Fechten : Die bunte Welt beim Weißen Bären

In Berlin wurde am Wochenende das Fechtturnier "Weißer Bär" ausgetragen. Mit dabei waren auch die legendären Borrmann-Brüder. Nur die deutsche Spitze fehlte.

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Berlin - Mit einem Blech voll weiß glasierter Kekse in Bärenform lief Anita Herrmann durch das Horst-Korber-Sportzentrum. Die ersten kleinen Preise verteilte sie einfach schon am Samstag. Beim Weißen Bären von Berlin fochten eigentlich 243 Degenkämpfer um einen großen Porzellanbären, den am Sonntagnachmittag der Weltmeister Nikolai Novosjolov aus Estland im Finale gegen den Franzosen Yannick Borel gewann. Herrmann, Präsidentin des veranstaltenden Fecht-Clubs Grunewald, aber war schon am Vortag bester Laune und reichte ihr Gebäck herum. „Wir werden wieder wahrgenommen in der Fechtwelt“, sagte sie.

Bei der 51. Auflage des Fechtturniers ging es erstmals nicht nur für deutsche Kämpfer um Ranglistenpunkte; auch europäische U-23-Fechter konnten sich hier auf ihrer Rangliste verbessern. Und das lockte Degenfechter aus 26 Nationen nach Berlin, also aus deutlich mehr Ländern als in den vergangenen Jahren. Besonders erfreut war Herrmann darüber, dass die großen Fechtnationen Frankreich und Italien wieder dabei waren.

Schade fand die Veranstalterin allerdings, dass Jörg Fiedler und Martin Schmitt, die beiden Erstplatzierten der deutschen Rangliste, in Berlin fehlten. Aus aller Welt kämen Fechter in die Hauptstadt, da wäre es schön, wenn hier auch alle guten deutschen Fechter anwesend wären, sagte sie. Für diese Kritik hatte Walter Steegmüller, Fachbereichstrainer vom Deutschen Fechterbund, kein Verständnis: „Fiedler und Schmitt waren vergangene Woche in Doha und sind noch zu sehr geschafft“, sagte er. Für sie sei es außerdem wichtiger, Punkte für die Weltrangliste zu sammeln, und das sei beim Weißen Bären nun mal nicht möglich.

Steegmüller war im Horst-Korber-Sportzentrum ständig unterwegs, um die deutschen Fechter zu beobachten. Das Turnier sei gerade für die Jungen eine gute Möglichkeit, zu zeigen, wie weit sie schon seien. Zudem seien internationale Spitzenfechter wie Novosjolov ein guter Gradmesser für den Leistungsstand des deutschen Nachwuchses. Messen musste sich der Nachwuchs auch mit den 54-jährigen Zwillingsbrüdern Elmar und Igor Borrmann. Das Duell der Fechtgenerationen gewannen die jungen Kräfte. Igor Borrmann schied in der ersten Runde aus, Elmar Borrmann musste in der zweiten verletzt aufgeben. „Fechten ist heute einfach viel schneller“, sagte Steegmüller, der nicht verbergen konnte, dass er sich darüber auch ein bisschen freute. Es zeige, dass auch im Fechtsport früher nicht alles besser gewesen sei, wie es die älteren Herren gerne behaupteten.

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