FC Schalke 04 : Kevin-Prince Boateng: Vom Leitwolf zum Mitläufer

Kevin-Prince Boateng droht bei Schalke das Aus. Sollte der Klub im Sommer Sami Khedira verpflichten, muss der 28-Jährige wohl gehen. Auch heute gegen Leverkusen droht Boateng nur ein Platz auf der Bank.

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Keines Blickes. Schalke-Trainer Roberto Di Matteo und Kevin-Prince Boateng (re.).
Keines Blickes. Schalke-Trainer Roberto Di Matteo und Kevin-Prince Boateng (re.).Foto: Imago

Man würde schon gerne wissen, was er davon hält. Aber Kevin-Prince Boateng will sich seit längerer Zeit nicht mehr öffentlich äußern. Nicht zu seiner Reservistenrolle, nicht zu den Diskussionen um die mögliche Verpflichtung von Sami Khedira von Real Madrid, der künftig womöglich seine Rolle einnehmen soll. Und auch nicht zu seiner beruflichen Zukunft, von der nur noch die Wenigsten glauben, dass sie trotz eines Vertrags bis zum Sommer 2016 beim FC Schalke 04 über das aktuelle Saisonende hinaus andauern wird.

Momentan hat sich die Geschichte des Kevin-Prince Boateng bei Schalke zu einer entwickelt, die vor allem von verletztem Stolz und unerfüllten Erwartungen handelt. Dabei hatte es gut begonnen. Der gebürtige Berliner hatte die Schalker in der Saison 2013/14 mit vielen guten Leistungen noch in die Champions League geführt. Er war der Spieler, der häufig den Unterschied ausmachte, torgefährlich (sechs Treffer) und mannschaftsdienlich (drei Vorlagen) war. Er füllte seine Führungsrolle, die ihm vom Klub mit fürstlichen acht Millionen Euro pro Saison honoriert werden soll, in einigen seiner 27 Ligapartien aus. Doch diese Zeiten sind lange vorbei.

Rund zehn Millionen Euro hat Schalke für Boateng bezahlt

Der als Leitwolf auserkorene Boateng ist zum Mitläufer geworden. Auch beim heutigen Spitzenspiel gegen Bayer Leverkusen (18.30 Uhr, live bei Sky) ist ein Platz in der Startformation unwahrscheinlich. In seinen bislang 14 Ligaeinsätzen brachte er es gerade einmal auf zwei Torvorlagen. Bereits in der Vorsaison gab es schier unendliche Diskussionen über seine mangelnde Fitness und sein lädiertes linkes Knie, das einer Sonderbehandlung bedurfte und ihn einige Monate lang einmal wöchentlich zu einem Physiotherapeuten nach München führte. In der Hinrunde der laufenden Saison hatte Boateng zudem unter einer langwierigen Entzündung im Sprunggelenk gelitten, die ihn wochenlang außer Gefecht setzte. Der Klub hoffte darauf, dass Boateng in der Rückrundenvorbereitung seine Physis auf Vordermann bringen und dann seine großen fußballerischen Möglichkeiten ausschöpfen würde. Doch nicht zuletzt sein schwacher Auftritt im jüngsten Revierderby bei Borussia Dortmund (0:3) hat bei den Verantwortlichen große Zweifel an Boatengs Leistungsfähigkeit aufkommen lassen.

„Er hat die Vorbereitung voll mitmachen können“, sagt Trainer Roberto Di Matteo stets, wenn er auf die Physis Boatengs angesprochen wird. In der Öffentlichkeit lassen sich weder Manager Horst Heldt noch Di Matteo auf Spekulationen über die Zukunft des Mittelfeldspielers ein und verweisen auf dessen Vertrag. Wohl auch, um mögliche Kaufinteressenten nicht zu verschrecken und noch eine Ablösesumme kassieren zu können. Rund zehn Millionen Euro hatten die Schalker 2013 an den AC Mailand überwiesen.

Intern dürfte die Kritik an Boateng ungleich größer sein. Das sich ausweitende Bemühen des Klubs um den ablösefreien Sami Khedira, der ähnlich hohe Gehaltsforderungen wie Boateng stellen dürfte, deutet darauf hin, dass die Schalker im Mittelfeld anderweitig planen. Zwei Spieler in dieser finanziellen Größenordnung dürfte sich der Klub kaum leisten können. „Khedira ist ein Weltklassespieler. Wenn er zu uns möchte, machen wir die Tür auf“, sagt Di Matteo. Für Kevin-Prince Boateng dürfte die Tür dagegen eher ins Schloss fallen.

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