Sport : FC Gomez München

Der Stürmer erzielt beim 3:0-Sieg der Bayern gegen Hannover alle drei Treffer

Carsten Eberts[München]
Servus, der Mario. Bayerns Stürmer Gomez erinnert daran, dass es auch ihn noch gibt in München. Foto: dapd
Servus, der Mario. Bayerns Stürmer Gomez erinnert daran, dass es auch ihn noch gibt in München. Foto: dapdFoto: dapd

Die Liste der Gratulanten für Mario Gomez war lang. „Mario hat hier in München ein Wechselbad der Gefühle erlebt. Und es freut mich wahnsinnig, dass er heute getroffen hat“, sagte Sportdirektor Christian Nerlinger. Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge ergänzte: „Ich habe immer an Mario Gomez geglaubt, weil ich ihn für den komplettesten Stürmer halte, den wir haben.“ Gomez selbst blieb gewohnt bescheiden, genoss eher still, dass er seinem FC Bayern mit drei Toren einen ungefährdeten 3:0-Sieg im Heimspiel gegen ein schwaches Hannover 96 beschert hatte. „Was soll ich sagen?“, fragte der 25-Jährige deshalb zurück: „Ich versuche immer, das Beste aus meiner Situation zu machen. Für mich war das einfach nur sehr schön heute.“

Der Geschmähte, der mit 35 Millionen Euro schon als größter Fehleinkauf der Klubgeschichte galt, hat sich also zurückgemeldet. Die drei Tore waren eine Demonstration, wie wichtig Gomez für den FC Bayern sein kann – vor allem in Zeiten, in denen sich die Mannschaft aufgrund personeller Sorgen fast von allein aufstellt. Gomez spielte verblüffend effizient: Beim 1:0 flog er wie selbstverständlich in eine Altintop-Flanke, später tanzte er den Hannoveraner Schulz aus und überwand Keeper Fromlowitz mit einem satten Schuss. In der Nachspielzeit hielt er seinen Kopf aus wenigen Meter in eine Flanke von Thomas Müller. Für Hannover blieb einzig der Trost, dass sie an diesem Nachmittag nicht untergingen wie im April, als es am Ende 0:7 hieß.

Dass Gomez überhaupt zum Einsatz kam, hatte mit der Personalsituation zu tun. Im Sturm fielen Klose und Olic nach ihren Länderspieleinsätzen verletzt aus. Umso bemerkenswerter war, dass Trainer Louis van Gaal trotz elf verletzter Spieler in der Startformation keinen Platz für Martin Demichelis fand. Der so stolze Argentinier, der vor wenigen Wochen noch mit van Gaal aneinander geraten war, spielt in den Planungen des Trainers wohl keine allzu große Rolle mehr. Anatoli Timoschtschuk agierte neben Holger Badstuber in der Innenverteidigung, Demichelis blieb über 90 Minuten auf der Bank, verließ nach dem Spiel zwar freundlich grinsend, jedoch kommentarlos das Stadion. Sein Abschied dürfte immer näher rücken. Weiteres Konfliktpotential birgt weiterhin auch der Streit mit dem holländischen Verband um die Verletzungen von Mark van Bommel und Arjen Robben. Der war am Freitag noch von der Fifa für seine hervorragende medizinische Abteilung ausgezeichnet worden, was in den Augen der stark dezimierten Bayern eine besondere Provokation darstellte.

Rein sportlich hat Gomez dem FC Bayern mit seinen drei Toren etwas Luft verschafft. Eine große Trendwende erwarten die Bayern-Verantwortlichen nach den ersehnten drei Punkten trotzdem noch nicht. Zu mutlos spielte Hannover an diesem Tag, zu sehr war das Wohl der Mannschaft von wenigen Protagonisten abhängig – neben Gomez überzeugten lediglich Innenverteidiger Timoschtschuk und der eingewechselte Schweinsteiger als merklich stabilisierendes Element in der Schlussphase. „Ich glaube nicht daran, dass der große Wendepunkt kommen wird“, sagte Nerlinger: „Wir müssen jetzt versuchen, den Abstand weiterhin zu minimieren.“ Mario Gomez hielt sich ebenfalls bedeckt, was das Thema Wendepunkt angeht. Er ließ lieber Taten sprechen.

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