FC Liverpool : Steven Gerrard: Für immer rot

Eine Legende erklärt ihren Abschied. Im Sommer verlässt Steven Gerrard den FC Liverpool. Die Würdigung einer außergewöhnlichen Karriere.

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Roter unter Roten. Steven Gerrard ist selbst ein Fan der Reds
Foto: AFP

Steven Gerrard wird auch nach dieser Saison weiter professionell Fußball spielen; wo er dies tun wird, ist noch ein Geheimnis. Eins aber hat Gerrard bereits kategorisch ausgeschlossen: dass er irgendwann einmal gegen den FC Liverpool antreten wird. Das unterscheidet ihn von Frank Lampard, einem anderen großen englischen Fußballer seiner Generation. Lampard stand dreizehn Jahre lang beim FC Chelsea unter Vertrag, er wurde mit diesem Verein genauso identifiziert wie Gerrard mit Liverpool – es hat ihn nicht davon abgehalten, sich Manchester City anzuschließen und damit zum ärgsten Rivalen seines früheren Klubs im Kampf um die Meisterschaft zu wechseln.

Gerrard würde so etwas nie passieren. Schon als Kind war er Fan des FC Liverpool, und das Schicksal hat ihn früh – auf denkbar grausame Weise – mit diesem Klub verbunden. Sein Cousin, fanatischer Anhänger des Klubs wie er selbst, kam 1989 bei der Stadionkatastrophe von Hillsborough ums Leben. Gerrard war acht Jahre alt, als er sich dem FC Liverpool angeschlossen hat; wenn er Ende Mai sein letztes Spiel für die Reds bestreiten wird, steht er kurz vor seinem 35. Geburtstag. Ein Leben als Roter. Man könnte auch sagen: Gerrard war und ist der FC Liverpool, und er wird es selbst dann noch sein, wenn er für einen anderen Klub spielen wird, höchstwahrscheinlich in den USA.

So viel Vereinstreue ist im modernen Fußball selten. Der stete Wechsel gilt längst als Ausweis ökonomischer Vernunft. Gerrard aber hat dieser kalten Logik des Marktwertes immer ein Stück Romantik entgegengesetzt. Dass er seine Karriere nicht in Liverpool beendet, wird man trotzdem nicht gegen ihn verwenden können. Gerrard geht, weil er glaubt, als Fußballer nicht mehr gut genug zu sein für seinen Klub. Die Entscheidung hat er nicht aus eigenem Interesse getroffen. Er hat sie allein im Sinne des Vereins getroffen.

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