Fechten : Ärgerlicher Doppeltreffer

Die deutschen Fechter feiern Erfolge bei der WM, zittern aber um die Olympia-Qualifikation. In den Mannschaftsdisziplinen sieht es nicht gut aus für Peking.

Benedikt Voigt
Fechten
Peter Joppich (rechts) zählt zu den erfolgreichen deutschen Fechtern. -Foto: AFP

Berlin - Ein Rathausbalkon stand gestern nicht zur Verfügung. „So weit sind wir noch nicht“, sagt Gordon Rapp, Präsident des Deutschen Fechter-Bundes. Stattdessen musste gestern Nachmittag ein kleiner Empfang im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens genügen, um die Rückkehr der erfolgreichen deutschen Fecht-Equipe von der Weltmeisterschaft in St. Petersburg zu feiern. Mit zwei Gold-, einer Silber- und drei Bronzemedaillen erreichte das deutsche Team hinter Frankreich und Russland Rang drei im Medaillenspiegel der WM. „Wir sind sehr zufrieden“, sagt Gordon Rapp. Allerdings mit einer nicht unbedeutenden Einschränkung: der Olympiaqualifikation.

Vor allem in den Mannschaftsdisziplinen sieht es nicht so gut aus für Peking. Zwar wird die Rangliste, nach der die Olympiaplätze vergeben werden, erst im März 2008 geschlossen. Doch die Ergebnisse der Weltmeisterschaft gehen hier in doppelter Wertung mit ein. Nach den aktuellen Ranglisten wären momentan lediglich die deutschen Florettdamen in Peking am Start. Die Säbeldamen sind bereits chancenlos. „Sie befinden sich im Neuaufbau“, sagt Rapp, „bei ihnen konnte man nicht mit einer Qualifikation rechnen.“ Eher schon kalkulierte der Fechtpräsident mit einer Teilnahme der Säbelherren und Degenherren, doch beide Mannschaften erlebten mit Rang acht und zehn in St. Petersburg einen schweren Rückschlag. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt Gordon Rapp.

Ausgerechnet die Herrenflorett- und die Degendamen-Mannschaft, die Silber beziehungsweise Bronze gewannen, werden bei den Olympischen Spielen nicht vertreten sein. Zum zweiten Mal nach 2004 dürfen nur vier von sechs Mannschaftsdisziplinen bei Olympia vertreten sein, in Peking werden nach dem Rotationsprinzip ausgerechnet jene zwei Disziplinen fehlen, in denen die deutschen Fechtteams am erfolgreichsten sind. „Das ist Pech“, sagt Rapp, „wir arbeiten daran, dass sich das wieder ändert.“

Immerhin geben ihm die WM-Titel von Peter Joppich mit dem Florett und Britta Heidemann mit dem Degen Hoffnung. „Das hat uns gezeigt, dass wir im Einzel bestehen können“, sagt Rapp. Die beiden werden neben Benjamin Kleibrink im Florett auch in Peking zu den Favoriten zählen. Zumal die Sinologie-Studentin Britta Heidemann in Peking ein Heimspiel haben wird, sie ist nach einem Dutzend China-Aufenthalten im Land der Mitte bekannter als in ihrem Heimatland.

Doch das Abschneiden der Asiaten bei der Fecht-Weltmeisterschaft verwunderte auch. „Wir hatten China deutlich stärker erwartet“, sagt der deutsche Fechtpräsident. Die Olympia-Gastgeber hatten sich mit prominenten Fechttrainern verstärkt. „Doch es waren die üblichen Nationen, die die WM-Medaillen unter sich ausgemacht haben“, sagt Rapp. Neben seiner Equipe waren noch Russland, Frankreich, Italien und Ungarn erfolgreich, allesamt Europäer. Da die Olympiaplätze nach Kontinenten vergeben werden, zeigt dies auch, dass es in Europa besonders schwer ist, sich für Peking zu qualifizieren.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben