Fechten : Weißer Bär als Sprungbrett

Der Däne Frederik von der Osten liebt Berlins Fechtturnier. Beim Sieg des Deutschen Niklas Multerer wurde er Dritter der Gesamtwertung und gewann den U-23-Wettbewerb.

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Bald Weltmeister? Von der Osten hat im Fechten noch viel vor.
Bald Weltmeister? Von der Osten hat im Fechten noch viel vor.Foto: Imago/Moeller

Eigentlich war Frederik von der Ostens Weg schon vorbestimmt. Sein Urgroßvater war der Mitbegründer des wichtigsten dänischen Fecht-Klubs, sein Opa war Fechter und wurde Militär-Weltmeister – und sein Vater ist mittlerweile Präsident des Hellerup FK, für den nun auch Frederik von der Osten in der Stadt nördlich von Kopenhagen antritt. „Ich kam also auf ganz natürliche Weise zum Fechten“, sagt er.

Und auf ganz natürliche Weise kam der Däne auch zum Weißen Bären in Berlin. Bereits als Kind hatte er seinen Vater Hans zu dem traditionsreichen Degenturnier begleitet. Doch für den 22-Jährigen hat der Weiße Bär sogar noch eine zusätzliche Bedeutung. Für ihn ist das Turnier ein Karriereschritt, den man nicht auslassen kann, wenn man ein großer Degenfechter werden möchte. Denn auch sein Vorbild, der russische Olympiasieger und sechsfache Weltmeister Pawel Kolobkow, hat in Berlin gefochten. „Und er hat das Turnier in meinem Geburtsjahr 1993 gewonnen“, sagt von der Osten: „Und schließlich ist es auch mein ultimatives Ziel, Weltmeister zu werden.“

Einen Punkt auf seiner To-do-Liste für den WM-Titel konnte von der Osten bereits abhaken. Im vergangenen Jahr, bei seiner ersten Teilnahme am Weißen Bär, gewann er. Und auch bei der 56. Auflage des Turniers, die am Wochenende im Haus des Sports im Olympiapark ausgetragen wurde, war von der Osten mit seiner Leistung zufrieden. Beim Sieg des Deutschen Niklas Multerer wurde er Dritter der Gesamtwertung und gewann den U-23-Wettbewerb.

Auch wenn von der Ostens Karriere als Fechter nahezu vorbestimmt war, ein Modellathlet ist der ruhige Däne mit den strubbeligen braunen Haaren nicht. Er hat schmale Schultern, ist für einen Fechter mit 1,80 Meter eher klein und besitzt daher keine große Reichweite. „Das ist für mich aber kein Nachteil“, sagt er leise, überhaupt wägt er jeden seiner Sätze genau ab. „Denn ich bin schnell, ich explodiere förmlich. Ich kann meine Gegner überraschen.“ Als der reservierte von der Osten das schildert, entspannen sich seine Gesichtszüge. Das Fechten fasziniert ihn vollkommen. „Eigentlich ist das Konzept ja sehr simpel: Ich muss meinen Gegner mit dem Degen berühren, ohne dass er mich berührt“, sagt er. „Aber ich entdecke immer wieder neue Aspekte, denn es gibt ja so viele verschiedene Möglichkeiten, den anderen zu berühren.“

Rund 20 Weltcups und Turniere bestreitet er pro Jahr überall auf der Welt

Von der Osten sucht ständig nach neuen Wegen – und er scheut dabei keinen noch so großen Aufwand. Rund 20 Weltcups und Turniere bestreitet er pro Jahr überall auf der Welt: seine nächsten Stationen heißen Heidenheim, Vancouver und Budapest. Doch die Unterstützung des Verbandes ist gering. „Wir sind ein kleines Land ohne Fechttradition. Unsere Athleten entspringen keinem Nachwuchssystem wie etwa in Deutschland“, sagt von der Osten. „Wir müssen all unsere Reisen selbst bezahlen, darum verlieren wir viele Talente.“ So ist die dänische Degen-Nationalmannschaft identisch mit seinem Vereinsteam in Hellerup. „Wenn es ein Däne zu Olympia nach Rio schaffen würde, wäre das ein großer Erfolg“, betont von der Osten, der nicht nur Fechter, sondern vor allem Student der Wirtschaftskommunikation ist.

Die Olympia-Chancen des Vierten der europäischen U-23-Rangliste sind aufgrund der begrenzten Möglichkeiten wenig berauschend. Umso größer ist der Respekt, den etwa der Leipziger Jörg Fiedler ihm zollt. Der Olympia-Dritte von 2004 und Europameister von 2013, für den es ebenfalls noch um das Ticket für Rio geht, sagt über von der Osten: „Er zeigt eine unglaubliche Bereitschaft. Sein Fechter-Leben ist deutlich härter als das der deutschen Athleten auf seinem Niveau.“ Fiedler war dieses Mal beim Weißen Bären als Nachwuchstrainer. „Um seinen Blick zu weiten im Fechten, muss man eben viel von anderen lernen“, betont der 37-Jährige.

Auch Frederik von der Osten weiß: „Es klingt alles so einfach im Fechten – aber es ist dann doch kompliziert.“