Fecht-WM : Der erste Schritt

Die deutschen Fechter glänzen bei der WM in den Einzel-Wettbewerben – die Teams müssen nun nachziehen.

St. PetersburgNach vier Medaillen in vier Tagen konnte auch die ärgerliche Pleite der Degen-Herren am Mittwoch die positive Zwischenbilanz der deutschen Fechter bei der Weltmeisterschaft in St. Petersburg nicht trüben. Die Degen-Herren sind unerwartet früh gescheitert. Der Tauberbischofsheimer Jörg Fiedler verlor in Runde eins gegen den Franzosen Ulrich Robeiri trotz einer 14:11-Führung noch mit 14:15. Teamkollege Sven Schmid unterlag dem Ukrainer Dmytro Schumak 2:3 in der Verlängerung des „Sudden Death“. Für Norman Ackermann war in der Runde der letzten 32 nach einem 9:15 gegen den Italiener Diego Confalonieri Endstation (das Finale im Herren-Degen war bei Redaktionsschluss noch nicht beendet).

Doch zuvor hatte Säbel-Spezialist Nicolas Limbach als erst dritter deutscher Säbelfechter überhaupt mit Bronze eine WM-Einzelmedaille geholt. Bereits nach fünf von zwölf Mannschaftsentscheidungen verzeichnet der Deutsche Fechter-Bund (DFeB) seine erfolgreichste WM seit acht Jahren. Zwei Einzel-Titel durch Britta Heidemann (Degen) und Peter Joppich (Florett) gab es seit 1990 nicht mehr; die deutsche Equipe führt den Medaillenspiegel an. „Das ist der Beweis, dass wir weder das Fechten, noch das Siegen verlernt haben. Jetzt müssen wir den Schwung in die Mannschaftsentscheidungen mitnehmen“, sagte DFeB-Sportdirektor Claus Janka.

Warum die deutschen Fechter bei einer WM und nicht nur bei Weltcup-Turnieren plötzlich so erfolgreich sind, kann so recht keiner erklären. „Diesmal läuft es einfach, wir haben nichts anderes gemacht, als vorher“, sagt Säbel-Bundestrainer Joachim Rieg, dessen Athlet Nicolas Limbach am Dienstagabend mit Bronze als erst dritter nach Felix Becker und Steffen Wiesinger bei einer WM eine Einzelmedaille holte. Bei der Weltmeisterschaft in Leipzig vor zwei Jahren dagegen hatten die Deutschen noch eher schlecht abgeschnitten. Vor allem Peter Joppich, der nun den Titel gewann, hatte enttäuscht und war vorzeitig ausgeschieden.

Limbach selbst war zwar nach seiner klaren 11:15-Niederlage im Halbfinale gegen Olympiasieger Aldo Montano (Italien) traurig, konnte sich dann aber doch über sein Edelmetall freuen. „Ich bin schon zufrieden, aber ich hätte gerne gegen den alten Russen im Finale gefochten“, sagte der 21-jährige Dormagener über das entgangene Duell mit dem erfahrenen Stanislaw Posdniakow, der seinen insgesamt zehnten Weltmeistertitel gewann.

Die bisherigen Erfolge im Einzel müssen für eine erfolgreiche Olympia-Qualifikation in den Mannschafts-Wettkämpfen am Wochenende bestätigt werden. Nach jetzigem Stand wäre keine deutsche Mannschaft 2008 in Peking dabei.

Auffallend ist, dass die einstige Medaillenschmiede Tauberbischofsheim weiter auf die erste Einzelmedaille wartet – wie auch schon 2006. Das letzte Gold aus Mainfranken datiert von 1998 (Sabine Bau im Damen-Florett).

In der letzten Einzel-Entscheidung am heutigen Donnerstag sind alle deutschen Florett-Damen aus Tauberbischofsheim dabei. Katja Wächter und Sandra Bingenheimer qualifizierten sich souverän in der Vorrunde. Carolin Golubietsky und Anja Schache waren auf Grund ihrer Weltranglisten-Position gesetzt.dpa

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