FC Chelsea : Naturgesetz des Größenwahns

Markus Hesselmann hat nach der Trennung von Trainer Mourinho keine guten Argumente mehr für Chelsea.

Markus Hesselmann
Mourinho
Am Anspruch gescheitert. Zwei Meisterschaften hat er geholt, doch das war zu wenig.Foto: AFP

Es musste wohl dann doch so enden. Selbst wer nicht am antikapitalistischen Fußballstammtisch sitzt und es ohnehin alles mal wieder kommen sah, muss das jetzt zugeben. Die wohlwollenden Argumente ziehen nicht mehr. Geschenkt, dass der FC Chelsea eben nicht wie Real Madrid einfach ein paar Superstars ("Galaktische") der Marke Beckham oder Zidane zusammengekauft, sondern starke Spieler wie Drogba oder Essien erst zu Stars aufgebaut hatte. Geschenkt, dass bei Chelsea anders als zum Beispiel beim Londoner Rivalen FC Arsenal auch einheimische Spieler wie Terry oder Lampard eine wichtige Rolle spielen - zum Wohle der englischen Nationalmannschaft. All das wird verdrängt von dem, das sich an der Stamford Bridge im Südwesten Londons gestern abgespielt hat. Nach gerade einmal sechs Spielen in der neuen Saison der Premier League, mit zwei Punkten Rückstand auf den Tabellenführer, trennen sich der Verein und Trainer José Mourinho.

Offenbar gegen Mourinhos Willen hat sich in Chelsea am Ende doch der Größenwahn durchgesetzt. Das viele Geld des Klubeigners Roman Abramowitsch wurde zuletzt nicht mehr in Spieler mit Perspektive investiert, sondern in Superstars wie Ballack und Schewtschenko, die dann von Anfang an kritisiert wurden. Die Ungeduld bestimmte mehr und mehr das Konzept. Schließlich stand drei Jahre nach Mourinhos Antritt immer noch keine Champions-League-Trophäe in der Vitrine. Der Klub wich ab vom Konzept des klugen Aufbaus. Ein Kreislauf aus Geldausgeben und Erfolgszwang setzte ein, vielleicht eine Art Naturgesetz bei neureichen Klubs. Die Installation eines wenig profilierten Trainers wie Avram Grant, der willfährig den Wünschen Abramowitschs folgt, ist nun ein konsequenter nächster Schritt. Dann geht es weiter, bis der milliardenschwere Eigner irgendwann die Lust an seinem kleinen Fußballklub verliert. Und dann geht erst einmal gar nichts mehr.

Das Experiment Chelsea ist lehrreich für die Bundesliga. Auch hier drängen die alleinherrschenden Investoren auf den Markt. Noch schützt das Statut der Deutschen Fußball-Liga die Vereine vor solchen Übernahmen. Davon sollte die DFL auf keinen Fall abweichen. Der Fall Carl Zeiss Jena ist dafür ein vergleichsweise kleiner, aber wichtiger Test. Und Michael Ballack? Der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft sollte sich mittelfristig wohl lieber nach einem anderen Klub umsehen. Am Ende vielleicht doch Real Madrid? Die galaktischen Zeiten sind dort zum Glück inzwischen vorbei.

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