Sport : FC Schalke 04 - VfL Bochum: Dabei hatte er schon aufgehört mit Fußball

Das Comeback des Youri Mulder und der Jubel über dessen erstes Bundesliga-Tor seit eineinhalb Jahren stellte selbst den Wirbel um den zwölften Saisontreffer von Ebbe Sand in den Schatten. Abgesehen von einem Häufchen VfL-Fans gab es niemanden unter den rund 40 000 Besuchern im Parkstadion, der dem Holländer des FC Schalke 04 nicht seinen großen persönlichen Sieg gönnte. Beim 2:1-Sieg über Schlusslicht VfL Bochum beendete der 31 Jahre alte Stürmer mit dem Treffer zur 1:0-Führung eine lange Leidenszeit: "Dabei hatte ich schon aufgehört mit dem Fußball."

Anfang April 1997 warf Mulder ein Kreuzbandriss aus der Bahn, den er in Karlsruhe erlitten hatte und der ihn um den größten Triumph der Klubgeschichte brachte, den Uefa-Cup-Sieg in Mailand. Es folgte eine schier unendliche Krankengeschichte: fünf Operationen, eine Odyssee durch in- und ausländische Arztpraxen, Rehabilitationen, Rückschläge und erfolglose Comeback-Versuche. Unliebsame Folgeerkrankungen (Knorpelschaden/Endzündungen) am lädierten Kniegelenk machten die Hoffnung auf eine Fortsetzung der großen Karriere immer wieder zunichte.

Aber Mulder gab nicht auf. Die positive Wende brachten der letzte Eingriff und die Umstellung des Reha-Trainings durch einen Münchner Experten im Frühjahr. Mulder schöpfte neuen Mut. Im Sommer sagte er, dass er wieder an die Bundesliga-Tauglichkeit glaube. Über acht Kurzeinsätze führte Huub Stevens seinen Landsmann in dieser Spielzeit behutsam an die Mannschaft heran, bis er ihm am Freitagabend zum ersten Mal seit dem 16. Mai 1999 das Vertrauen von Beginn an schenkte. "Dafür danke ich dem Coach", sagte Mulder, der sein bis dato letztes Tor mit dem 2:1-Siegtreffer in Duisburg am 8. Mai 1999 erzielt hatte.

Kaum trifft er wieder, kehrt auch sein Humor zurück. Warum sein Jubel in der 37. Minute so verhalten ausgefallen sei, wollte man wissen. "Ich wusste schon bei der Ballannahme, dass der Schuss reingeht", entgegnete er. Manager, Mitspieler und Trainer freuten sich mit und für Mulder. "Youri denkt auch in schweren Zeiten immer positiv", lobte Andreas Möller, und Torhüter Oliver Reck ergänzte: "Endlich mal wieder 90 Minuten zu spielen und ein Tor zu schießen, tut ihm gut und baut ihn weiter auf." Aufbauarbeit leistete auch Stevens, dessen Team nun zu den Titelanwärtern gezählt werden muss. Er machte nach dem Arbeitssieg aber vor allem dem Gegner Mut, der sich nach der Pause mächtig gegen die Niederlage stemmte und durch Marijo Maric verdient zum Ausgleich kam, ehe Sand doch noch den glücklichen Siegtreffer erzielte. "Wenn die Bochumer weiter so kämpfen und spielen, kommen sie bald da unten weg", sagte Stevens.

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