Sport : FC Liverpool: Rückkehr in die Herrlichkeit

Jörg Wenig

Der FC Barcelona ist besiegt, und die Maul- und Klauenseuche soll es bald sein. Der 19. April war ein guter Tag für die Engländer. Stunden nachdem bekannt geworden war, dass die Seuche angeblich unter Kontrolle sei, gewann der FC Liverpool gegen die Spanier 1:0 (1:0) und zog nach einem 0:0 im Hinspiel ins Uefa-Cup-Finale ein. Für den Traditionsklub bedeutet das Erreichen des Endspiels, in dem am 16. Mai in Dortmund Kaiserslauterns Bezwinger Alaves der Gegner ist, ein großes Comeback.

Knapp 16 Jahre ist es her, dass der FC Liverpool in einem europäischen Finale stand. Es war an jenem fatalen 29. Mai 1985, als im Brüsseler Heyselstadion 39 Menschen starben. Damals hatten die Engländer eine andere Seuche nicht unter Kontrolle: ihre Hooligans. Die Uefa verbannte daraufhin alle englischen Klubs aus den Europacup-Wettbewerben. Liverpool traf es am härtesten. Zehn Jahre durfte jener Verein nicht mehr mitspielen, der zuvor den Landesmeister-Wettbewerb geprägt hatte. 1977, 1978, 1981 und 1984 hatte der Klub von der Anfield Road diesen Pokal gewonnen.

Dass der zweimalige Uefa-Cup-Sieger dann 1985 in Brüssel gegen Juventus Turin verlor, war nebensächlich angesichts des Dramas, dem sich für den FC Liverpool auch ein sportlicher Niedergang anschließen sollte. Manchester United übernahm bald die führende Rolle im englischen Fußball. In den vergangenen neun Jahren wurde United sieben Mal Meister. Doch nun ist ManU aus der Champions League ausgeschieden. Und ausgerechnet der alte Rivale Liverpool, immer noch englischer Rekordmeister, setzte rund 24 Stunden später das englische Glanzlicht im Europapokal.

Aber noch kann man den FC Liverpool 2001 nicht mit den damaligen Erfolgsteams vergleichen, die geprägt waren von Spielern wie Rush, Souness, Dalglish, Keegan oder Toshack. Trotz Stürmern wie Michael Owen oder Emile Heskey spielt Liverpool heute anders als früher. Viel defensiver.

"Wir haben in der zweiten Hälfte nicht mehr viel vom Ball gesehen, aber wir haben Barcelona geschlagen", meinte Liverpools Elfmeter-Torschütze McAllister. Die Abwehr, die gegen Barcelonas Paradesturm 180 Minuten ohne Gegentor blieb, stand mit Rechtsverteidiger Markus Babbel im Mittelpunkt. Und auch Dietmar Hamann verrichtete im Mittelfeld Defensivaufgaben, während der dritte ehemalige Bayern-Spieler, Christian Ziege, auf der Bank blieb. "Dieser Sieg ist gut für die Zukunft", sagte Trainer Houllier, der mit seinem Team bereits den Ligapokal gewonnen hat und auch noch im englischen Cupfinale steht. Dass die Zukunft wieder so erfolgreich wird wie die Vergangenheit, daran wird in Liverpool gearbeitet. Als Verstärkung im Gespräch ist ausgerechnet Barcelonas Kapitän, Pep Guardiola.

Eines ist schon jetzt wie früher: Die Stimmung an der Anfield Road ist unbeschreiblich. Das Stadion war noch voll, als alle Spieler längst in den Katakomben verschwunden waren. Ein Transparent brachte auf den Punkt, was die Fans sich nun erhoffen: "Unparallelled History - Glorious Future"

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