FC Schalke 04 : Wärmepackung im Frost

Schalke 04 begeistert sich über den 3:2-Erfolg bei Hannover 96 und fühlt sich für das Champions-League-Spiel in Valencia gut gerüstet.

Jörg Strohschein[Gelsenkirchen]

Wie wohl dieser Erfolg der zuletzt arg ramponierten Schalker Seele tat, dafür gab Marcelo Bordon ein gutes Beispiel. Nach dem Abpfiff rannte der Kapitän in die Fankurve, schmiss sein Trikot über den Zaun und feierte bei frostigen Temperaturen mit nacktem Oberkörper. Erst ein Betreuer konnte den sonst eher kälteempfindlichen Brasilianer dazu überreden, sich eine wärmende Jacke überzustreifen. Das verdiente 3:2 (0:1) bei Hannover 96 ließ bei den Schalker Profis die Emotionen überschwappen. Der erste Sieg nach fünf erfolglosen Bundesligaspielen hintereinander hatte eine eigene Qualität. „Die Tore und der Sieg haben mir und der Mannschaft gut getan“, sagte Kuranyi.

Der Schalker Nationalspieler hatte maßgeblichen Anteil an diesem Erfolgserlebnis. Erstmals nach einer dreiwöchigen Verletzungspause im Einsatz, erzielte der 25-Jährige zwei Treffer und bereitete den dritten durch Halil Altintop mit einem präzisen Zuspiel vor. Zwar waren die Hannoveraner zunächst durch Szabolcs Huszti in Führung gegangen, der später auch noch den zwischenzeitlichen Ausgleich erzielte. Doch an diesem Nachmittag verkörperten die Schalker den größeren Siegeswillen. Die wohl wichtigste Erkenntnis für die Westfalen war, dass Gegentore nicht zwingend dazu führen müssen, dass die Mannschaft Mut und Antrieb verliert. Die erneute taktische Veränderung durch Trainer Mirko Slomka auf ein 4-2-2-2-System tat dem Schalker Spiel zusätzlich gut. Zum einen, weil es die spielerischen Stärken der Mittelfeldspieler wie Mesut Özil und Ivan Rakitic zur Geltung bringt. Zum anderen, weil die Schalker im Angriff mehr Präsenz zeigen können und Kevin Kuranyi nicht mehr auf sich allein gestellt ist.

Nur Josef Schnusenberg wollte sich in Hannover von dem neuen Glücksgefühl nicht anstecken lassen. „Das war erst ein Sechstel“, sagte der Schalker Präsident in Anspielung auf die Forderung von Mirko Slomka vor dem Spiel in Hannover, die kommenden vier Partien gewinnen zu wollen. Schnusenberg hatte sich nicht verrechnet, sondern er erweiterte einfach das Anforderungsprofil, alle Spiele in diesem Jahr erfolgreich zu absolvieren: neben den drei Begegnungen in der Bundesliga auch die beiden Spiele in der Champions League. Besonderen Wert legte Schnusenberg dabei auf den Mittwoch in Valencia.

Der 66-Jährige ist auch für die Finanzen des Klubs zuständig und rechnete vor, dass ein Achtelfinale in der Champions League zwölf Millionen Euro in die Kassen spülen würde. „Falls wir als einzige deutsche Mannschaft weiterkommen, ist es sogar noch mehr“, sagt Schnusenberg. So dürfte der Ausgang der Partie in Spanien nicht ausschließlich über den künftigen Inhalt der Vereinskassen mitentscheiden. Sondern auch die Zukunft des zuletzt kritisierten Trainers. Der weiß das wohl auch, Mirko Slomka sagt: „Wir fahren jetzt mit einem guten Gefühl nach Valencia, aber wir müssen dort was holen."

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