FC Erzgebirge Aue : Falko Götz, der 20-Tage-Trainer

Falko Götz hat nur drei Spiele Zeit, um den abstiegsbedrohten FC Erzgebirge Aue zu retten. Im Kampf um den Klassenerhalt debütiert er bei seinem Ex-Klub Hertha BSC. "Kein Spiel wie jedes andere", meint Götz.

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In der Strickjacke zum Klassenerhalt: Falko Götz hat eine klare Mission in Aue - nicht absteigen.
In der Strickjacke zum Klassenerhalt: Falko Götz hat eine klare Mission in Aue - nicht absteigen.Foto: dpa

Falko Götz ist kurz angebunden. In seinem Trainerbüro klingelt ständig das Telefon, dabei hat Götz doch eigentlich kaum Zeit. Erst seit Montag ist er im Amt und hat nur drei Spiele, um Erzgebirge Aue in der Zweiten Liga zu halten. Schafft er das, läuft sein Vertrag bis 2015 weiter. Steigt Aue ab, muss neu verhandelt werden, dann könnte es ein sehr kurzes Comeback im deutschen Profifußball gewesen sein.

„Es kam alles sehr kurzfristig“, sagt Götz, „ich freue mich über die Chance.“ Für den Klassenerhalt sieht er „gute Grundvoraussetzungen“. Der Tabellen-15. hat drei Punkte Vorsprung auf den Relegations- und elf auf den ersten Abstiegsplatz. Dabei tritt Aue gegen drei Teams an, für die es um nicht mehr viel geht: beim SV Sandhausen, der am letzten Spieltag schon abgestiegen sein könnte, gegen Tabellenmittelständler FC Ingolstadt – und als erstes, am Freitag, bei Aufsteiger Hertha BSC. Der Klub, bei dem Götz zehn Jahre als Spieler und Trainer wirkte. „Ich würde Lügen, wenn ich sagen würde, das ist ein Spiel wie jedes andere“, sagt er.

Das gilt eigentlich für alle drei Spiele. Ein ungewöhnlich kurzer Bewährungszeitraum für einen Trainer. „Es ist auf jeden Fall ein anderes Arbeiten, allein aus Zeitgründen kann man nur punktuell Dinge verändern.“ Eine komplett neue Taktik lässt sich in den 20 Tagen kaum erfolgreich einstudieren. „Ich will die Mannschaft nicht konfus machen, wir müssen kleinere Dinge besser machen, am Selbstvertrauen arbeiten.“

Götz will sich beweisen, dreieinhalb Jahre nach seinem letzten Engagement in Deutschland. Damals wurde er beim Drittligisten Holstein Kiel entlassen, auch weil er einen Spieler vor die Stirn geschlagen haben soll, man sah sich vor dem Arbeitsgericht wieder. „Das wurde mit einem Vergleich aus der Welt geschafft, ich schaue nicht in die Vergangenheit, nur in die Zukunft“, sagt Götz. Nach den Vorfällen blieben die attraktiven Jobangebote vorerst aus für den Mann, der Hertha als Interimstrainer 2002 und als Chefcoach 2005 immerhin auf Platz vier führte. Bei aller Fachkenntnis wurden ihm Probleme bei der Menschenführung nachgesagt. „Mit jedem Job wächst der Erfahrungsschatz“, sagt Götz über die Lektionen aus den bisherigen Trainerstationen.

Der Schatz wuchs noch einmal, Götz nahm ein Angebot aus Vietnam an, als Nationaltrainer. „Das Land kannte ich vorher nur aus dem Urlaub, das war menschlich eine wichtige Erfahrung“, sagt Götz. Sie endete im Dezember 2011 nach einem halben Jahr mit einer Entlassung. Trotzdem will er die Zeit nicht missen. „In Vietnam war ich Trainer pur, hatte keinen Apparat hinter mir wie ein Bundesligatrainer und habe gelernt zu improvisieren.“

Das Improvisationstalent könnte Götz bei seinem Schnellkurs zum Klassenerhalt in Aue helfen. Gegen Hertha jedoch kann er auf Eindrücke aus erster Hand zurückgreifen. Der gebürtige Sachse, in Ost-Berlin aufgewachsen, lebte zuletzt immer wieder mal in der Stadt, kennt noch viele Vereinsmitarbeiter. „Es kann ein kleiner Vorteil sein, dass ich öfter in Berlin im Stadion war“, sagt Götz.

Vor gut zwei Wochen war er bei einem Spiel von Herthas U23 zu Gast und traf dort Profitrainer Jos Luhukay. „Es hat natürlich eine gewisse Brisanz, dass er ein früherer Herthaner ist“, sagt Luhukay, der sich trotzdem über Götz’ Rückkehr freut. Peter Neururer als reaktivierter Trainer beim VfL Bochum habe ja gezeigt, „dass solche Verpflichtungen durchaus Erfolg haben können, das gönne ich ihm auch – nach Freitag.“

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