FC Bayern : "Rückfall in alte Zeiten"

Direkt nach der Demütigung beim deutschen Meister hielt sich das Donnerwetter in Grenzen. Nur Franz Beckenbauer watschte die schwachen Bayern-Profis mit schonungsloser Kritik ab.

Elmar Dreher,Ulrike John[dpa]
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Krise beim FC Bayern? Oliver Kahn dementierte und relativierte nach der Niederlage gegen den VfB Stuttgart. -Foto: ddp

Stuttgart/München"Das war ein Denkzettel. Es fehlt an allem. Das ist ein Rückfall in alte Zeiten." Vor der Jahreshauptversammlung an diesem Montagabend dürfte das angespannte Klima beim FC Bayern noch rauer werden. "Wir werden unsere Lehren aus dem Spiel ziehen. Jeder weiß, dass wieder ein frischerer Wind weht", sagte Trainer Ottmar Hitzfeld nach der 1:3 (0:3)-Schlappe im Südgipfel beim VfB Stuttgart. "Wir werden intern Klartext sprechen", kündigte er an.

Gefährlicher als das Granteln des Ober-Bayern Beckenbauer in seiner Funktion als Co-Kommentator bei "Premiere" könnte Uli Hoeneß' Schweigen nach der ersten Saisonniederlage sein. Mit hochrotem Kopf stapfte der Manager an den Medienvertretern vorbei und beließ es bei einem bissigen "auf Wiedersehen. Ich habe nichts zu sagen". Die passenden Worte dürfte es bei einem internen Rundumschlag geben.

Lahm: Rotation ist nicht schuld an der Niederlage

Bis auf den früheren VfB-Profi Philipp Lahm und den in der Hierarchie des Starensembles weit unten stehenden Christian Lell schlichen am Samstag in Stuttgart auch alle Bayern-Spieler schweigend davon. "Wir können überall nach Ausreden suchen, aber das bringt nichts", wies Lahm allein dem Team die Schuld am schwachen Auftritt zu. "Wir haben einfach unkonzentriert gespielt." Zum Reizthema Rotation meinte der Nationalverteidiger nüchtern: "Das kann keine Entschuldigung dafür sein, dass wir so verloren haben."

Hitzfeld verteidigte den Austausch des halben Teams gegenüber dem mageren 2:2 im UEFA-Cup mit seinen personellen Möglichkeiten: "Ich habe eine großartige Mannschaft und eine großartige Bank. Jeder hat es verdient, Stammspieler zu sein. Wenn man rotiert und verliert, kriegt man auf die Schnauze, wenn man rotiert und gewinnt, ist das normal." Ein klarer Konter gegen Karl-Heinz Rummenigge, der nach der Partie gegen Bolton Wanderers den Trainer wegen der Rotation gerügt hatte. Der Vorstandsvorsitzende des Rekordmeisters ruderte etwas zurück: "Wir haben seit zwei, drei Wochen Probleme. Und wenn einem Dinge nicht gefallen, muss man als Vorstandsmitglied die Möglichkeit haben, das anzusprechen. Das heißt aber nicht, dass ich ein Problem mit Ottmar Hitzfeld habe." Auch Hitzfeld betonte, man habe miteinander gesprochen und "nach wie vor" ein gutes Verhältnis.

Kahn: kein Anlass für Alarmstimmung

Torhüter Oliver Kahn nahm den Trainer am Sonntag nicht nur gegen Kritik an seinen Personalrochaden in Schutz, er sieht auch keinen Anlass für Alarmstimmung: "Was diskutieren wir hier eigentlich? Wir sind Tabellenführer der Bundesliga, sind im DFB-Pokal weitergekommen und werden uns auch im UEFA-Cup für die nächste Runde qualifizieren. Wir müssen aufpassen, dass kleine Dinge nicht zu Ballons aufgeblasen werden." Ähnlich äußerte sich Hitzfeld: "Wir haben sicher eine Luxuskrise im Moment." Torhüter Kahn hatte aber auch keine Erklärung für den Auftritt "ohne Power, ohne Leidenschaft und ohne Wille", dessen negativer Höhepunkt der Platzverweis von Abwehrchef Lucio wegen einer Unbeherrschtheit war. "Es war Frust, keine Bösartigkeit", beteuerte der Brasilianer.

Der nur noch einen Punkt vor dem Verfolger-Duo Werder Bremen und Hamburger SV liegende Bundesliga-Spitzenreiter ließ alle Qualitäten eines Top-Teams vermissen, die den VfB diesmal wieder auszeichneten. "Stuttgart war uns klar überlegen und somit verdienter Sieger", bilanzierte Hitzfeld ebenso enttäuscht wie zutreffend. "Ich bin überzeugt, das waren zwei lehrreiche Stunden."

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