Sport : FC Bayern - Stuttgart: Geschenke für den Meister

Heinrich Geiselberger

Mit einem souveränen 4:0-Sieg gegen den VfB Stuttgart hat Bayern München den Ausrutscher von Spitzenreiter Kaiserslautern genutzt und seine Fans in die rechte Oktoberfest-Stimmung versetzt. Der Erfolg bringt außerdem Licht in die erbitterte Debatte, ob die aktuelle Mannschaft der Bayern nun noch besser sei als die der vorigen Saison, wie Vizepräsident Karl-Heinz Rummenigge sagt, oder ob sie sich lediglich "nicht verschlechtert" habe, wie der verletzte Kapitän Stefan Effenberg meint.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Es sieht so aus, als ob Rummenigge Recht behalten sollte, denn von der schlechten Angewohnheit der Bayern, nach Champions-League-Spielen Punkte vornehmlich an leichtere Gegner zu verschenken, hatten in den letzten Jahren vor allem die Schwaben profitiert. Drei der letzten vier Partien gewann der VfB. 1999 hatten die Stuttgarter die Bayern sogar während des Oktoberfests gedemütigt. Dass die Bayern dieses Laster inzwischen offensichtlich abgelegt haben, war im ausverkauften Olympiastadion bereits nach knapp 20 Minuten offensichtlich. Zunächst prallte der Ball in der neunten Minute nach einer Flanke von Salihamidzic solange wie eine Flipperkugel zwischen den trägen Beinen der Stuttgarter Wenzel und Marques hin und her, bis Giovane Elber "Game over" sagte und das 1:0 für die Bayern erzielte.

Nur vier Minuten später war es wieder Marques, der Elber einen schlampigen Rückpass in den Lauf spielte. Der Brasilianer nutzte die unfreiwillige Vorlage, um den Stuttgartern gleich "die zweite Maß einzuschänken", wie der Stadionsprecher das 2:0 umschrieb. Als dann in der 19. Minute auch noch der Mittelfeldspieler Silvio Meißner nach einem rüden Foul an Thorsten Fink des Feldes verwiesen wurde, war der Optimismus der Stuttgarter endgültig verloren. Zumal es der VfB ohnehin eher darauf angelegt hatte, keine Tore zu kassieren, als welche zu schießen. Die defensive Taktik wurde schon daran sichtbar, dass Spielmacher Krassimir Balakow als einzige Spitze agierte.

"Dass wir verloren haben, ist nicht so tragisch", sagte VfB-Trainer Felix Magath. "Schließlich muss man bei den Bayern immer eine Niederlage einkalkulieren. Tragisch ist, dass wir bei den ersten Toren mitgeholfen haben." Trotzdem wirkte der Coach überraschend gelassen. Dabei hatte Magath auch nach der Pause noch genug Anlass, sich über Fehler seiner Abwehrspieler zu ärgern. In der 60. Minute lief Elber seinem überforderten Gegenspieler Marques davon und schoss sich mit seinem dritten Tor an die Spitze der Torjägerliste. Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld veranlasste das dazu, seinen in der letzten Zeit leicht unzufriedenen Mittelstürmer zu loben: "So spielfreudig wie heute wünschen wir ihn uns. Wer so konzentriert spielt, der muss auch nicht immer gute Laune haben."

Die zahlreichen Münchner Fans, die das Stadion bereits nach dem 3:0 in Richtung Oktoberfest verlassen hatten, dürften sich ärgern, denn mit dem Schlußpfiff brachte sich auch noch der zuletzt oft unglückliche spielende Paulo Sergio mit einem Traumtor in Wiesenstimmung.

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