FC Bayern : Zwischenstopp nach Europa

Der 21. Meistertitel soll für den FC Bayern nur der Beginn einer großen internationalen Ära sein.

Stefan Hermanns[Wolfsburg]
Toni
Die Bayern jubeln. -Foto: dpa

Felix Magath ist ein Freund der hintersinnigen Ironie. Manchmal ist sie so hintersinnig, dass man sie gar nicht als Ironie wahrnimmt. Also sprach Felix Magath, der Trainer des VfL Wolfsburg, nach dem Titelgewinn des FC Bayern München einen besonderen Glückwunsch aus. Es sei eine große Leistung, das Double aus deutscher Meisterschaft und Pokalsieg zu holen, sagte er nach dem 0:0 seiner Mannschaft gegen die Münchner. Als Magath noch die Bayern trainieren durfte, gelang ihm diese große Leistung in zwei Jahren zweimal, doch selbst das rettete ihn nicht vor der Entlassung in der folgenden Saison. Latente Unzufriedenheit ist Teil des bayrischen Selbstverständnisses. Zwei Titel sind eben immer einer zu wenig, auch wenn Manager Uli Hoeneß das energisch dementierte: „Ich bin total zufrieden. Total zufrieden. Komischerweise sehen das wenige so.“

Trotzdem hat es bei den Bayern schon rauschendere Feste gegeben als am Sonntag. Das müde 0:0 war nicht gerade dazu angetan, die letzten Hemmungen zu lösen, und auch das jähe Ende der europäischen Ambitionen nur drei Tage zuvor durch das 0:4 bei Zenit St. Petersburg wirkte noch nach. „Bis gestern war ich noch traurig“, sagte Stürmer Luca Toni, „jetzt kann ich nicht mehr an Zenit denken.“

Das Spiel in St. Petersburg aber wird die Bayern noch eine Weile verfolgen – weil es als Beleg für die mangelnde internationale Reife des Klubs gilt. „Diese Diskussion ist dümmlich“, sagte Magath. „Die Bayern werden nächstes Jahr auf einer Stufe mit den ganz großen Klubs wie Barcelona, Milan oder Arsenal sein.“ So ähnlich sehen sie das in München auch, obwohl die Mannschaft seit dem Gewinn der Champions League vor sieben Jahren nicht mehr über das Viertelfinale hinausgekommen ist. Das soll sich in der neuen Saison ändern. „Im nächsten Jahr ist die Champions League wichtiger als alles andere“, sagt Hoeneß.

Der Manager jedenfalls ist überzeugt, dass sich die Mannschaft verbessert. Anders als vor einem Jahr muss der Fortschritt diesmal allerdings aus der Mannschaft selbst kommen. Außer Tim Borowski, dessen Verpflichtung bereits feststeht, sollen höchstens noch zwei neue Spieler kommen. „Die Substanz ist groß genug, um auch in der Champions League weit zu kommen“, sagt Hitzfeld. „Ich glaube, dass hier etwas heranwächst und Bayern in den nächsten fünf, sechs Jahre eine großartige Mannschaft hat.“

Als neuer Nationaltrainer der Schweiz hat Hitzfeld damit nichts mehr zu tun, das Potenzial des Kaders muss sein Nachfolger Jürgen Klinsmann zur Geltung bringen. Dass die Idee, den lächelnden Revolutionär mit dieser Aufgabe zu betrauen, richtig war, hat das Spiel in St. Petersburg gezeigt. Die blamable Niederlage war kein Zufall; sie entsprang der reiferen Mannschaftsleistung der Russen. Die Bayern haben sich im vermeintlich zweitklassigen Uefa-Cup viel zu sehr auf ihre individuelle Klasse verlassen, obwohl die jüngere Geschichte des Wettbewerbs mit den Siegern Porto und Sevilla gezeigt hat, dass der Uefa-Cup andere Qualitäten erfordert: Eine klare taktische Idee ist die Basis von allem. Diese Idee kann auch in der Champions League nicht schaden, zumal die individuelle Klasse einiger Wettbewerber da noch deutlich größer ist als die der Bayern.

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