Sport : Federball aus Fernost

Bernd-Volker Brahms

Berlin - Als Manfred Kehrberg 1996 nach Peking flog, wusste er nicht, was er damit in Gang setzen würde. Der Berliner Anwalt knüpfte nicht nur Verbindungen unter Juristen, sondern suchte auch nach Badmintonspielern. „Es gibt ja unheimlich viele gute Spieler in China, die dort nie richtig zum Zuge kommen“, sagt Kehrberg. Der Badminton-Abteilungsleiter der SG Empor Brandenburger Tor (EBT) holte immer wieder neue Spieler und Trainer aus China nach Berlin. Eigene Spieler flogen für Monate zum Training nach Asien.

1996 spielte der Berliner Klub noch in der Landesliga und konnte sich mit der Nachhilfe aus Fernost kontinuierlich bis in die Bundesliga vorspielen. Allerdings kann immer nur ein Chinese zur Zeit für die Berliner spielen. Mehr Ausländer aus Nicht-EU-Staaten sind nicht erlaubt. Deshalb wird das Team noch von einem Finnen und zwei Engländern verstärkt.

Am Wochenende bestritt der Klub das Hinspiel im Play-Off-Halbfinale um die deutsche Meisterschaft gegen den 1. BC Bischmisheim. 402 Zuschauer drängten sich in der kleinen Friedrichshainer Sporthalle. Das Spiel endete 4:4, doch im Rückspiel verloren die Berliner gestern 2:6 und sind damit ausgeschieden. Dennoch ist die Kooperation zwischen Fernost und Berlin erfolgreich.

Nummer eins bei der EBT ist der 22 Jahre alte Chinese Chuan Xuan, der als Jugendlicher mit der Mannschaft Weltmeister geworden war. Weil er im eigenen Land keine Perspektive sah, kam er nach Deutschland. Aber nicht nur für chinesische, auch für deutsche Stars ist der EBT attraktiv. Die deutsche Olympiateilnehmerin Nicole Grether wechselte vor zwei Jahren zum EBT. „Ich habe hier ein optimales Trainingsumfeld“, sagt die 30-Jährige. „Die Entwicklung war bei uns kontinuierlich“, sagt Kehrberg.

Doch der EBT war auch schon zu DDR-Zeiten stark, auch wenn die Spieler damals nicht aus China, sondern aus Greifswald und Tröbitz kamen. Damals wurde nach offiziellem Sprachgebrauch auch nicht Badminton gespielt, sondern Federball.

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