FC Schalke 04 : Roberto Di Matteo und der kreative Mangel

Weil Roberto Di Matteo beim FC Schalke 04 die Spieler für einen attraktiveren Stil fehlen, etabliert der Schweizer seine Vorstellungen vom Toreverhindern.

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Hier stellt der Chef die Hütchen auf. Schalkes Trainer Roberto Di Matteo.
Hier stellt der Chef die Hütchen auf. Schalkes Trainer Roberto Di Matteo.Foto: dpa

Diese Ankündigung sollte eigentlich Mut machen. „Unser Ziel muss es sein, auf Sieg zu spielen“, sagt Trainer Roberto Di Matteo von dem Champions-League-Gruppenspiel seiner Mannschaft bei Sporting Lissabon. Der FC Schalke 04 könnte mit einem Erfolg einen großen Schritt Richtung Achtelfinale machen. Nach den jüngsten Auftritten der Schalker stellt sich allerdings die Frage, wie der Italiener diese Begegnung angehen will. Wird er seine Mannschaft gegen Sporting ähnlich defensiv, geradezu destruktiv, agieren lassen, wie er es in der Bundesliga getan hat? Oder wagt Di Matteo ausgerechnet gegen Sporting erstmals mehr Risiko? Die Eindrücke seiner ersten Partien als verantwortlicher Trainer bei Schalke nährten jedenfalls die Befürchtungen vieler Anhänger, dass Di Matteos Vorstellungen von Fußball in erster Linie vom Toreverhindern handeln.

Diesen Ruf hat sich der Trainer bei seinem Triumph in der Champions League mit dem FC Chelsea redlich erarbeitet, als er sowohl den FC Barcelona im Halbfinale als auch den FC Bayern München im Endspiel mit seiner Ablehnungshaltung gegenüber einem ansehnlichen und attraktiven Fußball jeweils zur Verzweiflung brachte. Und gerade jetzt, da Julian Draxler als eine wichtige Offensivkraft mindestens bis zum neuen Jahr ausfallen wird, dürfte Di Matteo kaum umdenken. Draxler hat sich am Wochenende gegen Augsburg einen Sehnenanriss im rechten Oberschenkel zugezogen und muss operiert werden. Und auch wenn er in dieser Spielzeit von seiner Bestform ein großes Stück entfernt war, konnte er zumindest hin und wieder Akzente setzen.

Allein auf Klaas-Jan Huntelaar ist Verlass

Diejenigen, die diese Lücke nun ausfüllen müssen, scheinen dazu kaum mehr in der Lage zu sein. Chinedu Obasi scheint nach seiner langen Verletztenakte in Gelsenkirchen nicht mehr der zu werden, der er einst in Hoffenheim war. Und auch Neuzugang Sidney Sam hat noch nicht einmal andeuten können, dass die Mannschaft von seiner Schnelligkeit und seinen Dribbelkünsten profitieren kann. Bisher waren seine Auftritte allesamt enttäuschend.

Zuletzt verpasste er zudem drei von vier Spielen aufgrund muskulärer Probleme. Dass auch noch Kevin-Prince Boateng angeschlagen (Sprunggelenk) ist und nicht feststeht, ob er nach zweiwöchiger Pause gegen Sporting wieder mitwirken kann, macht die Aufgabe der Schalker nicht einfacher. Und auch der zentrale Mittelfeldspieler Max Meyer ist derzeit weit von seiner Bestform entfernt und kann seine Kreativität nicht einbringen.

Allein auf Klaas-Jan Huntelaar ist Verlass. Der Stürmer hat in dieser Saison in jedem Spiel der Champions League getroffen. Umso verständlicher, dass Manager Horst Heldt daran arbeitet, den am Saisonende auslaufenden Vertrag zu verlängern. Rund 14 Millionen Euro soll der 31-Jährige angeblich für zwei weitere Jahre erhalten. Di Matteo versucht derweil, sämtliche Probleme pragmatisch zu lösen. „Ich bin mit der Mannschaft sehr zufrieden. Sie hat den großen Ehrgeiz sich zu verbessern. Das ist der einzige Weg für uns“, sagt er. Das allerdings klingt vor allem nach harter Arbeit – und auch künftig nach herzlich wenig Vergnügen.

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