusspfiffes erlöst wurde.

Nach zehn Minuten erbebte die Dortmunder Arena, die Mats Hummels bei seiner Rückkehr an die alte Wirkungsstätte vergleichsweise freundlich empfangen hatte, allerdings zum ersten Mal richtig – und daran hatte ein anderer Rückkehrer großen Anteil. Im ersten Spiel gegen die Bayern seit seinem Wechsel zurück aus München brachte sich Mario Götze auf dem rechten Flügel in eine gute Position und bediente im Zentrum Pierre-Emerick Aubameyang, der dem Ball die entscheidende Richtungsänderung verlieh und zum frühen 1:0 traf.

In der Folge wirkten die Bayern ein wenig konsterniert angesichts des Rückstands: Phasenweise gerieten die Gäste in der Defensive dermaßen unter Druck, dass man sich schon fragen durfte, ob in den rot-weißen Trikots auch leibhaftig die Spieler steckten, deren Name hinten auf dem Jersey stand. Dortmunds André Schürrle besaß nach 20 Minuten die große Chance, den Vorsprung auszubauen, seine Direktabnahme landete jedoch direkt in den Armen Manuels Neuers. Auf der Gegenseite registrierten die Bayern nur zwei eigene Abschlüsse: ein Kopfball von Mats Hummels war allerdings keine echte Gefahr für das Dortmunder Tor, und Robert Lewandowskis Versuch eines Seitfallziehers landete irgendwo unter dem Tribünendach – und das ist in Dortmund bekanntlich noch weiter oben zu finden als anderswo.

Nach dem Seitenwechsel stellte sich die spannende und dem Spielverlauf entsprechend naheliegende Frage, ob die Dortmunder weiterhin so einen enormen Aufwand würden betreiben können wie in Halbzeit eins. Zunächst lautete die Antwort: Ja, sie konnten. Aubameyang besaß direkt nach Wiederanpfiff die große Gelegenheit zum 2:0, scheiterte aus spitzem Winkel allerdings an Neuers geradezu krakenhaften Armen. Keine zwei Minuten später setzte der Gabuner einen Kopfball aus Nahdistanz über die Latte.

Wenn die Bayern überhaupt noch einen letzten Weckruf benötigten, dann war es besagte Doppel-Chance. Es folgte die vielleicht beste und druckvollste Phase der Münchener, die den Gegner nun tief in die eigene Hälfte drängten und sich – ähnlich wie beim Handball – kollektiv um den Dortmunder Strafraum versammelten. Und mit zunehmender Dauer näherten sich die Gäste dem Ausgleich zumindest an: Nach 55 Minuten traf Franck Ribéry per Hackentrick zum vermeintlichen 1:1 – Schiedsrichter Tobias Stieler erkannte dem Treffer jedoch die Gültigkeit ab, weil der Franzose zuvor knapp, aber zweifelsfrei im Abseits gestanden hatte.

Auf der Gegenseite vergab erneut Aubameyang die Chance zur Entscheidung. Nach einem katastrophalen Fehler von Xabi Alonso lief er frei auf Manuel Neuer zu, scheiterte aber am Nationalkeeper. Am Ende interessierte das aber niemanden mehr, weil den Münchnern in der Schlussphase erstaunlich wenig einfiel. Es könnte eine unangenehme Woche an der Säbener Straße werden.

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