FC Bayern : Start ins Ungewisse

Jürgen Klinsmann hat beim FC Bayern seine Arbeit als Trainer aufgenommen. Mit welchen Spielern er in die Bundesliga startet, ist noch völlig offen.

Sebastian Krass[München]
Klinsi Foto: dpa
Da geht's lang. Beim Trainingsauftakt standen Klinsmann gerade einmal acht Spieler zur Verfügung. -Foto: dpa

München - Zumindest die Tür hinaus zum Trainingsplatz war noch die gleiche. Um 15.16 Uhr kamen die Spieler aus dem völlig neu gestalteten Mannschaftstrakt des FC Bayern München heraus. Doch sie zwängten sich nicht mehr zwischen den dicht an dicht geparkten Luxuskarossen hindurch, sondern sie schritten über eine Holzterrasse, zwischen zwei Tischtennisplatten hindurch. Die Rattansitzecke unter dem Sonnenschirm, vor neugierigen Blicken geschützt durch eine Wand von mehr als mannshohen Bambussträuchern, ließen sie links liegen. Und dann kamen sie auf dem Platz an. Nur wussten sie erst einmal nicht, was zu tun war. Denn einer fehlte: Jürgen Klinsmann.

Um 15.26 Uhr dann begann auch für den neuen Cheftrainer des FC Bayern der öffentliche Teil seines ersten richtigen Arbeitstages an der Säbener Straße. Der große Ansturm der Fans war ausgeblieben, knapp 1000 Zuschauer verteilten sich um den Platz. Sie schienen Klinsmanns Erscheinen kaum zu bemerken, blieben still, fast andächtig. Kein Applaus, keine hysterischen Rufe, nur hier und da ein kleines Plakat mit Aufschriften wie „Viel Glück, Klinsi“.

Klinsmann hielt eine knappe Ansprache an sein Häufchen Spieler, posierte kurz mit seinem Team für die Fotografen, und dann endlich begann das Training mit ein paar unspektakulären Koordinationsübungen. Insgesamt acht Trainer und Betreuer hatten ein Auge auf zwölf Spieler. Die übrigen Profis waren am Montag auf der Fanmeile am Brandenburger Tor beschäftigt oder im Urlaub. Es ist fraglich, ob sie alle in spätestens drei Wochen, wenn der Urlaub vorbei ist, von den Tischtennisplatten, der Rattansitzecke und all den anderen Annehmlichkeiten der neuen Erlebniswelt für Fußballprofis profitieren werden.

Denn Klinsmanns erstes Training war nur das eine von zwei großen Themen rund um den FC Bayern am Montag. Denn nun, da die EM vorbei ist, fängt laut Manager Uli Hoeneß die heiße Phase auf dem europäischen Transfermarkt an. Und es besteht kein Zweifel, dass die Bayern gern noch den einen oder anderen neuen Spieler präsentieren würden. Das Vertrauen der Chefs in den derzeitigen Kader ist offenbar brüchig, anders als sie es noch nach Abschluss der vergangenen Saison beteuert hatten.

An zwei schon seit Wochen gehandelten Spielern sind die Bayern nach wie aufs Nachdrücklichste interessiert: Mario Gomez und Aleksandar Hleb. Dass Horst Heldt, sein Managerkollege vom VfB Stuttgart, unlängst ein barsches Veto gegen jeglichen Wechsel des Nationalspielers Gomez eingelegt hat, lässt Hoeneß unbeeindruckt. Er versucht jetzt, mit Hilfe der Medien die Schwaben weichzukochen. „Sollte Mario Gomez zur kommenden Saison wechseln, sind unsere Chancen ziemlich gut, glaube ich“, sagte Hoeneß der Münchner Boulevardzeitung „tz“. Und weiter: „Es ist doch klar, dass wir alles tun, um diesen Topmann zu verpflichten, bevor der nach Italien geht und die Leute sagen: Hey, wieso habt Ihr Euch nicht bemüht?“

Die Bayern sind dieses Jahr noch einmal bereit, ein gutes Stück vom Festgeldkonto flüssig zu machen. Gomez und der Weißrusse Hleb vom FC Arsenal haben noch langfristige Verträge. Für beide wären wohl jeweils mindestens 20 Millionen Euro Ablöse fällig. Wenn die Riesentransfers klappen, würde Manager Hoeneß einen Teil der Summe wohl wieder hineinbekommen, indem er dann den unzufriedenen Lukas Podolski und/oder Bastian Schweinsteiger verkauft. „Wenn Aleksandar Hleb käme, stellt sich die Frage: Wo sollte Bastian spielen?“, wirft Hoeneß schon einmal in den Raum.

Ein gutes Gewissen hätte er dabei aber wohl kaum. Im Fall Lukas Podolski müssten sich die Bayern das Scheitern eingestehen, dessen Talent nicht weiterentwickelt zu haben. Und am Bayernzögling Bastian Schweinsteiger hängt Hoeneß sowieso. Gerade von diesen beiden hatte man sich ursprünglich unter der Führung ihres früheren Förderers Jürgen Klinsmann noch einmal einen besonderen Sprung erhofft. Doch diese Perspektive reicht nun offenbar nicht mehr.

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