FC Schalke 04 : Hart, aber gerecht

Beim FC Schalke hat Felix Magath ein Klima des Vertrauens unter den einst schwer zu führenden Spielern geschaffen.

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Felix Magath hat Schalke neues Selbstbewusstsein verliehen. -Foto: dpa

Der Mann hat im Moment alle Hände voll zu tun. Rund 300 Fans sind derzeit durchschnittlich bei den Trainingseinheiten des FC Schalke 04. Und Felix Magath scheint allen ein Autogramm geben zu müssen – Tag für Tag. Die Anhänger wissen, wem sie die Auferstehung des Klubs zu verdanken haben. Auch die Spieler werden beklatscht, wenn sie den Rasen des Trainingsplatzes verlassen. Aber Verehrung wird allein dem trainierenden Manager entgegengebracht. Felix Magath ist das Gesicht des Schalker Höhenflugs. Er ist der Mann, der in den leidgeprüften Anhängern neue Träume und Hoffnungen geweckt hat. Vor dem heutigen Spiel gegen den FC Bayern hat sich rund um Gelsenkirchen Euphorie ausgebreitet. 52 Jahre ohne Deutsche Meisterschaft mussten die Schalker hinnehmen. Einige Anhänger hatten sich schon fast an den Gedanken gewöhnt, dass der Gewinn des Titels eine lebenslange Illusion bleiben würde. Doch es ist etwas passiert mit diesem Klub in den vergangenen zehn Monaten, seitdem Magath da ist.

Oberflächlich betrachtet hat der Trainer seine Spieler mit Medizinbällen und Konditionsarbeit wieder einmal so sehr gestählt, dass sie so gut wie jeden Gegner in Grund und Boden laufen. Natürlich hat er auch einige Profis wie Levan Kobiaschwili oder Halil Altintop auf das Abstellgleis beordert, nicht zuletzt um seine Durchsetzungskraft zu unterstreichen. Das gehört zu Magaths Grundlagenarbeit, die sich nicht von dem Vorgehen in seiner Zeit beim FC Bayern, beim VfL Wolfsburg oder bei vorherigen Vereinen unterscheidet. Doch in Gelsenkirchen macht er sich eine grundlegende Selbsterkenntnis zunutze. „Ich habe gemerkt, dass ich mit meinen Vorstellungen nicht überall ankomme. Deshalb habe ich mich im Laufe der Zeit verändert“, sagt Magath.

Seine Erfahrung spielt er nun in Gelsenkirchen aus, weil ihm die breite Qualität im Kader fehlt. Magath hat den Mut, jungen, unerfahrenen Spielern wie Lukas Schmitz, Joel Matip und Christoph Moritz gleichzeitig eine Chance zu geben. Er kritisiert auch die Leistungsträger nach verbesserungswürdigen Leistungen und schafft damit ein Vertrauensverhältnis zur gesamten Mannschaft. „Herr Magath behandelt uns alle gleich“, sagt der 21 Jahre alte Lukas Schmitz. Vor allem aber ist der 56-Jährige mittlerweile in der Lage, Spieler für ihre Arbeit zu loben und mit ihnen Gespräche zu führen. „Unser Spiel ist auf Kevin ausgerichtet. Wir sind froh, dass er gut damit zurechtkommt. Das hat dazu beigetragen, dass wir uns mit den Bayern messen können“, sagt Felix Magath.

„Der Trainer ist hart, aber gerecht“, urteilt Kevin Kuranyi über seinen Chef. Mit all diesen Maßnahmen hat Magath einen grundsoliden Teamgeist erschaffen, der über manches spielerische Defizit hinweghilft. Die Spieler danken es ihm. Die erfahrenen Profis wie Marcelo Bordon und Kuranyi spielen so gut wie fast noch nie in ihrem Leben. Die jungen Spieler wachsen regelmäßig über sich hinaus. Und selbst Ivan Rakitic, der einige Jahre lang außer dem Ruf, ein großes Talent zu sein, wenig zu bieten hatte, hat sich von Magath enorm motivieren lassen. Zudem nutzt Magath seine Machtfülle im Klub, um die gesamte Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich alle Verantwortlichen unterschiedlich zu einem Thema äußern. Magath ist die Stimme des Klubs. Bei den Fans am Trainingsgelände musste er zuletzt auf einer Meisterschale aus Pappe unterzeichnen.

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