FC Hollywood : Bayern München auf dem Weg zum "Irrenhaus"

Beim FC Bayern München herrscht kurz vor Weihnachten Unruhe und Stress. Die Suspendierung von Torhüter-Ikone Oliver Kahn brachte nicht die einizige negative Schlagzeile, und die Verantwortlichen geben ein wenig souveränes Bild ab.

Matthias Bossaller
Ottmar Hitzfeld
Ottmar Hitzfeld steht beim FC Bayern unter Druck. -Foto: ddp

Berlin Beim FC Bayern München herrscht kurz vor Weihnachten Unruhe und Stress. Die Suspendierung von Torhüter-Ikone Oliver Kahn ist nicht die einzige negative Nachricht. Sie ist der vorläufige Höhepunkt einer alarmierenden Entwicklung beim Nobelklub von der Isar.

Kette von Disziplinlosigkeiten

Die nackten Zahlen weisen die Bayern sportlich noch im Soll aus. Der große Titelfavorit ist Tabellenführer der Fußball-Bundesliga, ist im DFB-Pokal weiter und liegt im Uefa-Cup gut im Rennen. Doch von Harmonie und Zufriedenheit kann an der Säbener Straße keine Rede sein. Das vorzeitige Verlassen der Weihnachtsfeier von Kapitän Kahn unter einem fadenscheinigen Grund und die öffentliche Kritik an Mitspielern ist das Ende einer Kette von Disziplinlosigkeiten. "Mir gefiel zuletzt einiges nicht am Erscheinungsbild der Mannschaft, das negative Schlagzeilen brachte, nicht nur bei Kahn", kritisierte Trainer Ottmar Hitzfeld die Seinen im "Kicker".

Das fing an mit dem zwei Mal öffentlich gemachten privaten Ärger von Verteidiger Christian Lell, der eine Frau geschlagen haben soll und geht weiter mit Valerien Ismael, der sich entgegen der Absprache mit Hitzfeld öffentlich über den Trainer beschwerte. Er war mit seiner Situation unzufrieden und wechselt im Winter zu Hannover 96. Nationalspieler Philipp Lahm tut in regelmäßigen Abständen seine Abwanderungsgedanken kund, und der Franzose Willi Sagnol möchte lieber heute als morgen München verlassen. Nationalspieler Bastian Schweinsteiger wiederum gibt sich wenig Mühe, seinen Ärger über die angebliche Nichtwürdigung seiner Leistung intern zu halten.

Brüchiger Zusammenhalt

Der innere Zusammenhalt beim FC Bayern ist brüchig. Entlang der unterschiedlichen Herkunft vieler Spieler bilden sich Gruppen, wie die südamerikanische oder die französische. Der italienische Weltmeister Luca Toni gilt im Team als Diva, der seinen eigenen Masseur hat und bei Auswechslungen beleidigt reagiert.

Das alles wurde Hitzfeld zu viel, der zugibt nicht rechtzeitig eingeschritten zu sein: "Ja, vielleicht war ich zu milde." Erst jetzt sah er sich veranlasst zu handeln, um bei einer auseinanderdriftenden Mannschaft wieder die Kontrolle zu erlangen. "So etwas müssen wir unterbinden, sonst haben wir hier bald ein Irrenhaus", sagte er nach der Bestrafung von Kahn, der für das letzte Spiel vor der Winterpause bei Hertha BSC aus dem Kader flog und 25.000 Euro zahlen muss.

Die Abstrafung seines Kapitäns ist allerdings eine verkrampfte Machtdemonstration Hitzfelds, der seine schwindende Autorität stärken will aber vielmehr seine Schwäche zeigt. Ausgerechnet Kahn, einen seiner loyalsten Mitarbeiter, hat Hitzfeld exemplarisch bloß gestellt. Und der 58-Jährige sagt selbst: "Mir hat das fast wehgetan, dass es ihn getroffen hat."

Früher kritische Äußerungen geschätzt

Früher hat sich der FC Bayern nicht mit solchen Lappalien aufgehalten, da wurden Kahns kritischen Äußerungen sogar geschätzt – dem leistungsfördernden Reizklima wegen. Auch die Extratouren des Ferrari-Fahrers hat der Verein Kahn nicht krumm genommen. Nicht nur Hitzfeld wirkte in dieser Situation wenig souverän. Die Klubverantwortlichen selbst geben dieser Tage ein hektisches und nervöses Bild ab.

Der Vorstands-Vorsitzende Karl-Heinz Rummenigge kritisierte nach dem Uefa-Cup-Spiel gegen die Bolton Wanderers am 8. November deutlich die Auswechslungen Hitzfelds. Seitdem ist die Position von Hitzfeld, der früher den Titel "General" innehatte, geschwächt. Die Zeichen mehren sich, dass Hitzfeld die Bayern nach der Saison verlässt. Noch vor der Jahreswende soll der Coach mit dem Schweizer Fußballverband verhandeln. Dies bestätigte vor kurzem Ernst Lämmli, Delgierter der Schweizer Nationalmannschaft gegenüber der "Bild".

Manager Uli Hoeneß, der als großer Hitzfeld-Befürworter gilt, hat sich ebenso mit klaren öffentlichen Bekenntnissen zum Lörracher zurückgehalten. Der Manager sorgte vielmehr mit seinem Angriff gegen die eigenen Fans für Aufsehen. Auf der Jahreshauptversammlung kanzelte er kritische Töne aus der Anhängerschaft wegen der schlechten Stimmung im Stadion als "polemischen Scheiß" ab. 

 

Verblasster Glanz

Dabei haben die Bayern-Fans derzeit allen Grund, unzufrieden mit ihrer Mannschaft zu sein. Das vor der Saison mit 70 Millionen Euro runderneuerte Team zeigt wenig vom attraktiven Offensivspiel, mit dem die Bayern zu Beginn der Spielzeit die Gegner reihenweise auseinander genommen haben. Die Misere fing mit dem 0:0 am 27. Oktober bei Borussia Dortmund an, und es folgten Null-Nummern gegen Eintracht Frankfurt und Aufsteiger MSV Duisburg zu Hause. Dazwischen lag das 1:3 bei Meister Stuttgart – die bislang einzige Niederlage. Top-Star Franck Ribery verbreitet mit seinen Dribblings immer weniger Glanz und Torjäger Luca Toni traf zuletzt in der Bundesliga am 10. November zum Ehrentreffer beim VfB.

Noch hält der deutsche Rekordmeister sportlich alle Trümpfe in der Hand, kann noch drei Titel holen. Der erwartete Alleingang des Münchner Millionen-Ensembles ist allerdings ausgeblieben, und die Konkurrenz aus Bremen und Hamburg sitzt den Bayern im Nacken. Um sich aus dem sportlichen Zwischentief zu befreien, benötigt es Ruhe im Umfeld, die der sich der FC Bayern aktuell aber selbst nicht gönnt.

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