Sport : FC Schalke 04: Ecke, Elfmeter, Einwurf

Felix Meininghaus

Das Elend begann schon vor Wochen, als Rudi Assauer aus dem Urlaub nach Hause kam und die Tür zu seinem Büro in der neuen Arena Auf Schalke aufschließen wollte. In der Zwischenzeit waren die Schlösser ausgewechselt worden, und Schalkes Manager musste den Baustellenleiter herbeiwinken, um sich neue Schlüssel zu besorgen. Irgendwie läuft es nicht so richtig für die Blau-Weißen in der noch jungen Saison. Drei Spiele und nur zwei Punkte, das ist definitiv zu wenig für einen Verein, der sich auf dem Weg in eine goldene Zukunft wähnt. Dabei sind die Rahmenbedingungen erstklassig: Mit dem Pokalsieg haben die ruhmreichen Schalker nach langen Jahren endlich mal wieder einen Titel geholt, als Vizemeister sind sie startberechtigt für die Geldmaschine Champions League und die Schalker haben zudem ein fantastisches neues Stadion. Die Bilanz ist auch in Ordnung. Der Vizemeister steigerte seinen Umsatz in der vergangenen Saison um 46 Millionen auf die neue Rekordmarke von 117,15 Millionen Mark. Unter dem Strich blieb ein Jahresüberschuss von 7,32 Millionen Mark. Erfolg, Geld und Tradition - was will man mehr. Oder wie es ein Bierbrauer und Hauptsponsor des Vereins in schönen Worten formuliert: "Wenn Schalke eine Religion ist, dann haben wir das Weihwasser."

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Aber was nutzt all die Euphorie um die schöne Arena, wenn die Gladiatoren schlapp sind? So unglücklich das 3:3 (2:0) nach Toren von Tomasz Hajto, Jörg Böhme (per Elfmeter), Emile Mpenza für die Gastgeber sowie Michael Ballack, Ulf Kirsten und Bernd Schneider für die Leverkusener am Ende auch war, es offenbarte alle Schwachpunkte, unter denen die Mannschaft derzeit leidet: Ecke, Elfmeter, Einwurf - alle Tore fielen nach Standardsituationen, aus dem Spiel heraus tut sich Schalke schwer. Auch, weil mit Ebbe Sand der Torgarant der vergangenen Spielzeit ausfällt. Gegen Leverkusen musste der Däne verletzt zuschauen, aber auch sonst macht er nicht den besten Eindruck. Rund um den Schalker Markt wird kein Geheimnis daraus gemacht, dass der Goalgetter noch immer an den Folgen des dramatischen Saisonfinales leidet, als die Bayern den Schalkern die Schale in letzter Sekunde aus den Händen rissen.

Und hinten, da ist die vormals beste Abwehr der Liga mächtig ins Schwimmen geraten. Gegen Leverkusen gab es für Torwart Oliver Reck nach der Auftaktpleite in München bereits den zweiten Dreierpack im dritten Spiel. Dabei offenbarte die Viererkette so eklatante Schwächen, dass Trainer Huub Stevens wohl die Haare zu Berge gestanden hätten, würde er sie nicht stets mit viel Pomade nach hinten drapieren.

Die Spieler selbst spüren genau, dass ihnen vieles misslingt, was in der vergangenen Spielzeit wie von selbst klappte. Entsprechend empfindlich reagieren sie. Gegen Leverkusen war die Atmosphäre auf dem Rasen derart geladen, dass es mehrere Male fast zu einer Massenkeilerei gekommen wäre. Bayers Nationalspieler Carsten Ramelow betonte zwar, es sei "üblich, dass bei Spitzenspielen Feuer drin ist", aber Mannschaften, die einen Lauf haben, reagieren gelassener.

Natürlich hat Leverkusens Trainer Klaus Toppmöller Recht, wenn er sagt, es sei "viel zu früh, nach drei Spielen von einer Krise bei Schalke zu reden". Doch ob er mit seiner zweiten Aussage, "Huub Stevens und seine Jungs werden schon dahin kommen, wo sie hin wollen", richtig liegt, werden die nächsten Wochen zeigen. Schon das morgige Nachholspiel gegen Hansa Rostock hat richtungweisenden Charakter. Dann wird sich zeigen, ob das prachtvolle Stadion wirklich den Rückenwind schafft, den sich alle erhoffen. Gegen Leverkusen legten die Schalker, angepeitscht von 60 000 euphorisierten Fans, dermaßen fulminant los, dass ihnen in der zweiten Hälfte die Luft ausging.

Und so kann der erhoffte Arena-Effekt schnell zum Bumerang werden. Dabei hatte Manager Assauer vor der Saison vorgerechnet, was man von der neuen Heimat erwartet: "Sieben bis zehn Punkte mehr, sonst haben wir etwas falsch gemacht." Dieses Polster könnten die Schalker schon jetzt gut gebrauchen: Von den Bayern trennen sie bereits fünf Punkte, von Spitzenreiter und Lieblingsfeind Dortmund satte zehn.

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