Fecht-WM : Aus Blech wird langsam Silber

Auch mit etwas Abstand können sich die Florettmänner noch nicht so recht über ihren zweiten Platz zwei bei der WM freuen. Die Frauen holen überraschend Bronze.

Anke Myrrhe
Fecht-WM 2009 Herren Mannschaft -Deutschland - Italien
Vergeblich gerungen. Für die deutschen Florettfechter um Benjamin Kleibrink (links) reichte es wieder nur für Silber.Foto: dpa

Berlin - Auch am Tag danach wollte sich Benjamin Kleibrink einfach nicht freuen. Als seine Kollegen sich längst beruhigt hatten und sich am letzten Tag ihrer Türkei-Reise einen ausgedehnten Strandbesuch gönnten, haderte der Olympiasieger von 2008 noch immer mit dem Verlust des Weltmeisterschafts-Finals gegen Italien. „An meiner Enttäuschung hat sich seit gestern nichts geändert“, sagte Benjamin Kleibrink, der unmittelbar nach der Niederlage gegen Italien seinem Ärger uneingeschränkt Luft gemacht hatte. „Wer sich darüber noch freut, der hat nicht den Willen zu gewinnen“, hatte Kleibrink wütend verkündet.

Die Enttäuschung war durchaus verständlich: 41:45 hatten die deutschen Florett-Fechter Peter Joppich, Dominik Behr, Sebastian Bachmann und Benjamin Kleibrink das Finale in Antalya verloren, nachdem es zwischenzeitlich 41:41 gestanden hatte. Zum Wutausbruch von Kleibrink trug aber vor allem bei, dass es die vierte Niederlage in einem WM-Finale für die Mannschaft in Folge war. Wie im vergangenen Jahr profitierten davon die Italiener. „Natürlich war das im ersten Moment eine große Enttäuschung“, sagte Ulrich Schreck, Trainer der Florett-Männer. „Aber die Italiener sind stark und da muss sich niemand schämen.“ Im finalen Gefecht habe seiner Mannschaft erneut ein wenig Glück gefehlt, sagte der Trainer, der sich aber unmittelbar nach der Niederlage ebenfalls nur schwer ein paar positive Worte hatte abringen können. Und auch mit einer Nacht Abstand gestand Schreck ein, dass der Mannschaftstitel sein großer Traum gewesen war. „Im nächsten Jahr werden wir wieder die Chance bekommen“, sagte Schreck im Hinblick auf die WM 2010 in Paris. Und auch Peter Joppich konnte bereits am Mittwoch ein positives Fazit ziehen. „Mir geht es viel besser als gestern“, sagte der dreimalige Einzel-Weltmeister. „Zuerst hat es sich noch so angefühlt, als hätten wir Gold verloren. Heute fühle ich, dass wir Silber gewonnen haben.“ Nicht ins Finale schafften es am Mittwoch die verbliebenen deutschen Teams: Im Halbfinale scheiterten die deutschen Degenmänner ebenso wie die Florettfrauen. Carolin Golubytskyi, Anja Schache, Katja Wächter und Maria Bartkowski sicherten sich gegen Rumänien mit 42:30 Treffern immerhin Bronze, während Sven Schmid, Jörg Fiedler, Martin Schmitt und Christoph Kneip 22:23 gegen Polen unterlagen.

Peter Joppich freute sich mit etwas Abstand dann doch, nach Bronze im Einzel, über seine zweite Medaille in Antalya. Und selbst Benjamin Kleibrink, der auch im Einzel enttäuschend bereits im Achtelfinale gescheitert war, wollte nicht von einer völlig verkorksten WM sprechen. „Im Endeffekt habe ich eine Medaille geholt“, sagte er. „Ich bin mir sicher, dass ich mich in ein paar Wochen auch darüber freuen werden.“ Nur einen Tag danach, wollte ihm das einfach nicht gelingen.

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