Fehler beim Videobeweis : Der 1. FC Köln zeigt Vernunft statt Emotionen

Nach dem irregulären Treffer im Spiel gegen Borussia Dortmund verzichtet der Verein auf einen Einspruch beim Sportgericht des DFB - eine gute Entscheidung. Ein Kommentar.

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Beim Auswärtsspiel in Dortmund war der 1. FC Köln chancenlos. Nach 111 Sekunden fiel bereits das 1:0. Foto: Ina Fassbender/dpa
Beim Auswärtsspiel in Dortmund war der 1. FC Köln chancenlos. Nach 111 Sekunden fiel bereits das 1:0.Foto: Ina Fassbender/dpa

Jörg Schmadtke ist wohl noch einmal in sich gegangen. Ein paar Tage Abstand können für die Beurteilung einer strittigen Causa ja ganz hilfreich sein, können Vernunft wieder vor Emotion stellen. Jedenfalls hat Schmadtkes Verein, der 1.FC Köln, am Dienstag einen Rückzieher von seinem Plan gemacht, beim Sportgericht des DFB Protest gegen die Wertung des Spiels in Dortmund einzulegen. Beim 0:5 hatte der Schiedsrichter – trotz Einsatz des Videoassistenten – einen irregulären Treffer anerkannt, jenen zum 0:2.

Unabhängig von der sportlichen Situation tun die punktlosen Kölner gut daran, mit dem Fall nicht vor Gericht zu ziehen. Zum einen waren die Erfolgschancen in etwa so groß wie der Widerstand des Teams beim BVB. Zum anderen wirkte das Gehabe nach dem Abpfiff wie der Versuch, von den eigenen Schwächen abzulenken.

Jedes Tor kann am Ende entscheiden

So schwer diese Einsicht nach der sensationellen vergangenen Saison auch fallen mag: Im Herbst 2017 zeigt Köln Symptome einer psychisch angeknacksten Mannschaft, die wohl noch eine Weile im Abstiegskampf stecken wird. Allein schon der Zeitpunkt der Gegentore! Das erste fiel nach 111 Sekunden, das zweite kurz vor der Pause, die anderen drei binnen neun Minuten. So verwundert nicht, dass die Kölner nie schlechter in die Liga gestartet sind als in diesem Jahr.

Dennoch, und auch das ist plausibel, fordert der Verein vom DFB eine Stellungnahme. Dass die Kölner, wie vom obersten Dortmunder Moral-Apostel und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke behauptet, „schlechte Verlierer“ seien, ist grober Blödsinn; am Ende einer Saison kann jedes Tor über Klassenerhalt und Abstieg entscheiden. Erinnert sei an den 1. FC Nürnberg, der 1994 nach Thomas Helmers Phantom-Tor ein Wiederholungsspiel gegen die Bayern erstritt, noch höher verlor als im ersten Duell (0:5 statt 1:2) – und wegen des schlechteren Torverhältnisses abstieg. So gesehen ist der Kölner Weg vielleicht gar nicht schlecht.

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