Sport : FC Bayern: Wer ist Hamburgo?

Detlef Dresslein

Fußballer richten zumeist den Blick auf das Kommende. Das ist dieser Tage beim FC Bayern München nicht anders. Zwei Spiele sollen zwei Titel bringen, erst den heimischen, dann den europäischen. Uli Hoeneß macht sich also seine Gedanken über die nahe Zukunft: "Du kannst in zwei Spielen alles gewinnen, aber auch vieles verlieren." In seiner Eigenschaft als Klubmanager muss er weiterdenken. So vollzog Hoeneß kurz vor den wichtigsten Tagen des Jahres den Transfer von Robert Kovac (Bayer Leverkusen), der wie Bruder Niko vom Hamburger SV einen Vierjahresvertrag bei den Bayern unterschrieb.

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Tipp-Spiel: Wer wird Deutscher Meister? Und beim FC Bayern sind offenbar sogar die Spieler in die Personalplanung einbezogen. So äußerte sich jüngst Giovane Elber in der Zeitschrift "Max", die sich gemeinhin eher für schönere Beine als die von Fußballspielern zuständig fühlt. "Ich weiß nicht, ob ich meinen Vertrag erfülle. Was kann man mit dieser Mannschaft noch holen?", soll der Brasilianer gesagt haben. Für den Fall einer Niederlage in Mailand soll er empfohlen haben, einen Schnitt zu machen. "Dann schaffen wir es nie. Dann muss der Klub überlegen, alle elf Spieler, die dort auf dem Platz stehen, zu verkaufen." Auch Stefan Effenberg wurde von Paul Breitner in einer Boulevardzeitung nahegelegt, doch spätestens 2002 den Verein zu verlassen. Effenberg antwortete: "Paul Breitner hat natürlich immer Recht."

Dass jener Verbalzirkus ablenkt vom Spiel gegen den Hamburger SV, in dem ein Punkt zur 17. deutschen Meisterschaft genügen würde, muss man nicht erwarten. Diese Saison mit ihren Affären und Niederlagen hat alle abgebrüht. So wirkt das Bemühen etwas angestrengt, die Aufmerksamkeit der Medien und der Spieler vom Finale gegen Valencia auf das letzte Meisterschaftsspiel beim Hamburger SV zu lenken. Uli Hoeneß gibt zu bedenken, "dass man nicht dreiunddreißig Spiele in der Liga absolviert hat, um sich dann im vierunddreißigsten zu schonen." Aber geschont haben sich manche Kicker auch schon vor oder nach weit unbedeutenderen Champions-League-Begegnungen. Als zusätzliche Ablenkung vom nationalen Einerlei war für den vergangenen Mittwoch ein "internationaler Medientag" anberaumt, zu dem Berichterstatter aus einigen Ecken des Kontinents, vornehmlich Spanien, angereist waren. Und die interessierte natürlich nicht irgendein Spiel gegen "Hamburgo".

Ansonsten geben sich sich die Bayern so verbissen, wie man sie kennt. Sowohl Spieler als auch leitende Angestellte. Oliver Kahn freut sich auf die heimelige Atmosphäre im Volksparkstadion zu Hamburg: "Das ganze Stadion wird gegen uns sein. Ganz Deutschland wird gegen uns sein. Etwas Schöneres gibt es gar nicht." Und Uli Hoeneß hat zur Unterstreichung der Überlegenheit schon mal in die Bilanz geguckt und verspricht "gigantische Zahlen". Außerdem kündigte er bereits an, am kommenden Mittwochabend seine erste Zigarre seit dreißig Jahren rauchen zu wollen. Und zwar nicht irgendein Kraut, sondern die neueste Kreation: die FC-Bayern-Klubzigarre. "Das haben wir bei Real Madrid gesehen", sagte er lächelnd, "und es hat uns unheimlich gefallen."

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