FC Schalke 04 gegen Borussia Dortmund : Ein Revierderby voller Improvisation

Emotionen beiseite: Welche taktischen Dinge das Revierderby zwischen dem FC Schalke 04 und Borussia Dortmund entscheiden.

Constantin Eckner
Mienenspiel. Von Dortmunds Jürgen Klopp (r.) und Schalkes Jens Keller waren in dieser Saison oft lange Gesichter zu sehen. An diesem Samstag könnte einer von beiden gut lachen haben.
Mienenspiel. Von Dortmunds Jürgen Klopp (r.) und Schalkes Jens Keller waren in dieser Saison oft lange Gesichter zu sehen. An...Foto: picture alliance / dpa

Sie haben in diesen Tagen eine Gemeinsamkeit, auf die sie gerne verzichtet hätten. Sowohl der FC Schalke 04 als auch Borussia Dortmund haben einen eher enttäuschenden Saisonstart hingelegt, darüber können auch ihre Achtungserfolge in der Champions League nicht hinwegtäuschen. Die Schalker stehen in der Liga auf Platz 13, der BVB holte aus den ersten fünf Bundesligaspielen nur sieben Punkte, und so ist das Revierderby an diesem Samstag (ab 15.30 Uhr im Live-Ticker) allenfalls ein emotionales Spitzenspiel.

Aber auch taktisch bietet dieses Duell besondere Herausforderungen. Die Rivalen kämpfen schließlich mit zahlreichen Ausfällen, und welcher Trainer am Ende mit seiner Mannschaft gewinnt, Schalkes Jens Keller oder Dortmunds Jürgen Klopp, darf sich auf jeden Fall als ausgezeichneter Improvisierer fühlen. Vor allem in der Abwehr herrscht bei den Schalkern weiterhin Personalnot, wodurch erneut Roman Neustädter in der Innenverteidigung auflaufen könnte. Der 26-Jährige ist eigentlich der Spielmacher im zentralen Mittelfeld. Doch hier muss sich Keller etwas einfallen lassen. In Marco Höger hat er noch einen vertikalen, weiträumig agierenden Sechser zur Verfügung. Kevin-Prince Boateng fungiert aktuell als Verbindungsspieler davor.

Der FC Schalke 04 vertraut weiter der 4-2-3-1-Formation

Schalkes Trainer vertraut weiterhin strikt einer 4-2-3-1-Formation. Es sind vielmehr die kleinen Stellschrauben, an denen Keller dreht. Gegen den Ball variieren die Gelsenkirchener zwischen einem passiven Pressing und einer tiefen, aggressiveren, mannorientierten Verteidigung. Diese Facette bleibt aber wie das defensive Umschalten inkonstant. Ein Paradebeispiel negativer Art war die 1:4-Niederlage bei Borussia Mönchengladbach, als die Schalker den schnellen Kontern des Gegners nichts entgegenzusetzen hatten und immer große Lücken klafften.

Das darf man sich gegen eine der besten Gegenpressing- und Umschaltmannschaften wie Dortmund nicht erlauben. Trotz des missglückten Saisonstarts bleibt der BVB eine Bedrohung und kann gegen jeden Gegner gefährliche Ballgewinne erzielen. Jedoch fehlt aktuell die spielgestaltende Kraft im Mittelfeld. Sahin, Kirch, Mkhitaryan und Reus fallen aus. Mit der Rückkehr des eigentlichen Chefstrategen Ilkay Gündogan wird nach einer langwierigen Rückenverletzung in den kommenden Tagen gerechnet.

Bei Borussia Dortmund fällt Sebastian Kehl aus

Trotzdem bleiben für das Revierderby nur Notlösungen, weil auch Sebastian Kehl für die Doppelsechs ausfällt. So kann Jürgen Klopp nur erneut mit Sven Bender als defensivem Wellenbrecher und Milos Jojic als offensivem Sechser planen. Jojic ist stets bemüht, aber abgesehen von intelligenten Vertikalläufen mangelt es ihm an der technischen Feinheit für verengte Situationen, wenn der Gegner die Räume schließt. Dafür ist Rückkehrer Shinji Kagawa geradezu prädestiniert. Doch der Japaner sucht noch seine Rolle. In den bisherigen Partien spielte er ungewöhnlich weit vorn und war nicht so präsent im Mittelfeld.

Jürgen Klopp scheint sich derweil selbst weiterzuentwickeln. In dieser Saison probierte er einige Systeme aus. Er startete mit einer Mittelfeldraute gegen Leverkusen, ging über zu einem 4-1-4-1 gegen Augsburg und ist mittlerweile wieder beim 4-2-3-1 angekommen. Dafür legt er auf Anpassungen während der Spiele mehr Wert, was in den letzten Jahren weniger zu beobachten war. Es wird ihm vor allem darum gehen, dass die defensiven Aussetzer abgestellt werden. Verlorene Zweikämpfe, schlechtes Stellungsspiel oder mangelnde Absprachen kosteten Punkte. Das ist weniger eine System- als vielmehr eine Konzentrationsfrage.

So könnte das Derby taktisch laufen: Dortmund geht nach Ballverlusten ins intensive Gegenpressing über, Schalke versucht, einen offenen Schlagabtausch durch einen langsameren Rhythmus und eine klare Ordnung zu verhindern.

Der Autor schreibt für das Taktikportal Spielverlagerung.de.

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