Fechten : Ärger um Olympiasieger Kleibrink

Benjamin Kleibrink überraschte als Olympiasieger – nun trennt er sich im Streit von seinem Verein. Kleibrink trat dem OFC Bonn eine Spur zu selbstbewusst auf. Der Olympiasieg sei ihm wohl zu Kopf gestiegen, ließ der Verein öffentlich verlauten.

Frank Bachner
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Sticheln erlaubt. Benjamin Kleibrink sieht sich nicht richtig gewürdigt.Foto: Thilo Rückeis

BerlinBenjamin Kleibrink hat sich am Ende seine Wasserflasche geschnappt und ist einfach gegangen. Was soll er groß trauern nach diesem verlorenen Kampf? Er ist Olympiasieger, er ist ein Star im Florettfechten - aber 13 Punkte in einem Gefecht kann auch er nicht aufholen. So weit lag sein Team am Wochenende schon zurück im Halbfinale gegen ZSKA Moskau. Ins Finale des Mannschaftsturniers um den Steglitzer Pokal, das war schon vor Kleibrinks Gefecht klar, konnte der OFC Bonn nicht mehr einziehen. Kleibrink gewann sein Duell zwar mit zwei Treffen Vorsprung, aber das nützte nichts mehr. Bonn, der Titelverteidiger, wurde am Ende des Traditionsturniers Dritter. Es gewann der FC London.

So was ist bitter für Kleibrink. Es ging ja nicht bloß um die Titelverteidigung, es ging um die Ehre. Denn Kleibrink absolvierte am Wochenende seinen letzten Kampf für den OFC Bonn. Der 23-Jährige startet in Zukunft für Tauberbischofsheim. Ein normaler Wechsel ist das nicht.

Die Art des Wechsels könnte die ohnehin mauen Möglichkeiten des Olympiasiegers Kleibrink weiter einschränken. In Peking hatte er zwar dank seiner überfallartigen Angriffe und seiner Nervenstärke überraschend Gold geholt. Aber er stand im Schatten der populären Britta Heidemann. Die hatte Gold mit dem Degen gewonnen. "Es gibt schon ein bisschen mehr Anfragen als früher", sagt Kleibrink. "Aber es ist nicht so wie bei Britta." Zwei, drei Manager hätten sich angeboten, sagt Kleibrink. Er hat sich für einen entschieden, aber dessen Konzept "ist nicht allein auf mich zugeschnitten". Kleibrink ist im PR-Programm nur einer von vielen.

Er hat imer noch keine Sponsoren

Vor den Spielen in Peking hatte er keine Sponsoren, jetzt hat er als Florett-Olympiasieger immer noch keine. Der Sportstudent hatte ein paar Auftritte: Einmal absolvierte er in Grevenbroich mit seinem Trainer Ulrich Schreck eine Fecht-Demonstration, das hat ihm am besten gefallen. "Da war die Atmosphäre gut, und die Leute waren wirklich interessiert."

Aber wenn jetzt überhaupt über ihn berichtet wird, dann wegen des Streits mit dem OFC Bonn. Sein Verein hatte sich gefreut, dass Kleibrink sich ins Goldene Buch der Stadt Bonn eintragen durfte. Weniger freuten sich die Funktionäre dann, als Kleibrink den Termin vergaß und stattdessen an dem Ehrentag beim Arzt saß. Kleibrink sagt, er habe sich einen Tag später bei der Bürgermeisterin schriftlich entschuldigt, aber das war dem OFC wohl zu wenig. Bonns Funktionäre gelten in der Szene als ziemlich ehrpusselig, und Kleibrink trat ihnen eine Spur zu selbstbewusst auf. Der Olympiasieg sei Kleibrink wohl etwas zu sehr in den Kopf gestiegen, ließ der Verein öffentlich verlauten.

"Ich war schon vorher selbstbewusst", sagt Kleibrink. "Aber ich bin nicht Schüler- oder Bezirksmeister. Ich glaube, der Verein macht sich das nicht richtig klar." Zudem habe der Verein noch keinen Cent Prämie überwiesen, obwohl dies mündlich verabredet gewesen sei. Vor einer Woche trafen sie sich zum letzten Mal, Kleibrink und die OFC-Führung. Es gab wieder Streit, danach sagte Kleibrink Tauberbischofsheim zu. Bonn und Tauberbischofsheim sind tief verfeindet, es ist, als würde ein Fußball-Profi von Borussia Dortmund zu Schalke 04 wechseln.

Benjamin Kleibrink wird jetzt drei Monate gesperrt, weil er erst nach Saisonbeginn gewechselt ist. Aber ihm ist das egal. Darf er halt bei den deutschen Meisterschaften nicht starten. Deutscher Meister? Geschenkt. Der Olympiasieger hat ein ganz anderes Ziel. "Ich will jetzt Weltmeister werden, das war ich noch nie."

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