Sport : FC Blabla

Robert Ide

staunt über den Weltverein Bayern München FC Hollywood. Erinnern Sie sich? Fußball in München als täglicher Aufreger – nicht einmal zehn Jahre ist das her. Wochenende für Wochenende gewann der FC Bayern seine Spiele, zwischendurch wurde auf dem Vereinsgelände gelästert, gepöbelt und gefeiert. Es war die Zeit, als Fußballhelden auf dem Rasen glänzen mussten – und in bunten Illustrierten. Münchens Weltverein hatte das zuerst erkannt und rasch die Deutungshoheit übernommen.

Irgendwann, als alle Späße gemacht und alle Flaschen leer waren, zog die neue Ernsthaftigkeit in Deutschland ein – wieder waren die Bayern vorn. Ottmar Hitzfeld gab den grimmigen Trainer, Oliver Kahn den verbissenen Titanen. Hallodri Franz Beckenbauer wurde aus der operativen Führung weggelobt. Wieder waren es erfolgreiche Jahre. Auf dem Rasen und in den ernsthaften Feuilletons.

Diesmal aber ist der alte Meister nicht auf der Höhe der Zeit. Bescheidenheit, Zurückhaltung – das sind Stärken der besseren Bremer. In München dagegen stolpert ein verwöhnter Torwart durch den Strafraum, die Vereinsführung vertändelt sich in Personalien. Der grimmige Trainer wird demontiert, erst durch schwache Dementis der operativen Führung, dann durch ein „Es reicht!“ des wieder erstarkten Franz Beckenbauer. Vor dem Spitzenspiel um die Vizemeisterschaft in Stuttgart zerfällt der Weltverein in provinzielle Einzelteile. Das wirkt nicht witzig, sondern lächerlich; nicht ernsthaft, sondern unprofesionell.

FC Hollywood. Das waren noch gute Zeiten in München.

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